Achtsamkeit

In wenigen Schritten zum nachhaltigen und klimafreundlichen Konsum


Meistens spielen Klimawandel oder Erderwärmung eine maximal untergeordnete Rolle bei unseren Einkäufen. Dabei gibt unser Konsumverhalten unzählige Ansatzmöglichkeiten, einen Teil zu Umwelt- und Klimaschutz sowie Ressourcenschonung beizutragen. Oft reichen dazu schon kleine Änderungen.

Die wichtigsten Fragen vorab

Warum sollte ich meinen Konsum nachhaltig und klimaneutral gestalten?

Die Klimaziele, die von der Politik beschlossen werden, scheinen manchmal weit weg von uns zu liegen. Denn als Hauptschuldige sind schnell Industrie und Wirtschaft ausgemacht, der persönliche Beitrag zu Klimawandel und Ressourcenschwund ist in der Wahrnehmung des Einzelnen hingegen oftmals gar nicht oder nur sehr bedingt präsent. Das kann, beispielsweise hinsichtlich der Zielsetzungen zu Treibhausgasminderungen, die von der Regierung ausgegeben wurden (bis zum Jahr 2050 soll die immerhin bei 95 Prozent liegen), ein schwerwiegender Fehler sein.

Tatsächlich macht unser privater Konsum einen guten Teil der anfallenden CO2-Belastung aus, besonders im Hinblick auf das Wohnen, die Mobilität und unser Ernährungsverhalten. Diese Bereiche machen insgesamt fast zwei Drittel des durchschnittlichen Pro-Kopf-Ausstoßes aus. Allgemeine Kaufentscheidungen, die den grundlegenden Aspekten der Lebenshaltung nicht zugeordnet sind, kommen darüber hinaus alleine schon auf fast 30 Prozent unserer jährlichen C02-Emissionen. Entsprechend viele Möglichkeiten haben wir, mit dem Klimaschutz bei unserem eigenen Verhalten anzufangen.

Andererseits beeinflusst unser Kaufverhalten eben nicht nur die CO2-Produktion, sondern hat auch weitreichende Auswirkungen auf den weltweiten Ressourcenverbrauch, der nicht nur durch die Produkte selbst, sondern auch durch die anfallenden Verpackungen gesteigert wird.

Quelle: Umweltbundesamt, Klimaneutral leben. Verbraucher starten durch beim Klimaschutz, S. 10.

Was bedeutet klimaneutraler Konsum eigentlich?

Darauf gibt es im Grunde genommen eine sehr kurze Antwort: Klimaneutralität können Unternehmen dann herstellen, wenn sie dieselbe Menge an Emissionen kompensieren, die sie verursachen. Aus der Sicht als Verbraucher sind die konkreten Maßnahmen, mit denen das erreicht werden soll, allerdings nicht immer eindeutig auszumachen – Möglichkeiten gibt es nämlich viele.

Die werden nur nicht immer klar verständlich kommuniziert. Was besonders ärgerlich ist, wenn beim Einkauf schon die Absicht besteht, bewusster zu umweltfreundlicheren Produkten zu greifen. In dem Fall können eher suggestive Beschreibungen die Kunden in die Irre führen. Die Beweislast liegt hier bei den Unternehmen selbst, die dem Wunsch der Verbraucher Rechnung tragen und den Nutzen eines bestimmten Produkts für die Umwelt wenigstens nachvollziehbar machen sollten. Umgekehrt ist es natürlich immer ratsam, den Werbeslogans nicht blind zu vertrauen, sondern diese zu hinterfragen.

Leitfragen für den nachhaltigen Einkauf

Die Notwendigkeit eines nachhaltigeren Konsums zu erkennen, ist schon mal eine solide Grundlage für die praktische Umsetzung. Die mitunter missverständlichen Slogans der Konzerne zeigen aber auch, wie aufmerksam wir als Kunden generell sein müssen, damit der gewünschte Zweck wirklich erreicht wird. Entsprechend lang ist daher der Fragenkatalog, den es zu beachten gilt. Der wirkt auf dem Papier allerdings wesentlich komplexer, als er es im Vollzug tatsächlich ist.

Einige grundsätzliche Fragen stellen sich sowieso: Ob beispielsweise stromverbrauchende Produkte energieeffizient sind oder nicht, ist schließlich fast immer eines der wichtigsten Kaufkriterien überhaupt. Die Frage hiernach ist uns Verbrauchern gewissermaßen in Fleisch und Blut übergegangen – nicht allein wegen der positiven Effekte auf die Umwelt, sondern auch wegen der auf den Geldbeutel.

Und wer auf Fair Trade-Produkte achtet, interessiert sich mit allergrößter Wahrscheinlichkeit auch im Allgemeinen für sozialverträgliche Arbeitsbedingungen im gesamten Herstellungsprozess. Ähnlich verhält es sich mit den Materialien, beispielsweise beim Klamottenkauf. Die Frage ist immer, ob diese unter Aspekten der Ökologie und Gesundheit vertretbar sind und ob nicht eventuell doch – und das oftmals unnötig – belastende Stoffe wie Lösemittel oder andere Chemikalien verwendet wurden. Apropos ökologische Vertretbarkeit: Die ist natürlich nicht nur bei den Produkten selbst relevant, sondern auch bei deren Verpackung. Sparsam und recyclebar geht hier immer vor übermäßig aufwändig, die Möglichkeit zur Rückführung in andere Materialkreisläufe ist sehr wünschenswert.

Die vielleicht wichtigste Frage, die eigentlich am Anfang jeder Kaufentscheidung stehen sollte, lautet aber: Brauche ich dieses Produkt wirklich?

Klima- und Umweltfaktor Online-Shopping

Ein nicht unerheblicher Teil unserer Einkäufe wird mittlerweile über das Internet erledigt. In erster Linie natürlich, weil es unglaublich praktisch ist und wir von der Bestellung bis zum Erhalt der Sendung nicht einmal das Haus verlassen müssen. So schonen wir immerhin die Umwelt, weil die Anfahrt zum Geschäft mit dem Auto wegfällt. Auf der anderen Seite steht allerdings der logistische Aufwand, den es für die Anlieferung braucht. Stellt sich unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit also die Frage, ob das Online-Shopping überhaupt Sinn macht.

Kann der Versand klimaneutral sein?

Die Internetseite Klima ohne Grenzen gibt auf diese Frage eine eindeutige Antwort: Ja, es kann. Es kann sogar klimafreundlicher als der Einkauf mit dem Auto sein, wenn die notwendigen Voraussetzungen geschaffen sind. Das liegt unter anderem daran, dass deutlich weniger Fahrzeuge bewegt werden müssen. In Anbetracht der schieren Menge an Paketlieferwagen, die im Alltag unseren Weg kreuzen, scheint das vielleicht auf den ersten Blick widersprüchlich.

Bei genauerer Betrachtung wird der Vorteil aber deutlicher: Ein Paketbote kann mit einem Fahrzeug eine Vielzahl an Empfängern erreichen. Der Einkauf im Einzelhandel bedeutet hingegen, dass sich eine ebensolche Vielzahl an Kunden auf den Weg in die Geschäfte macht, schlimmstenfalls mit dem Auto. In dem Fall ist es vielleicht doch besser, die explizit klimaneutralen Versandoptionen der Lieferdienste zu nutzen, die inzwischen von nahezu allen Paketdiensten angeboten werden.

Wer eine Verschlechterung der Klimabilanz der Paketlieferer durch Retouren vermeiden will, sollte sich unter Umständen gleich mit dem Gedanken befassen, eine Paketstation zu nutzen. Damit lässt sich zwar eine Rücksendung wegen Nichtgefallen auch nicht umgehen, aber es ist zumindest nicht weiter tragisch, wenn niemand das Paket persönlich entgegennehmen kann.

Kann das Online-Shopping überhaupt klimaneutral sein?

Auch hier lautet die kurze Antwort „ja“. Es gibt eine Reihe von Online-Shops, die beispielsweise ihr Sortiment ganz nach Aspekten der Ökologie und Fair Trade zusammenstellen und eben nicht nur beim Versand, sondern ganzheitlich beim gesamten Geschäftskonzept nach diesen Maximen arbeiten – also zum Beispiel Produktions- und Bürogebäude energiesparend und mit Ökostrom betreiben und auf Müllvermeidung achten.

Die klimaneutralen Einkaufsmöglichkeiten gibt es inzwischen branchenübergreifend und sie beschränken sich nicht mehr nur auf die üblichen Produktkategorien wie Mode, Möbel oder Technik, sondern stehen beispielsweise längst auch im Bereich des Online-Drucks zur Verfügung. Die Herangehensweisen sind dabei durchaus unterschiedlich. Die Kriterien des Avocado Stores zielen hauptsächlich auf die Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit der angebotenen Produkte, die CO2-Emissionen des Online-Shops von diedruckerei.de werden vollständig über zertifizierte Klimaschutzprojekte ausgeglichen, beim Fernbusanbieter FlixBus haben die Fahrgäste sogar selbst die Möglichkeit zu entscheiden, die Klimaneutralität ihrer Reise durch einen freiwilligen Klimaschutzbeitrag zu gewährleisten. Der Ausgleich der eigenen CO2-Produktion durch die Vermeidung an anderer Stelle ist im Allgemeinen ein übliches Vorgehen geworden, das zumeist ergänzend zu betriebsinternen Klimaschutzmaßnahmen genutzt wird. /p>

Tatsächlich sind solche Zertifikate auch für die Endverbraucher selbst eine Option, um die persönlichen Emissionen zu kompensieren. Wichtig ist allerdings, auf die Qualität der erworbenen Zertifikate zu achten: Das geht zum Beispiel über die Berücksichtigung der entsprechenden Gütesiegel wie dem „Gold Standard“ oder dem TÜV-Siegel.

Ein paar Tricks für die Praxis

Bei allen Bemühungen der Händler kann unser persönlicher CO2-Ausstoß im Grunde genommen nur durch eine Veränderung unseres Konsumverhaltens erreicht werden. Die oben bereits erwähnten Leitfragen sind dafür ein guter Ausgangspunkt und der Umstieg auf den klimaneutralen Versand unter bestimmten Gesichtspunkten eine sinnvolle Alternative. Gerade beim Lebensmittelkauf gibt es aber einige kleine Kniffe, die bei konsequenter (und im günstigsten Fall flächendeckender) Anwendung auch ihren Teil zum großen Klimaziel beitragen können.

  • Beispiel Müllvermeidung: In vielen Fällen leider unumgänglich, aber gerade beim Frischobst und –gemüse absolut vermeidbar sind überflüssige Plastikverpackungen. Das nimmt teilweise absurde Formen an, besonders bei Obst- und Gemüsesorten mit einer Schale scheint der zusätzliche Plastikschutz leicht übertrieben und vor allem bei Bio-Produkten kann eine solche Verpackung nur noch als unverständlich bewertet werden. Ebenfalls in den seltensten Fällen nötig sind die immer noch beliebten ‚Obsttüten‘, auf die beim geschickten Packen des Einkaufswagens gut verzichtet werden kann – erst recht um damit schon verpackte Lebensmittel zu transportieren!
  • Beispiel Regionalität: Es ist in gewisser Weise erstaunlich, wie grob unterschiedliche Ernährungstrends nebeneinander bestehen können, ohne aufgrund ihrer Widersprüchlichkeit für ein Nachdenken bei den Verbrauchern zu sorgen. So stehen derzeit die durchweg aus Übersee importierten Superfoods hoch im Kurs, während gleichzeitig allerorten regionale Produkte beworben werden. Nebenbei bemerkt: Wer den regional und saisonal verfügbaren Lebensmitteln ein wenig Aufmerksamkeit schenkt, wird sehr schnell feststellen, dass die den vermeintlichen „Supernahrungsmitteln“ in nichts nachstehen – im Gegenteil!
  • Beispiel Lebensmittelverschwendung: Wir leben in einer Überflussgesellschaft, was sich nicht allein an den übervollen Supermarktregalen und der Angebotsvielfalt erkennen lässt. Es macht sich leider auch in der Menge an Lebensmitteln bemerkbar, die in Deutschland in jedem Jahr in den Müll wandern: Rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel kommen zwar vom Hersteller bis zu den Verbrauchern, werden dort dann aber gar nicht mehr konsumiert; weitere vier Millionen Tonnen werden schon im Zuge der Produktion entsorgt. Das liegt natürlich nicht ausschließlich an unserem Kaufverhalten, auch wenn das natürlich dazu beitragen kann – bei Spontankäufen oder schlechter Mengenkalkulation etwa. Oft genug sind aber hygienische Vorschriften oder Begebenheiten des Marktes verantwortlich. Dennoch können wir helfen, die Lebensmittelverschwendung einzudämmen. Wohlüberlegtere Käufe sind in dieser Hinsicht ein Mittel oder beispielsweise der Kauf von preisreduzierten Lebensmitteln mit kurzem Mindesthaltbarkeitsdatum. Die sind im Normalfall bei richtiger Lagerung immer noch mindestens ein paar Tage verzehrbar – und wandern ansonsten schlichtweg in den Müll.
  • Beispiel Gütesiegel: Was uns Verbrauchern eigentlich helfen sollte, die Produkte mit der gewünschten Qualität (und zwar nicht nur Lebensmittel, sondern auch Kleidung etc.) zu finden, kann im Gegenteil oft in die Irre führen. Vor allem in Verbindung mit Werbeslogans, die keinerlei offizielle Zertifizierung und damit wenig Aussagekraft haben, kann der Verwirrfaktor ähnlich wie bei den Verpackungen mehr für Verwirrung sorgen, als zu helfen. In dem Fall bleibt uns Kunden wenig anderes übrig, als schon im Vorfeld Informationen hierzu einzuholen.

Tipps für einen nachhaltigeren und klimafreundlicheren Konsum gibt es noch zuhauf, unser Verhalten als Verbraucher gibt unzählige Möglichkeiten für Veränderungen im Sinne des Umwelt- und Ressourcenschutzes. Wer sein Konsumverhalten zukünftig mehr daran orientieren möchte, findet auf der Website des Rats für Nachhaltige Entwicklung möglicherweise noch die eine oder andere Anregung und aktuelle Informationen.


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