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Der richtige Umgang mit Demenz


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Wie Sie sensibel mit Altersdemenz umgehen

Der betagte Nachbar fragt innerhalb von 10 Minuten mehrmals, ob die Kellertür bereits abgeschlossen ist. Die 90-jährige Tante ist zu Besuch und fängt mitten in der Nacht an, in der Küche zu wirtschaften, weil sie Essen für ihre (schon längst erwachsenen) Kinder kochen möchte. Die meisten Menschen wissen nicht recht, wie sie mit solchen Situationen umgehen sollen. Die folgenden Tipps erleichtern Ihnen den Umgang mit Demenz und betroffenen Personen.

Antwort sichtbar festhalten

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Demenzkranke, deren Kurzzeitgedächtnis aussetzt, stellen immer wieder die gleichen Fragen. Bleiben Sie dennoch geduldig und weisen Sie nicht auf die Wiederholung hin („Das habe ich doch schon gesagt“). Machen Sie Ihre Antwort lieber sichtbar. Im Beispiel des Nachbarn etwa dadurch, dass Sie den Schlüssel demonstrativ hochhalten, wenn er Sie zum 2. oder 3. Mal nach der Kellertür fragt. Das prägt sich leichter ein, und Sie brauchen nur eine kleine Geste zu machen, anstatt immer dasselbe zu sagen. simplify-Tipp: Auch ein Zettel wie „Die Tür ist zu“ erfüllt diese Funktion.

Pausen zulassen

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Demenzkranke tun sich oft schwer damit, die passenden Worte zu finden. Wenn der Redefluss ins Stocken kommt, sollten Sie dennoch den angefangenen Satz nicht ergänzen, sondern erst einmal abwarten. Lassen Sie dem anderen einige Sekunden Zeit, um seine Gedanken doch noch selbst auszudrücken – es gelingt öfter, als man meint. Erst wenn einige Sekunden verstrichen sind, formulieren Sie das Gehörte in eine Frage um, die Ihr Gegenüber mit „ja“ oder „nein“ beantworten kann. Beispiel: Lautet der unvollständige Satz „Ich will, äh, trinken ...“, so fragen Sie nach: „Möchtest du einen Tee trinken?“ simplify-Tipp: Fürs Zuhören gilt dasselbe wie fürs Sprechen. Lassen Sie Ihrem Gegenüber Zeit, Ihre Informationen zu verdauen. Erst wenn Sie an der Reaktion Ihres Mitmenschen merken, dass er etwas missverstanden hat, formulieren Sie Ihr Anliegen noch einmal mit anderen Worten.

Eindeutige Botschaften

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Informationen werden nicht nur über Worte vermittelt, sondern auch über Mimik und Gesten. Unterstützen Sie Ihre Rede mit dem passenden Tonfall und klaren Körpersignalen. Bleiben Sie dabei ehrlich: Wenn Sie der Zustand des anderen bedrückt, werden auch betont fröhliche Worte keine Ermunterung, sondern allenfalls Verwirrung bewirken. simplify-Tipp: Halten Sie möglichst viel Blickkontakt. Mit einem auffordernden Blick oder einer leichten Berührung können Sie dem anderen in einer größeren Runde auch verdeutlichen, wann er mit seinem Beitrag an der Reihe ist. So vermeiden Sie, dass er anderen ins Wort fällt oder stumm bleibt, wenn er etwas sagen sollte.

Wertschätzung ausdrücken

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Die Sozialwissenschaftlerin Naomi Feil hat für den Umgang mit desorientierten Menschen in den 1980er Jahren das Konzept der „Validation“ (Wertschätzung) entwickelt. Statt den betroffenen Menschen zu frustrieren, indem man ihn mit den nackten Fakten konfrontiert („Deine Kinder sind längst erwachsen, du brauchst nicht mehr für sie zu kochen“), soll Validation vermitteln, dass seine Gefühle verstanden werden. simplify-Beispiel: Sie fragen die verwirrte Tante, wie viele Kinder sie denn habe und was ihre Aufgaben als Mutter seien. Dann sprechen Sie ihre Gefühle an: „Es ist traurig, wenn man als Mutter nicht mehr für jemanden sorgen kann.“ Bestätigen Sie der Tante, dass sie eine gute Mutter ist und dass sich ihre Kinder freuen können, sie zu haben. Dieses kurze Gespräch wird sie vermutlich so weit beruhigen, dass Sie sie zurück ins Schlafzimmer begleiten können.

Gefühle ernst nehmen

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Oft ist es für Außenstehende schwer verständlich, warum ein Demenzkranker aufgeregt, traurig oder fröhlich ist. Argumentieren Sie nicht sachlich gegen ein Gefühl an, sondern versuchen Sie, an der Gefühlslage des anderen Anteil zu nehmen. Wenn Kranke merken, dass ihre Gefühle verstanden werden, beruhigen sie sich meist bald und können sich anschließend auf ein Gespräch einlassen.

Langsamer leben

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Der richtige Umgang mit Demenzkranken ist oft mühsam. In unserer immer schnelleren Zeit stellen Demenzkranke ihre Mitmenschen vor die Herausforderung, einen Gang zurückzuschalten, sich in Geduld zu üben und aufmerksame Gegenüber zu sein. Sehen Sie es positiv: Wenn Sie diese Herausforderung annehmen, profitieren Sie davon auch selbst.

Zum Weiterlesen: Demenz. Hilfe für Angehörige und Betroffene. Stiftung Warentest, Berlin 2006. ISBN 3-937880-29-1. 19,90 €.

Autor: Tiki Küstenmacher


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