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Mobbing in der Schule: Stopp! Nicht mit mir!


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Mobbing in der Schule gab es schon lange vor unserer Zeit. Doch die Schikanen werden stärker und intensiver, und Medien sowie soziale Netzwerke geben dem Ganzen eine neue Dimension. Auch wenn es sich um ein bekanntes Phänomen handelt: Mobbing schadet nachweislich – jedem Beteiligten. Wir fragten Christian Lundbeck, Jurist, Mediator und ehrenamtlicher Berater der Mobbing-Hotline Baden-Württemberg, um Rat.

Mobbing ist Ausgrenzen

Mobbing hat meistens zum Ziel, einen anderen Menschen aus einer Gruppe auszuschließen. Mal piesacken Mobber wegen Äußerlichkeiten, z. B. Kleidung, Körpergröße, Haare, Akzent. Mal lästern sie über Verhaltensweisen, Ungeschicklichkeiten oder Ängstlichkeit. Die oder der Gemobbte ist auf ihre/seine Weise anders und soll deshalb nicht zur Gruppe gehören.

Mobbing bleibt lange unbemerkt

Gerangel, Spott, Aggressionen, geringschätzige Blicke und heftige verbale Anfeindungen bis hin zu körperlicher Gewalt gehen oft über Wochen und Monate. Sie verursachen bei einem Kind oder Jugendlichen gezielt Leiden und Schmerzen. Eltern, Lehrer oder andere Bezugspersonen bekommen häufig erst spät etwas vom Mobbing in der Schule mit, so Lundbeck. Denn betroffene Schüler schweigen aus Angst, dass es noch schlimmer kommen könnte, oder aus Scham.

Daran erkennen Sie Mobbing

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  • Ihr Kind scheut den Weg zur Schule.
  • Es mag überhaupt nicht mehr in die Schule.
  • Es leidet unter Bauch- und/oder Kopfschmerzen.
  • Es ist allgemein häufiger krank.
  • Es nachts hat Alpträume oder nässt (wieder) ein.
  • Es igelt sich ein, flüchtet ins Fernsehen, ins Internet oder in den Alkohol.
  • Es hat keine Freunde mehr.
  • Es hat ein vermindertes Selbstwertgefühl.
  • Die schulischen Leistungen werden schlechter.
  • Persönliche Gegenstände verschwinden oder werden zerstört.

Unsere simplify-Grundsätze für Eltern

  • Seien Sie zunächst (und immer) offen für Ihr Kind! Offenheit, besser: Empathie, ist die Grundhaltung, sagt Lundbeck, die es ermöglicht, dass gerade ein pubertierendes Kind die Verbindung zu den Eltern aufrechterhalten kann.
  • Zeigen Sie ihm, dass Sie zuhören!
  • Fragen Sie nach! Das erfordert Geduld.
  • Reden Sie über die Gefahren von Facebook & Co.!
  • Besprechen Sie gemeinsam, welches der nächste Schritt sein soll, wenn sich Mobbing in der Schule bestätigt.

Mobbing erkannt? 

Das sollten Sie vermeiden:

  • Reden Sie das Problem nicht klein, wenn Ihr Kind Situationen schildert, unter denen es leidet.
  • Ermutigen Sie es nicht, auf dieselbe Weise zurückzuschlagen.
  • Sprechen Sie bei einem konkreten Verdacht weder direkt mit demjenigen, der mobbt, noch mit dessen Eltern.
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Das können Sie konkret tun:

  • Suchen Sie das Gespräch mit dem Klassen- oder Vertrauenslehrer!
  • In vielen Schulen gibt es bereits sogenannte Konfliktlotsen, ältere Schüler, die ein Konflikttraining absolviert haben und die Sie beauftragen können.
  • Hilft das nicht, sprechen Sie die Schulleitung an.
  • Haben Sie das Gefühl, nirgends weiterzukommen, lassen Sie sich von einer unabhängigen Mobbing-Beratungsstelle unterstützen und helfen.

Nach Lundbeck ist es in einem Mobbing-Konflikt wichtig, aus dem Schema "Täter" und "Opfer" herauszukommen. Es hilft nicht nachhaltig, wenn ein Täter nur beschuldigt und bestraft wird und das Opfer abgestempelt bleibt - im Gegenteil: Das heizt das Klima weiter auf, und schnell geraten auch die Eltern aneinander. Die Lösung des Konflikts geht mindestens die ganze Schulklasse oder sogar die ganze Schule etwas an. Auch diejenigen, von denen das Mobbing ausgeht, sind mit einzubeziehen. Am meisten hilft es immer noch, offen und möglichst frei von Bewertung darüber zu sprechen.

simplify-Rat: Ein älteres Kind können Sie ermutigen, ein Mobbing- oder Schmerz-Tagebuch zu führen. Was das Kind aufschreibt, belastet es nicht mehr so stark in Gedanken, weiß Lundbeck. Außerdem entsteht dadurch eine Dokumentation über Mobbing-Vorfälle in der Schule, die für spätere Gespräche oder für eine Mediation hilfreich sein kann.

Mobbing vorbeugen mit Respekt

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Viele Schulen arbeiten bereits daran, die soziale Kompetenz aller zu fördern. Sie bieten Trainings zur Konfliktlösung an, damit es erst gar nicht zu Mobbing kommt. Das ist noch immer die beste Lösung! „Es geht um Respekt, um Rück-Sicht“, sagt Lundbeck. Die mobbenden Schüler brauchen genauso Respekt wie die gemobbten.

simplify-Tipp: Legen Sie bei Ihren Kindern Wert auf ganz banale Regeln der Kommunikation, etwa auf die 3 Wörter "Bitte", "Danke" und "Entschuldigung". Vermitteln Sie ihnen, was es bedeutet, Respekt voreinander zu haben: "Wir sind verschieden und dürfen das auch sein. Ich achte dich, ich erkenne dich an, auch wenn es dir zurzeit nicht gut geht oder du etwas getan hast, was ich nicht gutheiße. Wir überlegen zusammen, was wir tun können, damit es dir und anderen besser geht."

Christian Lundbeck ist Autor des Buches "Mobbing - Zeige mir deine Wunde! Impulse für Opfer, für Beratung, Mediation und Seelsorge", erschienen 2011 im Fenestra-Verlag, Wiesbaden - Berlin, ISBN 978-3981349849, in dem es um Mobbing in Arbeits- und Ausbildungsverhältnissen geht. Seine Website: www.lumen-mediation.de

Autorin: Dunja Herrmann


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