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Sportmythen: Dichtung oder Wahrheit?


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Gerüchte über Sport, die Sie ein für allemal vergessen sollten

Nicht nur um den Profisport und seine Akteure, sondern auch um das Sporttreiben als Hobby ranken sich viele Mythen. Nicht alle davon sind der Gesundheit förderlich! Hier eine Auswahl der Erkenntnisse des Sportwissenschaftlers Prof. Dr. Ingo Froböse, simplify-mäßig aufbereitet.

Laufschuh + Asphalt = Waldboden?

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Mythos: „Auf Asphalt laufen schadet den Gelenken.“

Fakt ist: Dieser Mythos nützt vor allem der Laufschuh-Industrie, bringt er doch die Menschen dazu, viel Geld in immer raffinierter gedämpfte Schuhe zu investieren. Aber: Bisher wird er von keiner einzigen wissenschaftlichen Studie belegt. Dagegen gibt es Untersuchungen, wonach ausgerechnet gut gedämpfte Laufschuhe das natürliche Zusammenspiel der Fuß- und Beinmuskeln eher behindern.

simplify-Rat: Das allerbeste Federungssystem sind die körpereigenen Muskeln. Wenn Sie Ihren Gelenken etwas Gutes tun möchten, sollten Sie daher Ihre Bein- und Fußmuskulatur kräftigen. Gehen Sie öfter barfuß, und stellen Sie sich ab und zu barfuß auf einen instabilen Untergrund wie ein mit Luft gefülltes Sitzkissen oder ein Kippbrettchen.

Ohne Dehnen läuft nichts?

Mythos: „Dehnen verringert die Verletzungsgefahr.“

Fakt ist: Dehnen hat fast keinen Effekt auf die Muskulatur. Im schlimmsten Fall ist das Dehnen sogar kontraproduktiv, da statisches (gehaltenes) Dehnen die Muskeln toleranter gegenüber einem Dehnungsreiz macht. Die Folge: Sie überdehnen leichter, weil sich der warnende Schmerz langsamer einstellt.

simplify-Rat: Dehnen Sie lieber nach dem Sport als vorher. Dadurch können Sie Ihre Wahrnehmung einzelner Muskelgruppen steigern und sich gezielt entspannen. Verzichten sollten Sie darauf allerdings bei intensivem Krafttraining. Denn dabei eventuell entstehende Mikroverletzungen würden durchs anschließende Dehnen verschlimmert werden.

Picknickverbot am Badesee?

Mythos: „Nach dem Essen schwimmt man nicht.“

Fakt ist: Es gibt eine Reihe von Gründen, die gegen das Schwimmen mit vollem Magen sprechen. Beispielsweise, dass das Blut, das die Muskeln benötigen, im Bauchraum zur Verdauung fehlt. Oder dass der Wasserdruck, der den Bauchraum eindrückt, bei gefülltem Magen die Speise nach oben schiebt. Aber: Bei vollem Magen werden Sie meist ohnehin keine Lust zu einer Schwimmhöchstleistung haben. Ein leerer Magen dagegen könnte in Kombination mit sportlicher Leistung einen Zuckerschock auslösen, der auch im Wasser gefährlich sein könnte.

simplify-Rat: Wenn Sie (oder Ihre Kinder) nicht „richtig“ schwimmen, sondern nur etwas Spaß im Wasser haben wollen, geht das auch nach einer Mahlzeit, es sei denn, Sie leiden unter einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Hauptsache draußen?

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Mythos: „Outdoorsport ist gesünder als Indoorsport.“

Fakt ist: Gerade bei großer Hitze und damit auftretenden hohen Ozonwerten ist Sport im Freien im schlimmsten Fall sogar ein gesundheitliches Risiko (Kreislauf, Sonnenbrand ...). Und wer mitten in der Stadt joggt oder radelt, sollte die Belastung durch Feinstaub nicht unterschätzen.

simplify-Rat: Verzichten Sie bei Werten von mehr als 360 Mikrogramm Ozon auf sportliche Betätigung im Freien. Wenn Sie zu den rund 10–20 % der Bevölkerung gehören, die empfindlich auf Ozon reagieren, bereits bei einem Wert von über 150 Mikrogramm. Betreiben Sie Ihren Sport möglichst nicht mitten im Verkehrsgewühl, sondern im Grünen.

Ausgleichssport für Alkohol?

Mythos: „Alkohol lässt sich durch Sport ausschwitzen.“

Fakt ist: Über die Haut verlieren wir maximal 5 % des konsumierten Alkohols, den Rest muss die Leber abbauen. Da sie dazu Kohlenhydrate benötigt und das Herz mehr Kraft braucht, um die erweiterten Blutgefäße mit Blut zu füllen, ist die Muskelkraft in dieser Zeit reduziert. Dazu kommt: Da Alkohol die Konzentration beeinträchtigt und das Schmerzempfinden herabsetzt, erhöht sich das Verletzungsrisiko.

simplify-Rat: Haben Sie einen feucht-fröhlichen Abend verbracht, sollten Sie am nächsten Tag sportlich einen Gang zurückschalten; optimal ist ein ruhiger Spaziergang an der frischen Luft.

Purzelnde Pfunde?

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Mythos: „Sport macht schlank.“

Fakt ist: Mit einer Stunde Ausdauertraining verbrennen Sie zwar ca. 500–600 kcal. Wenn Sie sich aber hinterher mit einem Marsriegel belohnen, haben Sie die schon fast zur Hälfte wieder nachgefüllt. Mit einer Fertigpizza können Sie (je nach Sorte) sogar 1.000 kcal zu sich nehmen.

simplify-Rat: Sport hilft Ihnen vor allem dann, schlanker zu werden, wenn Sie ihn regelmäßig treiben, denn damit kurbeln Sie Ihren Stoffwechsel an, beschleunigen Ihre Energieverbrennung und erhöhen Ihren Grundumsatz. Besonders effektiv dafür ist übrigens Krafttraining. Wählen Sie Ihre Sportart jedoch nicht danach aus, dass sie schnelles Abnehmen verspricht. Wenn Sie sich dabei quälen, leidet nicht nur Ihr Durchhaltevermögen, sondern Sie erliegen auch viel eher der Versuchung, sich hinterher mit einer Kalorienbombe zu entschädigen.

Ingo Froböse/Peter Großmann: Dumm kickt gut und 44 andere Sportirrtümer. Lübbe Ehrenwirt Verlag, Bergisch Gladbach 2010. ISBN-10: 340-4-606-639. 7,99 €.

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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