Eheprobleme

Eheprobleme lösen


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Das werden vor allem Männer lieben!

„Liebling, wir müssen reden.“ Wenn eine Frau das sagt, bringt das den Mann meist in Alarmstellung. Die US-Psychotherapeuten Patricia Love und Steven Stosny haben diesen Sachverhalt erforscht und sind zu einem erstaunlichen Resultat gekommen: Mehr miteinander zu reden, ist nur selten ein guter Rat, wenn man Eheprobleme lösen möchte

Der gar nicht so kleine Unterschied

Wird ein Mann durch die Kritik seiner Frau beschämt, produziert sein Körper spontan große Mengen Cortisol – ein Stresshormon mit einer eindeutigen Wirkung: Man fühlt sich schrecklich unwohl, hat Herzklopfen, Schweißausbrüche, Bauchweh. Kritisiert umgekehrt ein Mann seine Frau, bleibt sie vergleichsweise ruhig, denn Cortisol wird bei ihr in dieser Situation nicht ausgeschüttet.

Der weibliche Körper-Seele-Apparat reagiert dagegen mit einer Cortisol-Flut, wenn der Mann sie anschreit, sie ignoriert, sie mit Worten verletzt oder ihr Angst macht. Umgekehrt lassen Drohungen der Frau den Mann hormonell kalt. Selbst wenn sie ihn körperlich bedroht, würde sein Körper dabei vermutlich nicht so viel Cortisol produzieren wie bei ihrem Vorwurf „Du hattest doch versprochen, die Wäsche abzuholen, und hast es wieder vergessen.“

Sie hat Angst, er schämt sich

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Der Grund für diesen (in einer Studie klar nachgewiesenen) Unterschied vermuten Love und Stosny in frühkindlichen Verhaltensmustern: Männliche Babys sehen sich um, wenn sie Angst haben, und bereiten sich auf Flucht oder Kampf vor.Weibliche Kleinkinder dagegen suchen in Gefahr vor allem Augenkontakt. Daher fürchten Frauen später vor allem, allein gelassen zu werden (Angst); Männer fürchten sich davor, dass ein anderer ihre Unsicherheit bemerkt (Scham). Bei beiden kann der unangenehme Cortisol-Rausch viele Stunden andauern und zu finstersten Gedanken führen.

Die Lösung heißt: Verbindung

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Das gemeinsame Gegenmittel für die bei Mann und Frau so verschiedenen Stressauslöser heißt: Kontakt. Denn sowohl Angst als auch Scham beruhen auf der existenziellen Sorge, allein gelassen zu werden. „Wir müssen reden“ ist dabei keine Lösung, denn ein Mann beginnt ein Gespräch über ein heikles Thema nicht, wenn er ahnt, dass seine Frau genervt die Augen verdrehen wird. Und eine Frau geht einer Unterhaltung aus dem Weg, wenn sie mit einer aggressiven, ablehnenden oder völlig desinteressierten Reaktion ihres Mannes rechnen muss.

Also: Schaffen Sie Kontakt, bevor Sie reden und konkrete Eheprobleme lösen wollen. Berühren Sie sich, kuscheln Sie sich aneinander, geben Sie sich einen Kuss oder tun sie etwas gemeinsam. Beide sollten das Gefühl größtmöglicher Geborgenheit und Sicherheit haben – er wird nicht bloßgestellt, sie wird nicht missachtet oder bedroht. Stosnys Merkregel: „Hören Sie auf, eine Verbindung mit Worten erreichen zu wollen. Lassen Sie stattdessen Ihre Worte aus der Verbindung entstehen.“ Der interessante Nebeneffekt: Sind Mann und Frau gut und ohne Worte miteinander verbunden, möchten Männer in der Regel mehr reden und Frauen weniger, und beide treffen sich irgendwo in der Mitte.

Verbinden und vertauschen

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Wenn Sie sich umarmen, küssen oder berühren, probieren Sie es mit folgender Übung: Stellen Sie sich vor, Sie tauschen Ihre Körper. Für Patricia Love war ein solches Erlebnis die Initialzündung für ihr Forschungsprojekt. Eines Nachmittags lag sie mit ihrem Mann nach dem Duschen im Bett und war gespannt, ob er die Initiative zum Sex ergreifen würde. Da fühlte sie sich in ihn hinein und verstand seine fürchterliche Situation: Nicht die leiseste Ahnung zu haben, ob sie ihn ablehnen oder akzeptieren würde. Diese Erfahrung änderte ihr Leben und führte sie zu der Einsicht: Die Fähigkeit, sich in den anderen Partner hineinzuversetzen und dann so zu handeln, dass er weder beschämt, verunsichert, verängstigt oder ignoriert wird – das ist wichtiger als Liebe.

Was Liebe ist

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Stosny nennt Liebe „Sehen mit 4 Augen“, also immer die Sicht des anderen mitbedenken. Eine schwierige Kunst – denn sobald Sie voller Scham, zornig oder ängstlich sind, ziehen Sie sich in sich selbst zurück. Damit verlieren Sie genau das, wonach Sie sich am bittersten sehnen: die Verbindung mit dem geliebten Partner. Love und Stosny raten daher zu einer aktiven Liebe. Das bedeutet biologisch ausgedrückt: Behandeln Sie Ihren Partner so, dass er kein Stresshormon produzieren muss.

Liebe bedeutet damit für eine Frau: Ersparen Sie Ihrem Mann peinliche Situationen. Sagen Sie ihm, dass Sie gut finden, was er macht. Sagen Sie es ihm etwa 3-mal so oft, wie Sie denken, dass es nötig ist. Keine Sorge – damit verhätscheln Sie ihn nicht, sondern stärken Ihre Beziehung. Bemühen Sie sich um Sachlichkeit, emotional sind Sie von allein. Liebe bedeutet für einen Mann: Ersparen Sie Ihrer Frau emotionale Unsicherheit. Sagen Sie ihr, dass Sie sie lieben. Sagen Sie es ihr etwa 3-mal so oft, wie Sie denken, dass es nötig ist. Keine Sorge – damit verhätscheln Sie sie nicht, sondern stärken Ihre Beziehung. Bemühen Sie sich um Gefühle, sachlich sind Sie von allein.

Entwickeln Sie ein Notprogramm

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Vereinbaren Sie eine Geste oder ein Signal, mit dem Sie sich vor den Stress auslösenden Reaktionen Ihres Partners schützen können. Umarmen Sie den anderen oder legen Sie beide Finger auf Ihren Mund. So ein Zeichen bewährt sich vor allem in der Phase vor einer Krise. Die Chance für die Frau: Sie macht nicht spontan ihrer Wut Luft, sondern erkennt die gute Absicht im Herzen ihres Mannes. Die Chance für den Mann: Er rennt nicht fort, sondern hört seiner Frau zu, wenn er weiß, dass sie ihn nicht bloßstellt, sondern bei den Fakten bleibt.

Wer mehr darüber lesen möchte, weniger zu reden: Patricia Love, Steven Stosny: Schatz, wir müssen gar nicht reden!. ISBN 3593387867, Campus Verlag; 2009. 17,90 €.

Autor: Tiki Küstenmacher


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