Persönlichkeitsentwicklung

Andere für Freiwilligenarbeit gewinnen


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So gewinnen Sie andere Menschen für ein ehrenamtliches Engagement und Freiwilligenarbeit

Herr M. leitet bereits seit 20 Jahren die Judoabteilung des Sportvereins und würde das Amt gerne abgeben. Beim Aktiventreff des Umweltschutzverbands tauchen immer dieselben Gesichter auf. Das Kindergottesdienstteam und der Seniorenheimbesuchsdienst stehen kurz vor der Auflösung. Ob Sportverein oder Pfarrgemeinde, Partei oder Wohltätigkeitsverband: Viele Organisationen klagen über mangelndes Engagement. Und doch zeigen Umfragen und Ehrenamtlichenstatistiken: Eine große Zahl von Menschen ist an sich bereit, sich mit Freiwilligenarbeit zu engagieren. Hilfreiche Tipps, wie auch Ihre Organisation davon profitieren kann, hat uns Monika Nitsche, Leiterin der Münchner Freiwilligenagentur Tatendrang (tatendrang.de), gegeben.

Verlassen Sie sich nicht auf den Zufall

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Warten Sie nicht darauf, dass neue Freiwillige von alleine oder bloß über Mundpropaganda kommen. Werben Sie gezielt – etwa mit einem Bericht über eine gelungene Aktion – auch über die Medien. Für Engagement im lokalen Bereich oft gut geeignet sind die kostenlos verteilten Werbeblätter. Liefern Sie einen Bericht mit Bild, und geben Sie gleich eine Kontaktadresse für Interessenten oder den Termin für eine Infoveranstaltung an.

simplify-Tipp: Nichts ist so werbewirksam wie das Vorbild bereits aktiver Ehrenamtler. Wenn Sie also etwa einen Infoabend für Schüler-Lesepaten veranstalten, laden Sie erfahrene Lesepaten ein, die mit Begeisterung aus der Praxis der ehrenamtilichen Tätigkeit berichten.

Projektarbeit statt „lebenslänglich“

Viele – vor allem junge! – Menschen sind durchaus bereit, bei einer einzelnen Aktion mitzumachen, wollen sich aber nicht längerfristig binden. Zugleich ist zeitliche Überlastung einer der häufigsten Gründe für das Aufgeben von Ehrenämtern. Bieten Sie die Möglichkeit zu projektbezogenem, zeitlich begrenztem Engagement. Das kann in der Pfarrei ein Kinderbibeltag sein oder im Sportverein ein „Spiel und Spaß“-Nachmittag für Jung und Alt.

simplify-Tipp: Fragen Sie die Projektmitarbeiter hinterher, ob Interesse an weiterem Engagement besteht, aber drängen Sie nicht. Denn wer sich unter Druck gesetzt fühlt, bleibt leicht auf Dauer weg.

Betreuen Sie Ihre ehrenamtlichen Mitarbeiter

Ein häufiger Fehler im Umgang mit Ehrenamtlichen: Haben sie erst einmal „angebissen“, werden sie mit ihren Aufgaben weitgehend allein gelassen. Frust ist so vorprogrammiert. Das A & O von Arbeit mit Freiwilligen ist, so betont Monika Nitsche, ein fester Ansprechpartner, der diesen für Fragen und Probleme zur Verfügung steht. Kümmern Sie sich um die Einarbeitung der Freiwilligen, und bieten Sie die Möglichkeit zur Weiterbildung (z. B. Kurse). Verschonen Sie sie so weit wie möglich mit Bürokratie (Antragsformulare ...) und inhaltlich wenig ansprechenden Aufgaben (Briefe eintüten ...).

simplify-Tipp für Betreuer von Ehrenamtlichen: In vielen Städten gibt es mittlerweile Freiwilligenagenturen, die Beratung rund um die Arbeit mit Ehrenamtlichen bieten und teilweise auch Ehrenamtliche vermitteln (Infos unter bagfa.de).

Alle 5 Jahre eine Ehrennadel genügt nicht

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Wer Freiwilligenarbeit leistet, möchte mit seinem Engagement wahrgenommen werden. Schaffen Sie eine Kultur der Anerkennung. Ein wichtiges Element: regelmäßige Gesprächsrunden, bei denen Sie sich eine Rückmeldung darüber holen, wie es läuft.

simplify-Tipp: Oft herrscht zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen unterschwellig ein Konkurrenzverhältnis. So wurmt es etwa manchen Altenpfleger, unter hohem Zeitdruck Routinearbeiten erledigen zu müssen, während der ehrenamtliche Besuchsdienst für den „Luxus“ (Spaziergänge, Gespräche) zuständig ist. Sehen Sie sich als ein Team, in dem jeder seinen Beitrag zum Wohl anderer Menschen leistet.

Alte und Neue

In vielen Vereinen und Verbänden ein Problem: Eigentlich sucht man händeringend Nachwuchs, aber wenn sich tatsächlich mal jemand blicken lässt, findet er eine „geschlossene Gesellschaft“ vor. Sprechen Sie mit den alten Hasen darüber, wie sich Neue integrieren lassen. Denken Sie dabei nicht nur an die Arbeit (z. B. Teams aus Alten und Neuen bilden), sondern auch an die soziale Ebene (z. B. Kneipenbesuch nach der Vereinssitzung).

simplify-Tipp: Am besten funktioniert die Integration, wenn ein Team sich kontinuierlich weiterentwickelt und verjüngt. Fehlt bereits eine Generation, ist es oft besser, neue Freiwillige in einem neuen, separaten Team zusammenzufassen.

Falls Sie mehr über die Organisation von Freiwilligenarbeit wissen möchten: Doris Rosenkranz, Angelika Weber (Hrsg.): Freiwilligenarbeit: Einführung in das Management von Ehrenamtlichen in der Sozialen Arbeit (Grundlagentexte Soziale Berufe). Beltz Juventa: 2012, ISBN-10: 37799195912, 26,95 € 

Adressen für alle, die sich in der professionellen Betreuung von Ehrenamtlichen weiterbilden wollen: ehrenamt.de (Akademie für Ehrenamtlichkeit in Berlin) und hochschul-kooperation-ehrenamt.de (von mehreren Hochschulen getragene Fortbildung).

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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