Persönlichkeitsentwicklung

Persönlichkeitsentwicklung: Das Glück im Risiko


Wie Sie beängstigende Unternehmungen angehen können, die Sie Ihren Zielen näher bringen

In der perfekten Idylle, ohne Krisen und Gefahren, können Sie niemals wirklich glücklich werden. Deswegen gehört zu Martha Becks Anleitung für ein glückliches Leben die tägliche Dosis Wagnis.

Gehen Sie den Weg durch die Gefahr

Das Hindernis, das Sie bisher vom vollen Glück abgehalten hat, ist sehr häufig Angst. Die kann verschiedenste Formen haben: Angst, den Beruf zu wechseln. Höhenangst. Angst vorm Fliegen. Angst vor einer ärztlichen Behandlung. Angst, abgewiesen zu werden. Angst vor Armut. Angst vor einem bestimmten Menschen.

Der Weg zu Ihrem Glück führt immer durch diese Angst hindurch. Es gibt keine Abkürzung. Wenn Sie Ihre Angst nicht überwinden, wird Ihr Leben von dieser Angst geformt werden. Der Entfaltungsraum, den diese Angst Ihnen lässt, ist gering – im Vergleich zu dem Übermaß der Möglichkeiten, die Ihnen nach der Überwindung Ihrer Angst zur Verfügung stehen.

Durchschauen Sie Ihre Ängste

Angst wirkt oft sehr plausibel. In Wahrheit aber ist sie immer irrational. Manche Menschen fürchten sich, von einem Treppengeländer 4 Stockwerke nach unten zu blicken, sitzen aber ohne Wimpernzucken in einer fliegenden Blechröhre in 10 km Höhe. Andere haben Angst, nachts mit der Straßenbahn zu fahren, stürzen sich aber todesmutig die steilsten Skipisten herunter. Oder sie leisten den mächtigsten Bossen Widerstand, verschieben aber über Jahre hinweg einen harmlosen Zahnarztbesuch. Gegen die irrationale Angst hilft nur eines: das Risiko.

So erkennen Sie ein lohnendes Risiko

Ob sich das Wagnis lohnt oder nicht, ist unabhängig von der Chance auf Erfolg. Ein Risiko ist vielmehr umso lohnender, je brennender Ihr dahinter stehender Wunsch ist. Versuchen Sie mit dem folgenden Bild, Ihr Risiko einzuschätzen: Stellen Sie sich vor, Ihr Risiko wäre ein Sprung vom 10-m-Brett im Schwimmbad. Gut: Das Wasser unter Ihnen ist schrecklich weit weg, aber durchsichtig und klar. Ungut: Das Wasser unter Ihnen ist trüb und verschmutzt.

Formulieren Sie Ihr beängstigendes Ziel

Starten Sie Ihre tägliche Risiko-Übung mit einem Angst einflößenden Ziel. Beispiele: „Mich meinem Partner widersetzen, wenn er mich kritisiert“; „Alle, die mich um etwas bitten, zurückweisen“; Mehr Geld verdienen“. Haben Sie so einen Satz formuliert und sind Sie bereit, ihn heute zu verwirklichen? Dann war es nicht der richtige! Sie sollten einen riskanteren Schritt formulieren. Erst wenn Sie innerlich davor zurückschrecken, ist es wirklich ein gültiges Risiko.

Mit kleinen Schritten zum Glück

Gefahr ist nur in kleinen Portionen gesund. Wenn Sie Angst vor öffentlichen Auftritten haben, sollten Sie nicht mit einer freien Rede vor 1.000 Menschen beginnen, sondern mit einem abgelesenen Referat vor 10 Leuten – vorausgesetzt, das macht Ihnen noch Angst. Beginnt Ihr Muffensausen erst beim Vorsingen in einem vollen Konzertsaal, dann starten Sie damit. Manche Ängste sind allerdings nicht portionierbar. Dann müssen Sie in einem Satz über die Schlucht springen.

Schneiden Sie sich den Rückweg ab"

Haben Sie sich zum Wagnis entschlossen und für den Sprung Anlauf genommen, wäre es doppelt schade, wenn Sie kurz davor umkehren würden: Sie wären über sich enttäuschter, als wenn Sie es nie probiert hätten, und alle ausgestandene Angst wäre umsonst gewesen. Tricksen Sie sich aus, indem Sie Ihr Versprechen öffentlich abgeben. Erzählen Sie anderen von Ihrem Risiko-Plan! Eine andere starke Motivation ist Geld: Haben Sie bereits etwas bezahlt, werden Sie ungern unverrichteter Dinge abbrechen. Meiden Sie Freunde, die Sie in Ihrer Bequemlichkeitszone trösten und umsorgen. Suchen Sie sich solche Freunde, die Sie wie ein Fallschirmtrainer im richtigen Moment mit einem Mut machenden Spruch aus dem Flugzeug schubsen.

Fürchten Sie sich nicht vor Ihrer Angst

Angst ist ein sich selbst aufschaukelnder Wirbelsturm. Kleine Ängste (z. B. die Angst vor dem Pieksen der Spritze beim Arzt) können zu einem unkontrollierbaren Syndrom werden, indem Sie Angst vor Ihrer eigenen Angst bekommen. Das Gegenmittel: Widersetzen Sie sich Ihrer Angst nicht. Seien Sie bereit, das mulmige Gefühl auszuhalten. Manchen Menschen hilft dabei die Vorstellung, dass Angst eine lebensnotwendige Körperfunktion ist. Lassen Sie sie zu, aber begrenzen Sie sie mit Sätzen wie: „Das ist nur die Angst, die bringt mich nicht um.“ Selbstgespräche sind überhaupt ein hervorragendes Hilfsmittel gegen Angst.

Mutig drauf zu!

Wenn das, vor dem Sie Angst hatten, endlich vor Ihnen auftaucht, gehen Sie aufrecht und mit offenen Augen hinein. Beobachten Sie sich dabei selbst und staunen Sie über die Ruhe, in der Ihnen das möglich sein wird, wenn Sie endlich die tausend Vor-Ängste hinter sich lassen konnten.

Genießen Sie das Geschaffte

Feiern Sie sich. Andere können gar nicht ermessen, was für ein Sieg es für Sie war, den bittenden Anrufer abgewiesen zu haben oder ohne Wimpernzucken über die Gittertreppe gegangen zu sein. Fühlen Sie den Unterschied zwischen vorher und nachher. Das ist Glück!


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