Persönlichkeitsentwicklung

Persönlichkeitsentwicklung im Rampenlicht


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Wie Sie Ihre Angst vor öffentlichen Auftritten besiegen

Sie gehen auf eine Party und sehen sich kurz davor im Spiegel. Was Ihnen da entgegenblickt, kostet Sie den letzten Rest Ihres Selbstbewusstseins: ein übergewichtiges Etwas, verpackt in eine Art Wurstpelle, gekrönt von einer Haarpracht aus einer vergangenen, geschmacklosen Epoche. Als Sie den Raum betreten, richten sich alle Blicke auf Sie. Die Gespräche ersterben, einige fingern hastig nach ihrem Handy, um ihren Freunden live zu berichten, wie unmöglich der soeben aufgekreuzte Partygast aussieht ...

Klar: alles nur in Ihrer Fantasie. In Wirklichkeit kümmert sich kein Mensch um Sie. Aber in Ihrem Gehirnkino laufen derartig absurde Filme ab. (Ähnliches erleben Sie, wenn Sie eine Rede halten sollen oder erstmals einem unbekannten Menschen begegnen.) Die US-Forscher Thomas Gilovich und Victoria Medvec haben es den Scheinwerfer-Effekt genannt: Sie leiden im Licht eines eingebildeten Scheinwerferkegels, aber der Schmerz ist real. Was Sie bräuchten, wäre ein innerer Dimmer. Und tatsächlich, die Forscher haben so etwas entwickelt – ein kleines mentales Programm in 3 Schritten, das Sie bei der nächsten für Sie peinlichen Situation ablaufen lassen können, um in Ihrer Persönlichkeitsentwicklung gegen solche Fantasien anzukämpfen:

1. Alles verdoppeln

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Menschen, die sich von anderen beobachtet oder angestarrt fühlen, verhalten sich unwillkürlich sehr zurückhaltend. Sie sprechen leise und ausdruckslos. Sie verkaufen ihre besten Ideen unter Wert, stellen ihr Licht unter den Scheffel oder tun so, als seien sie nicht da. Dadurch erfüllen sie ihre eigene Prophezeiung: Sie werden tatsächlich nicht beachtet – und wirken tatsächlich peinlich.

simplify-Rat: Lernen Sie von den Profis. Im Rampenlicht wirken kleine, unsichere Gesten doppelt unsicher. Daher tragen Bühnenschauspieler dick auf und verdoppeln ihre Körpersprache. Wenn Sie in einer ungewohnten Situation unsicher sind, dann seien Sie im großen Stil unsicher: Reden Sie darüber, übertreiben Sie ein bisschen. Heben Sie beide Hände statt einer, um etwas zu unterstreichen. Machen Sie eine dramatische Pause doppelt so lang, um Aufmerksamkeit zu erhalten.

2. Hinter die Grenze denken

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Wenn Karatekämpfer ein Brett zerschlagen wollen, bedienen sie sich eines Tricks: Sie zielen auf einen Punkt, der etwa 10 cm unter dem Brett liegt. Damit befreien sie sich mental von der Barriere, die das reale Brett bietet. Sie beschäftigen sich nicht mit dem Hindernis, sondern mit dessen bereits erfolgter Zerstörung.

simplify-Rat: Bewegen Sie sich in verunsichernden Situationen wie ein Sieger. Benehmen Sie sich gegenüber Unbekannten so, als wären Sie sich schon öfter begegnet. Stellen Sie sich in einer schwierigen Gesprächssituation vor, der andere würde Sie mögen und hätte Sie bereits ausdrücklich gelobt – auch wenn er noch kein einziges Wort gesagt hat. Damit überlisten Sie Ihre Scheinwerfer-Mentalität, die genau das Gegenteil tut: Die stellt sich vor, wie sehr Sie von Ihrem Gegenüber verachtet und missbilligt werden.

3. Geben Sie die Große Universelle Antwort

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Die amerikanische Lebensberaterin Martha Beck erzählte, wie sie im Taxi saß und am Handy mit einer Freundin über sehr intime Dinge redete. Plötzlich wurde ihr die Situation bewusst, sie verstummte und hauchte ganz leise ins Mikrofon: „Der Fahrer kann mich hören.“ Daraufhin gab die Freundin eine Antwort, die so voller philosophischer und psychologischer Tiefe war, dass Martha Beck sie sich merkte, sie „Die Große Universelle Antwort“ nannte und seitdem vielen Klienten damit helfen konnte. Die Antwort lautete, wörtlich exakt zitiert: „Na und?“

simplify-Rat: Durchbrechen Sie Ihre letzten verbliebenen mentalen Gefängnismauern, indem Sie sich und anderen (laut oder leise) die Große Universelle Antwort geben. Beispiele: „Wenn ich in dieser Woche nicht die Fenster putze, bin ich bei den Nachbarn unten durch.“ – „Na und?“ „Wenn ich wirklich sage, was ich denke, halten mich die anderen für verrückt.“ – „Na und?“ usw. Die Große Universelle Antwort zerrt Sie mitten hinein in Ihren eingebildeten Scheinwerferkegel und zeigt Ihnen: Sie können dort überleben!

Mit jedem der 3 Schritte wird Ihnen klarer, dass selbst die übelsten Konsequenzen eines Lebens im Scheinwerferlicht nicht halb so schlimm sind wie das langweilige Weitervegetieren im Schatten. Sie werden merken, dass Sie von den anderen nichts zu befürchten haben – außer. dass Sie Bewunderung ernten für Ihren Mut und Dankbarkeit für Ihre Inspiration, die Sie den Menschen im Schatten geben.

Eine gute Gelegenheit, auf die englischen Gratis-Kolumnen von Martha Beck in oprah.com zu verweisen: Im Suchfenster der Seite „beck“ eingeben.

Autor: Tiki Küstenmacher


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