Persönlichkeitsentwicklung

Persönlichkeitsentwicklung: So können Sie Ihr Selbstbewusstsein stärken


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Wie Sie auf einfache Weise Ihr Selbstbewusstsein stärken können

Wenn Sie "Ich" sagen, setzt das einen bemerkenswerten Vorgang in Ihrem Gehirn in Gang. Der amerikanische Ex-Jesuit und Psychotherapeut John Kotre hat ihn sein Leben lang erforscht. Sein Ergebnis: Es gibt in unserem Gehirn eine Abteilung, in der alle „autobiografisch" wichtigen Erinnerungen abgelegt werden. Wenn Sie die Mechanismen dieses Gedächtnisteils kennen, werden Sie in Ihrer Persönlichkeitsentwicklung ganz enorm an Ich-Stärke gewinnen. Sie werden sich von Energievampiren und feindlichen Äußerungen anderer viel weniger aus der Ruhe bringen lassen.

Ihre 2 Autobiografen

Stellen Sie sich Ihr Ich-Gedächtnis als Archiv vor, in dem 2 Menschen arbeiten. Der eine ist ein sorgfältiger Urkundensammler, der die Fakten aller Ihrer Erlebnisse verwaltet und Wichtiges von Unwichtigem trennt. Trotzdem wäre er mit der Menge der Daten überfordert, gäbe es da nicht noch den Geschichtenerzähler. Der fasst Ihre Erlebnisse in gut kommunizierbarer Form zusammen. Seine Tätigkeit ist erkennbar an den Worten „nie" und „immer": „Mein Vater erlaubte mir nie ein Vergnügen; meine Mutter tröstete mich immer", auch wenn das faktisch längst nicht immer der Fall war. Je älter Sie werden, umso dominanter wird Ihr Mythendichter.

Konsequenz: Ihr Dichter bewahrt zwar viel Wahres auf, er neigt aber zu Übertreibung und Romantik. Seien Sie misstrauisch gegenüber seinen Verallgemeinerungen. Geben Sie Ihrem Fakten-Archivar immer wieder eine Chance. Fragen Sie sich, je älter Sie werden, stets: Wie war es wirklich?

Der Erinnerungsberg

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Versuchspersonen wurden gebeten, die Höhen und Tiefen ihres Lebens als Linie zu zeichnen - wie eine Fieberkurve. Bei Menschen unter 40 nahm der gegenwärtige Lebensabschnitt in der Regel den meisten Raum ein. Bei Menschen über 40 veränderte sich das Verhältnis erheblich: Die Periode mit den meisten und lebhaftesten Erinnerungen lag in der früheren Vergangenheit, häufig in der Zeit der Adoleszenz zwischen 15 und 25. Es ist, als ob sich in der 2. Lebenshälfte das Ich in die Jugend zurückverschiebt - von Außenstehenden oft als „2. Frühling" belächelt.

Konsequenz: Lassen Sie sich von Ihren vielen Rückblenden in die Jugendzeit nicht beunruhigen, denn in der Zeit zwischen 40 und 50 zieht Ihr Ich-Gedächtnis Bilanz. Sie fragen sich, warum sich Ihr Leben so entwickelt hat, wie es ist. Die meisten Antworten darauf finden sich in der Zeit, bevor Sie 30 waren.

Wie alt ist Ihr "Ich"?

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Gehen Sie in Gedanken noch einmal zurück in Ihr Ich-Archiv, in dem neben Worten und Erlebnissen viele Bilder aufbewahrt werden. Welche Bilder von sich finden Sie dort am häufigsten? Meist sind es Jugendbilder, die Sie stark und schön zeigen. Verglichen damit schneidet Ihr aktuelles Ich oft schlecht ab. Diese Diskrepanz ist der Grund für Schönheitsoperationen und viel Unzufriedenheit.

Konsequenz: Stellen Sie sich vor den Spiegel und sagen Sie sich: "Das ist mein aktuelles Ich. So bin ich." Betrachten Sie sich mit Ihren jetzigen Augen, nicht durch die Brille der Vergangenheit. Mögen Sie sich so, wie Sie jetzt sind. Spüren Sie, wie Sie durch Ihre Erfahrungen außergewöhnlicher geworden sind. Seien Sie ruhig stolz darauf, dass Sie die jugendliche Glätte verloren haben. Freuen Sie sich, dass aus dem unbeschriebenen Blatt ein mit unverwechselbaren Geschichten beschriebenes geworden ist.

Die Kraft der Erinnerung

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Ihr Ich-Gedächtnis ist eine überlebenswichtige Funktion. Es bewahrt siegreiche Situationen auf, um Ihnen die Botschaft zu übermitteln: „Ich habe schon manches durchgemacht. Ich kann es noch mal schaffen." Besonders wichtig wird diese Funktion des Ich-Gedächtnisses, wenn das Lebensende näher rückt. Dann signalisiert es: „Ich kann auch mit dem Alter fertig werden." Es beginnt, das Bild des alten Ichs gegen ein Bild des alterslosen Ichs auszutauschen. Kotre berichtet von einer Frau, die das so ausdrückte: „Ich bin eine Person. Ich bin nicht eine alte Person, weil vieles an mir einfach nicht alt ist - völlig unabhängig von meinen Jahren und den körperlichen Problemen, die ich habe. Was immer ich bin, es hat nichts mit dem Alter zu tun."

"Wie das Gedächtnis Lebensgeschichten schreibt" ist der Untertitel des Buchs: John Kotre, Weiße Handschuhe. Hanser Verlag, München 1996. ISBN 3-446-17438-9, gebraucht erhältlich.

simplify-Sofort-Tipp: Mikro-Tagebuch

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Stellen Sie auf einer Seite Ihres Zeitplaners oder eines Notizbuchs Ihre persönlichen Daten zusammen: Geburt, Umzug, Schulzeit, Sterbedaten wichtiger Verwandter, 1. Auslandsreise, 1. Liebe, 1. Auto, Ausbildungen, Arbeitsstellen, Ihre ganz persönlichen Höhepunkte im Leben - usw.

Nehmen Sie diese Daten als Grundlage, um immer wieder einmal Ihr Leben im Überblick zu sehen, sozusagen "von oben" - immer unter dem Motto: "Ich habe schon vieles geschafft - und werde es weiterhin schaffen!"

Autor: Tiki Küstenmacher


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