Persönlichkeitsentwicklung

Persönlichkeitsentwicklung für mehr Lebensfreude


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Der Kraftspender für Seele und Körper

Vielleicht hat sich angesichts des Titels Widerspruch in Ihnen geregt. Schließlich lässt sich Freude nicht auf Befehl herstellen oder per Willensentschluss herbeizwingen. Als „schöner Götterfunken“, also ein göttliches Geschenk, wird die Freude in dem Schiller-Gedicht bezeichnet, das (zugleich Europas Nationalhymne) am Ende von Beethovens 9. Sinfonie erklingt. Doch Freude ist kein Geschenk, das Ihnen aufgedrängt wird. Sie stellt sich nur dann ein, wenn Sie Ihre Antenne dafür auf Empfang geschaltet und Ihre Augen für das Schöne in Ihrem Leben geöffnet haben. Hier Anregungen, um diesen Empfang in Ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu erreichen, von Elisabeth Lukas, der bekanntesten Vertreterin der auf Viktor Frankl zurückgehenden Logotherapie, simplify-mäßig dargestellt. Nehmen Sie diejenigen davon auf, die Sie ansprechen. Gleich vorweg die Anregung, die mir persönlich am meisten geholfen hat:

Lösen Sie das Rätsel des kleinen Glücks

Sehen Sie die Herausforderungen und kleinen Ärgernisse Ihres Alltags wie ein Kreuzworträtsel, das es zu lösen gilt. Mit den richtigen Antworten (die nur Sie selbst finden können) haben Sie den Schlüssel für Ihr alltägliches Glück. Rätsel: Tag für Tag dieselbe Art von Arbeit. Ihre mögliche Antwort: „Weil ich inzwischen so routiniert bin, kann ich pünktlich nach Hause gehen.“ Oder: „Ich bin froh über meinen sicheren Arbeitsplatz.“ Rätsel: Ihr Teenager ist immer weniger daheim. Ihre mögliche Antwort: „Wie schön, dass er gute Freunde hat.“ Oder: „Seine Selbstständigkeit gibt mir viele neue Freiheiten.“ Rätsel: Schon wieder ein Tag mit naßkaltem Wetter. Ihre mögliche Antwort: „Wie gut, dass ich ein warmes Zuhause habe.“ Oder: „Wie es die Kinder genießen, mit ihren Gummistiefeln durch die riesigen Pfützen zu stapfen!“

Tagebuch der schönen Stunden

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Schreiben Sie jeden Abend konsequent alles Schöne auf, an das Sie sich erinnern. Was haben Sie sich selbst gegönnt (einen pflichtenfreien Sonntag, einen Bummel über den Weihnachtsmarkt)? Was haben andere Ihnen Gutes getan (Ihr Vater hat Sie auf eine interessante Fernsehsendung aufmerksam gemacht; dank Ihrer Nachbarin mussten Sie das in Ihrer Abwesenheit zugestellte Paket nicht am Postamt abholen)? Was haben Sie in Ihrer Umgebung an Erfreulichem beobachtet, von dem Sie möglicherweise überrascht waren (den Punker, der einer alten Dame im Bus Platz gemacht hat; das kunstvoll gewebte Spinnennetz in Ihrem Vorgarten)? Vieles Schöne dauert nur einen kurzen Moment. Doch wenn Sie es bewusst wahrnehmen und es in Gedanken und in Ihrem Herzen nachwirken lassen, kann es Ihnen mehrere schöne Stunden bescheren.

Einschlafritual „Lichtblicke“

Ziehen Sie unmittelbar vor dem Einschlafen eine positive Tagesbilanz. Kuscheln Sie sich in Ihr Bett, schließen Sie die Augen, und rufen Sie sich die Lichtblicke des Tages vor Ihr inneres Auge. Manchen Menschen hilft es, dabei in Gedanken die verschiedenen Orte des Tages zu durchwandern; andere gehen noch einmal gedanklich von Person zu Person. Besonders empfehlenswert für all diejenigen, die von Einschlafproblemen oder schlechten Träumen geplagt sind.

Kalorienfreie Stimmungsaufheller

Hellen Sie Ihre Stimmung an Trübe- Laune-Tagen gezielt auf. Wirkungsvoller als die schnell verschlungene Tafel Schokolade (die womöglich sogar ein schlechtes Gewissen hinterlässt): Heben Sie sich für diese Tage Tätigkeiten auf, die Sie gerne tun, aber nicht alltäglich für Sie sind. Das kann ein Hobby sein, die ausgiebige Lektüre der von Ihnen abonnierten Zeitschriften oder ein Telefonat mit Ihrer Freundin im Ausland. Vielleicht bietet auch Ihr Beruf solche Highlight-Aktivitäten, die Sie in den Arbeitsalltag einschieben können: als Lehrer die Vorbereitung eines Klassenausflugs oder einer besonderen Unterrichtsstunde; im Büro den Austausch mit einem Kollegen, dessen Kreativität Ihnen neuen Schwung schenkt.

Notieren Sie sich gleich ein paar Ideen, was Sie an Durchhänger-Tagen tun könnten. Probieren Sie „im Ernstfall“ auch dann etwas davon aus, wenn Sie „eigentlich zu nichts Lust“ haben. Die Lust kommt beim Machen!

Teilen Sie Ihre Freude

Sprechen Sie mit anderen Menschen öfter über Erfreuliches: Trotz des Streiks fuhr die U-Bahn. Ihrem Junior gefällt sein Ausbildungsplatz. Die neuen Nachbarn haben sich als nett erwiesen. Gerade wenn Sie ein eher skeptisch-kritisches Naturell haben, werden Sie merken: Sie steigern damit nicht nur Ihre Zufriedenheit. Ihre fröhlichere Ausstrahlung macht Sie im Kollegen- oder Freundeskreis auch beliebter. Aber Vorsicht, Angeberfalle: Vermeiden Sie, vor allem Ihre eigenen erfreulichen Leistungen zu thematisieren.

Schauen Sie in die Schatztruhe Ihres Lebens

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In dieser Truhe gibt es einen Teil mit der Aufschrift „Was mir erspart geblieben ist“. Sicherlich wird in Ihrem Leben nicht alles einfach gewesen sein. Aber wenn Sie die Welt um sich herum mit wachen Augen wahrnehmen, werden Sie erkennen, wie voll dieser Teil der Schatzkammer ist. Wenn Sie z. B. nie einen Krieg miterleben mussten, nie durch eine Inflation Ihrer ganzen Ersparnisse beraubt wurden, nie ein Kind verloren haben, nie in einen schweren Unfall verwickelt waren, nie ernsthaft krank waren ... – sind das nicht alles gute Gründe zur Freude und Dankbarkeit?

Und einen Teil namens „Was mir in den Schoß gefallen ist“. Ihre Talente: nicht nur, was schulisch und beruflich relevant war, sondern alles, was Ihnen leichtfiel oder -fällt (Gesichter wiedererkennen, Kurzschlaf machen, Verknotetes entwirren). Was Ihre Eltern Ihnen auf den Lebensweg mitgegeben haben (Liebe, spezielle kulturelle Förderung, Vorbild in Sachen Lebenseinstellung, finanzielles Polster). Eine gute gesundheitliche Konstitution. Sicher mussten Sie Ihre Talente entwickeln, sich um Ihr Erbe kümmern, sich gesund ernähren etc., um von Ihren guten Anlagen auf Dauer zu profitieren. Dennoch war all das eine wunderbare Starthilfe in Ihr Leben.

Unser Tipp: Zeichnen Sie Ihre Schatztruhe auf ein großes Blatt Papier, und füllen Sie die beiden Hälften mit allem, was Ihnen dazu jeweils für Ihr Leben einfällt. Das können Sie auch gemeinsam mit Ihrem Partner oder Ihren Kindern machen.

Trotzdem!

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Viele Menschen sind auch in guten Zeiten nicht wirklich froh und zufrieden. Sie wissen zwar ihre günstige Lebenssituation zu schätzen (stabile Partnerschaft, Familie, Arbeitsplatz, Gesundheit). Doch im Alltag scheinen die kleinen Sorgen und Ärgernisse zu dominieren. Unser Rat: Trotzen Sie der Macht, die diese Kleinigkeiten auf Ihr Leben ausüben. Setzen Sie ihnen Ihren Willen entgegen, sich an Ihrem Leben zu erfreuen. Üben Sie das jeden Tag. Dann haben Sie in schweren Zeiten viele kostbare Erinnerungen, die Ihnen niemand mehr nehmen kann, und Sie werden auch trotz widriger Umstände Freude finden.

Elisabeth Lukas: Der Freude auf der Spur: Sieben Schritte, um die Seele fit zu halten. Verlag Neue Stadt, München 2010, 14,95.

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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