Persönlichkeitsentwicklung

Persönlichkeitsentwicklung: Lebenszutat "Nichts"


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Der unumgängliche 1. Schritt zu einem einfacheren und glücklicheren Leben

Es gibt Zeiten, da scheint sich alles gegen Sie zu verschwören: Zur aufkommenden Erkältung kommt Stress in der Partnerschaft, Ärger im Beruf, Sie haben Probleme mit Ihrer Bank ... und alles verdichtet sich zu einem Knäuel schwärzester Gedanken: „Von nun an geht's bergab." Die amerikanische Lebensberaterin Martha Beck hat für solche Lebensphasen ein Programm entwickelt, das Sie „Freudendiät" nennt: 10 Zutaten, die Sie in grauen Zeiten brauchen, um wieder fröhlich und glücklich zu werden. Hier kommt Bestandteil Nummer 1.

15 Minuten Nichts pro Tag

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Der Hauptgrund für das nagende Gefühl von Unzufriedenheit und Depression ist die unscharfe Empfindung: „Mir fehlt etwas." Viele unglückliche Menschen meinen, sie müssten ihrem Leben noch eine weitere wesentliche Zutat hinzufügen. Meist haben sie schon allerhand probiert: ein neues Hobby, einen anderen Beruf, einen neuen Lebenspartner oder sonst einen Kick. Damit Ihr Leben aber wirklich wieder einfacher und glücklicher wird, sollten Sie ihm eine wichtige Zutat gönnen, die die meisten Menschen übersehen: das Nichts. Martha Beck empfiehlt 15 Minuten als tägliches Minimum.

Das Nichts als Richtungsweiser

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Nichtstun, Herumhängen, Stille _ das wird vor allem als unproduktiv empfunden. Dabei ist es das Gegenteil, vergleichbar mit einer Fastenkur als Einstieg für eine Diät. Ein Mensch ohne Nichtstun ist wie ein Flugzeug, bei dem alle Navigationsinstrumente entfernt wurden, damit mehr Platz für Treibstoff ist. Wenn Sie vollkommen damit beschäftigt sind, Ziele zu erreichen, verlieren Sie die Fähigkeit zu erkennen, welche Ziele sich lohnen und warum.

Nichtstun allein genügt nicht

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Das Nichts ist mehr (oder soll man sagen weniger) als nur Nichtstun. Es ist auch Nichtdenken, Nichtplanen, Nicht-träumen. Mystiker und Philosophen aus allen Kulturkreisen haben immer wieder versucht, das Paradoxe des Nichts in Worte zu fassen. Buddha beginnt seine Lehre über die Erleuchtung mit den Worten: „Es kann nicht gelehrt werden." Die Zen-Meister Japans nennen es den „leeren Spiegel", in den der Meditierende blicken soll, ohne sich darin zu spiegeln.

Begegnung ohne Gegenüber

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Die berühmteste Geschichte im jüdisch-christlichen Denken ist die Gottesbegegnung des Elia am Berg Horeb (1. Könige 19): Gott ist nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer. „Und danach kam ein stilles, sanftes Sausen." Als Elia das hörte, verhüllte er sein Gesicht und trat vor die Höhle, in der er Schutz gesucht hatte. In der Erzählung heißt es nicht plump „Gott war im Sausen". Nein, die entscheidende Erfahrung ist eine Begegnung mit dem Nicht-Sturm, dem Nicht-Feuer. Wo Nichts ist, berührt der Mensch die andere Dimension.

1. Schalten Sie Ihr Leben auf „besetzt"

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In unserer terminorientierten Welt müssen sie auch für das Nichtstun einen Termin vorsehen. Verankern Sie es fest in Ihrem Tageslauf, als wichtigste Besprechung des Tages (die natürlich eine Nicht-Besprechung ist). Gestatten Sie keinen anderen Prioritäten, sich darüber zu setzen. Machen Sie anderen und vor allem sich selbst klar, dass Sie in den 15 Minuten des Nichtstuns völlig beschäftigt sind. Keinerlei Aktivitäten oder Gedanken haben in dieser Zeit noch Platz! Eine Einsicht von Martin Luther: „Heute habe ich besonders viel zu tun. Deshalb muss ich heute besonders viel Gebetsstille haben."

2. Schalten Sie Ihren Körper auf „unspürbar"

Es ist unmöglich, dass Ihr Körper nichts tut. Das Herz schlägt, die Atmung geht weiter. Die klassische Meditation macht deshalb diese Körperaktivitäten zum Inhalt: Während Sie sich auf Herzschlag und Atem konzentrieren, nähern Sie sich dem Nichts. Doch das erfordert Übung. Wenn Ihnen der Hintern wehtut oder der Rücken schmerzt, ist das meditative Abschalten dahin. Wählen Sie eine Körperaktion, bei der Ihr Körper am wenigsten stört. Manche Menschen erleben das beim Sitzen, andere beim Laufen, Rollschuhfahren oder Schwimmen.

3. Schalten Sie Ihren Geist auf Leerlauf

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Nach Ansicht von Martha Beck ist unser Gehirn ein Supercomputer im Besitz eines rastlosen, sehr vergesslichen Eichhörnchens. Wie lässt sich diese Apparatur stoppen? Der einzige Weg: Sie halten Ihre Gedanken nicht an, sondern sehen ihnen zu und lassen sie einfach geschehen. Erfinden Sie sich ein Bild dazu, das Ihnen sympathisch ist: als tosenden Wasserfall, durch den Sie langsam hindurchgehen, und in der Höhle hinter dem Wasserfall ist es ruhig und still (siehe dazu auch die Entspannungsübung auf Seite 7).

4. Kommen Sie zurück

Wenn Sie das Nichts erlebt haben, ist es mühsam, sich wieder aufs Getriebe des Alltags einzulassen. Stellen Sie sich als Übergang dorthin den schönsten Platz auf der Erde vor, an dem Sie je waren. Eine Hütte am Meer, eine Bergspitze mit 100 km weitem Blick, einen winzigen einsamen Teich oder was auch immer. Gehen Sie am Ende Ihrer Nichts-Erfahrung im Geiste dorthin und kehren Sie von dort ins Hier und Jetzt zurück.

Können Sie sich noch an die Probleme erinnern, die Sie vor 15 Minuten in die Verzweiflung getrieben haben? Sie sind noch da, aber Sie haben die Fronten gewechselt. Es herrschen nicht die Probleme. Nun herrschen Sie!

Autor: Tiki Küstenmacher


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