Persönlichkeitsentwicklung

Persönlichkeitsentwicklung: Schützen Sie Ihre Erinnerungen


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Wie Sie dem Vergessen vorbeugen

Für die meisten Menschen ein Albtraum: durch Altersdemenz oder Alzheimer schließlich sogar das eigene Leben dem Vergessen preisgeben zu müssen. Denn: „Wir sind Erinnerung“ (so auch der deutsche Titel eines Buches des amerikanischen Psychologieprofessors Daniel L. Schacter). Oder anders ausgedrückt: Ohne Erinnerung sind wir nichts. Hier Tipps der bekannten Trainerin Vera F. Birkenbihl, was Sie heute dafür tun können, um Ihre Lebenserinnerungen und die einzelnen Schritte Ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu bewahren.

Wie das Erinnern funktioniert

 

 

 

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Erinnerungen werden zunächst chronologisch abgespeichert („Vorgestern habe ich ...“), später jedoch thematisch, sodass sie durch verknüpfendes Denken abgerufen werden müssen. Je mehr Verknüpfungen (Assoziationen) Sie zu einem Ereignis oder einem Lebensabschnitt aufbauen, desto besser können Sie auf Dauer auf die Gedächtnisinhalte zugreifen. Und es so möglicherweise kompensieren, dass durch Veränderungen im Gehirn nicht mehr alle Assoziationen funktionieren.

Beginnen Sie heute mit Ihrem Lebensarchiv

Mit einem „Lebensarchiv“ halten Sie nicht nur wichtige Ereignisse Ihres Lebens und Wendepunkte Ihrer Persönlichkeitsentwicklung fest, sondern Sie trainieren auch Ihr assoziatives Denken. So geht’s:

  • Legen Sie sich ein Notizbüchlein zu, in das Sie gern schreiben.
  • Notieren Sie sich jeden Abend 2 Ereignisse, die für Sie an diesem Tag bedeutsam waren. Also Ereignisse, die Gefühle (gleich welcher Art) in Ihnen wachgerufen haben, die Sie als wichtig für Ihr Leben erachten oder die das widerspiegeln, was Sie als Person ausmacht. Schreiben Sie so, dass auch ein Fremder aus Ihren Einträgen schlau werden könnte.
  • Versehen Sie abschließend jedes Ereignis mit einer Überschrift.
  • Blättern Sie Ihre Aufzeichnungen immer wieder einmal durch. Können Sie sich nur aufgrund der Überschriften an die Geschehnisse erinnern? Wenn nicht, lesen Sie die dazugehörigen Einträge.

Dass Ihnen gelegentlich nichts zu schreiben einfällt, ist völlig normal. Es häufen sich die Tage, in denen „nichts Nennenswertes“ passiert ist? Nehmen Sie das als Anstoß, Ihre Tage wieder mit mehr „Inhalt“ zu füllen. Das tut garantiert auch Ihrer Lebensfreude gut!

„Weißt du noch ...?“

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Die meisten Menschen haben Freude daran, sich mit ihrer Lebensgeschichte und Persönlichkeitsentwicklung zu beschäftigen. Suchen Sie zusammen mit anderen gezielt nach Erinnerungen – mit Ihrem Partner und/oder Ihren Kindern, mit Ihren Geschwistern oder Eltern, mit Freunden. Ob Sie den Lebensabschnitt, über den Sie sprechen, gemeinsam erlebt haben oder nicht, ist dabei unwichtig. In jedem Fall werden Sie Neues voneinander erfahren – und sich an Dinge erinnern, an die Sie schon lange nicht mehr gedacht haben. Einige spielerische Möglichkeiten:

  • Wählen Sie sich einen Lebensbereich als Thema, z. B. „Herkunftsfamilie“, „Ausbildung“ oder „Urlaube“. Vereinbaren Sie, wie viel Zeit Sie sich geben, damit jeder für sich notieren kann, was ihm dazu aus seinem eigenen Leben in den Sinn kommt. Danach tauschen Sie sich aus.
  • Wählen Sie eine Jahreszahl (z. B. „1989“), und sprechen Sie nach einer „Notizphase“ darüber, wie Sie dieses Jahr erlebt haben, was zu dieser Zeit in der Welt und in Ihrem persönlichen Leben los war. Das ist besonders dann interessant, wenn die Mitspieler verschieden alt sind.
  • Wählen Sie ein Thema wie „meine ersten Berufsjahre“ oder eine konkrete Frage wie „Welche Orte habe ich schon im Urlaub besucht?“, und erstellen Sie dazu eine ABC-Liste. Dabei lassen Sie sich möglichst zu jedem Buchstaben ein passendes Stichwort einfallen („Amsterdam, Bochum, C: ??? ...“). Wenn Sie einander Ihre Listen vorlesen, werden dem einen oder anderen sicher noch Ergänzungen einfallen („Stimmt, da war ich auch schon mal“).
  • Inszenieren Sie mit einem Freund/einer Freundin ein Interview. Einer fragt, der andere antwortet, danach Rollentausch. Ein gutes Thema ist das „1. Mal“, also 1. Schultag, 1. Film im Kino, 1. eigene Wohnung, 1. große Krise etc. Schreiben Sie als Interviewer die Antworten auf. Wenn Sie die anschließend nochmals ins Reine schreiben oder tippen, haben Sie ein schönes Geschenk für den Interviewten.

Sammeln Sie Ihre Blätter als Teil Ihres Lebensarchivs in einem Schnellhefter. Nehmen Sie sich Themen, die Sie interessieren, immer wieder vor. Gute Rückblicksgelegenheiten sind Familienfeiern, Ihr Geburtstag, kirchliche Feste, der Abschluss eines Schuljahrs, eines Kurses, ein Stellenwechsel etc., aber auch jeder Abend.

Vera F. Birkenbihl: Das Anti-Altersheimer-Lebensarchiv. mvg Verlag, München 2009. ISBN: 978-3- 86882-005-8. 8,90 €.

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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