Persönlichkeitsentwicklung

Persönlichkeitstraining in der Öffentlichkeit


So kommen Sie im Interview mit Journalisten wirkungsvoll rüber

Sie engagieren sich in einem Verein? Mischen in der Kommunalpolitik mit? Oder gelten am Arbeitsplatz bei einem oder mehreren Themen als Experte? Dann ist die Chance groß, dass Sie früher oder später in einem Interview um Ihre Meinung gebeten werden. Im Zeitalter regionaler Fernseh- und Hörfunksender sowie etlicher Printmedien ist Medienpräsenz längst nicht mehr nur den Prominenten vorbehalten. Hier Tipps von dem Journalisten und Medien-Coach Markus Reiter mit denen Sie jeden Auftritt als Gelegeneheit für ein kleines Persönlichkeitstraining nutzen können:

Freuen Sie sich über Öffentlichkeit

Betrachten Sie „die Medien“ nicht als gefährliches Haifischbecken, in dem Sie um Ihr ehrenhaftes Überleben strampeln müssen. Freuen Sie sich lieber, dass Sie für Ihre Aussagen kostenlos ein Forum bekommen. Denken Sie an all die Menschen, die Sie damit erreichen können. simplify-Tipp: Sehen Sie Zeitung, Funk und Fernsehen als etwas, das Sie dadurch selbst mitgestalten können. Diese freundliche Grundhaltung wird Ihr Gesprächsverhalten positiv beeinflussen.

Finden Sie Ihre Kernbotschaft

Journalisten nutzen oft nur 2 oder 3 Sätze aus einem wesentlich längeren Interview. Ihre Äußerungen werden – ohne böse Absicht – fast immer aus dem Zusammenhang gelöst. Stellen Sie deshalb als „sicheren Satz“ zu Beginn klar und kurz Ihre wichtigste Botschaft heraus. Beispiel: „Wir möchten mit unserer Samstagswerkstatt zeigen, dass es umweltfreundlicher ist, kaputte Geräte zu reparieren, als sie wegzuwerfen. Außerdem macht’s Spaß.“ simplify-Tipp: Fragen Sie prinzipiell vor jedem Interview, wer die Zielgruppe ist. Die Leser einer Fachzeitschrift interessieren sich für andere Dinge als die Hörer einer lokalen Nachrichtensendung.

Sprechen Sie einfach

Experten gehen oft davon aus, dass ihr Fachjargon allgemein verstanden wird. Dem ist nicht so! Ersetzen Sie Juristenlatein, Anglizismen aus dem Marketingbereich oder Computerslang durch umgangssprachliche Wörter und kurze Sätze. Ein „Postwertzeichen“ ist nichts anderes als eine Briefmarke, eine „Lichtsignalanlage“ eine Ampel. simplify-Tipp: Drücken Sie sich positiv aus. Statt „Wir werden keine Arbeitsplätze abbauen“ besser „Wir werden die Arbeitsplätze erhalten“. Nutzen Sie Verben. Statt „Das Nichtbeachten dieser Vorschrift hat Bestrafung zur Folge“ also lieber „Wer nicht hören will, muss fühlen“. Lernen Sie aus der anschaulichen Sprache der Bibel. Sie brauchen ja nicht ständig in Gleichnissen zu reden – aber ein einfaches Beispiel erspart Ihnen viele komplizierte Erläuterungen.So vollziehen Sie ein Persönlichkeitstraining darüber, wie Sie sich in andere hineinversetzen und die Dinge aus einem anderen Blickwinkel sehen können. 

Bereiten Sie sich vor

Welche Fragen wird man Ihnen stellen? Das Basiswissen über Ihr Thema sollten Sie aus dem FF beherrschen. Dann können Sie dem Interview leichter die gewünschte Richtung geben. simplify-Tipp: Proben Sie das Interview mit einem Freund oder einer Kollegin, indem Sie in wenigen Worten Ihre Kernbotschaft mitteilen. Anschließend soll Ihr Gegenüber wiederholen, was angekommen ist. Wenn nicht, erklären Sie es: „Nein, das habe ich nicht gemeint. Ich habe gemeint: ...“ Das, was Sie dann sagen, ist meist viel verständlicher als Ihr 1. Statement-Versuch!

Aufrecht ans Mikrofo

In Radio und Fernsehen ist ein umgangssprachlicher, entspannter Ton wichtig. Profi-Sprecher machen außerdem lockernde Atemübungen wie diese: Stehen Sie aufrecht, legen Sie eine Hand flach auf den Bauch, atmen Sie tief durch Mund und Nase ein. Aus dem Bauch heraus ausatmen und dabei einen Reibelaut formen (sch oder fff). simplify-Tipp: Im Stehen spricht es sich leichter – nutzen Sie diese Erkenntnis beim Hörfunkinterview. Falls Sie trotzdem sitzen (müssen), nehmen Sie eine aufrechte, straffe Haltung ein. Bitten Sie vorab um ein Glas stilles Wasser. Falls Sie beim Reden einen trockenen Hals bekommen, trinken Sie während einer Frage rasch einen kleinen Schluck.

Perfekt im Bild

Treten Sie beim Fernsehinterview nicht abgehetzt vor die Kamera, etwa unmittelbar nach einer Sitzung. Das mindert Ihre Konzentration. Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um sich auf die Situation einzustellen. Seien Sie darauf gefasst: Sobald die Kamera läuft, wird der TV-Journalist sofort zur Sache kommen. Anders als beim Printinterview gibt es keine Zeit für ein „Warmreden“. Zuweilen sind Journalisten aber bereit, die Einstiegsfrage mit Ihnen abzusprechen. simplify-Tipp: Kleiden Sie sich zurückhaltend. Sie sollten gepflegt wirken, aber vor allem natürlich. Falls Sie sonst nie einen Anzug oder ein Kostüm tragen, verzichten Sie lieber auch jetzt darauf. Denn man sieht Ihnen an, ob Sie sich in Ihrer Haut wohl fühlen. Schauen Sie bei einem Statement nicht direkt in die Kamera, das wirkt unnatürlich. Suchen Sie sich lieber ein Stück neben der Kamera einen festen Halt für Ihren Blick. Oder bitten Sie einen Kollegen/Bekannten, sich neben die Kamera zu stellen.

Zum Weiterlesen: Markus Reiter, Öffentlichkeitsarbeit. Redline Wirtscahftsverlag 2006. ISBN 3636013424. 10 €.


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