Sinn des Lebens

Dankbarkeit im Sinn des Lebens


Die Lebenshaltung des Benediktinerbruders David Steindl-Rast

Eine Balance zwischen klösterlicher Zurückgezogenheit und extensiver Vortragstätigkeit hat der in den USA lebende österreichische Benediktiner David Steindl-Rast (geboren 1926) für sich gefunden. Ein Grundthema seines Lebens und Wirkens ist die Dankbarkeit als wichtiger Teil vom Sinn des Lebens.

Sich überraschen lassen

Viele Menschen halten Danken lediglich für eine höfliche Konvention oder gar für ein Eingeständnis von Abhängigkeit und damit von Schwäche. Doch erst wenn Sie Dankbarkeit zu Ihrer Lebensgrundhaltung machen und ihr Raum geben im Sinn des Lebens, werden Sie wahrhaft lebendig – und glücklich.

Lassen Sie sich überraschen, denn Staunen ist der Anfang von Dankbarkeit. Dabei geht es nicht darum, ständig auf die Jagd nach Neuem zu gehen, sondern darum, die Dinge neu wahrzunehmen. Sehen, hören, riechen, schmecken und fühlen Sie aufmerksam. Nehmen Sie das, was Ihre Sinne aufnehmen, als Geschenk wahr. Fassen Sie für morgen den Vorsatz, besonders dankbar auf Gerüche zu achten, für übermorgen, Geräusche intensiv wahrzunehmen, und so weiter.

So übt David Steindl-Rast sich selbst in Dankbarkeit: „Seit Jahren schreibe ich täglich in meinen Taschenkalender zumindest eine Sache, für die dankbar zu sein mir vorher noch nie in den Sinn kam. Meint vielleicht jemand, es sei schwer, jeden Tag einen neuen Grund zur Dankbarkeit zu finden? Es ist nicht schwer. Oft kommen mir 4 oder 5 Gründe in den Sinn.“

Haben Sie Mut

Hindert Sie etwas daran, dankbar zu sein? Um herauszufinden, was das ist, achten Sie auf Verstand,Willen und Gefühl: Ihr Verstand muss ein Geschenk als Geschenk erkennen. Ihr Wille ist dafür zuständig, ein Geschenk als Geschenk anzuerkennen. Ihr Gefühl wiederum muss wagen, sich auf das Geschenk einzulassen, und zwar ohne Gier. Die Dankbarkeit als Bestandteil des Sinn des Lebens zu erkennen ist also kein leichter Prozess

Dazu schreibt Steindl-Rast: „Echte Dankbarkeit ist der Mut, für ein Geschenk zu danken, bevor man es ausgewickelt hat. Nun setzt es wohl keinen allzu großen Mut voraus, jenem Freund mit der schön verpackten Schachtel zu vertrauen. Es stimmt zwar, sie hat gerade die richtige Größe, um eine mittelgroße Zeitbombe zu enthalten. Wer aber würde schon an diese Möglichkeit denken? Wenn dich aber das Leben beschenkt, dann ist das eine andere Angelegenheit. Gott hat so seine Art, Zeitbomben hübsch zu verpacken. Das wissen wir aus eigener Erfahrung. Dann reicht uns das Leben wieder einmal so ein Päckchen. Jetzt Danke zu sagen und es wirklich zu meinen, das verlangt schon Mut.“

Dankbarkeit schafft Beziehung

Können Sie sich selbst dankbar sein? Nein, denn Dankbarkeit braucht ein Gegenüber, ein Du. Deshalb ist es wichtig, Dankbarkeit nicht für sich zu behalten, sondern auszudrücken. Mit Ihrem „Danke“ signalisieren Sie dem Geber nicht nur Ihre Freude über das Geschenk, sondern auch Ihre Zusammengehörigkeit. Dann geschieht das Wunder: Sie werden vom Empfänger des Geschenks zum Geber (des Danks), und der Geber des Geschenks wird zum Empfänger. So unterstützt die Dankbarkeit einen anderen Sinn des Lebens: Das Miteinander.

Zum Weiterlesen: David Steindl-Rast, Die Achtsamkeit des Herzens, Herder Verlag, Freiburg 2005, ISBN 3-451-05604-6. 8,95 €. David Steindl-Rast, Fülle und Nichts. Herder Verlag, Freiburg, ISBN 3-451-05653-4. 9,95 €. Mehr über diesen beeindruckenden Mann erfahren Sie auf seiner englischsprachigen Website www.gratefulness.org unter „Brother David“.


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