Sinn des Lebens

Lebensweisheit - Mystiker des Alltags


lebensweisheit_simplicity

Die Quäker und John Woolman

„Religiöse Gesellschaft der Freunde“ nannten sich die Anhänger des englischen Laienpredigers John Fox (1624– 1691). Weil sie bei ihren Versammlungen manchmal in eine Art Ekstase verfielen und zu zittern begannen, verspottete man sie als „quaker“ (von „to quake“ = beben, zittern). In kluger Selbstironie übernahmen die Quäker den Spottnamen und verblüffen auch sonst durch allerhand ungewöhnliche Ideen.

Simplicity

Einfachheit ist ein wichtiger Begriff in der Spiritualität der Quäker: den Lebensstil konsequent vereinfachen – vom programmlosen Gottesdienst bis zur schmucklosen Wohnung. Sie machen keinen Unterschied zwischen geistlich und weltlich, zwischen heilig und profan. Deswegen haben sie keine Sakramente und keine Dogmen – außer der innigen Überzeugung, dass in jedem Menschen „etwas von Gott“ ist. In den Versammlungen dominiert die Stille – doch selbst das ist kein Dogma. Wer sich dazu getrieben fühlt, kann das Wort ergreifen.

Gerechtigkeit

Ein besonders eindrucksvoller Vertreter der quäkerischen simplicity war der Amerikaner John Woolman (1720–1772), der sich seinen Lebensunterhalt im noch ziemlich analphabetischen Amerika als Schreiber verdiente. Mit 23 Jahren weigerte er sich, eine Rechnung für einen Sklaven zu verfassen, verlor deswegen seine Anstellung und zog seitdem als Wanderprediger gegen die Sklaverei durchs Land. Alle Quäker, die Sklaven besaßen, besuchte Woolman einzeln und redete ihnen geduldig ins Gewissen. Überzeugen konnte er sie vor allem durch seinen eigenen Lebensstil.

Vorbild

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Woolman verzichtete auf Konsum und Komfort, sobald er erfuhr, dass damit Leiden anderer Wesen verknüpft war: Er weigerte sich, gefärbte Kleider zu tragen, weil Sklaven bei der Herstellung in Westindien hoch giftige Farbdämpfe einatmen mussten. Er aß keinen Zucker, weil Sklaven ihn produzieren mussten. Er ging bei seiner Englandreise zu Fuß durchs Land, weil Postjungen und Kutschpferde grausam behandelt wurden. Auch bei Möbeln und Gebrauchsgegenständen fragte er sich stets, ob die „Samen des Krieges in diesen Besitztümern stecken“.

Konsequenz

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Wie alle Quäker glaubte Woolman fest daran, dass in jedem Menschen etwas Göttliches wohnt und Gott selbst die Fülle all dessen ist, was der Mensch wirklich braucht. „Unterdrückung in direkter Form erscheint uns furchtbar. Aber auch Unterdrückung verfeinerter Art bleibt Unterdrückung. Selbst wenn nur das geringste Maß davon geduldet wird, wächst sie an Umfang und Intensität. Es ist die Angelegenheit der ganzen Familie Christi in dieser Welt, für die Erlösung von diesem Geist der Unterdrückung zu arbeiten.“ Sein Grundsatz war, dass jeder Mensch weder zu viel (wie die Sklaven) noch zu wenig (wie ihre Herren) arbeiten solle. Eine nützliche Arbeit solle demBroterwerb dienen, dürfe aber nicht der spirituellen Entwicklung im Weg stehen.

Es ist vor allem Woolmans Verdienst, dass die Quäker in den USA seit 1790 zu einer treibenden Kraft für die Abschaffung der Sklaverei wurden. Quäker weigerten sich, Kriegsdienst zu leisten und Kriegssteuer zu zahlen. Sie weigern sich, zwischen Freund und Feind zu unterscheiden. Nach dem 2.Weltkrieg waren die Quäker die Ersten, die zu Hilfsaktionen für das besiegte Deutschland aufriefen, und gelten als die Urheber der Carepakete.


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