Spiritualität

Die Spiritualität in der Einfachheit


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Franz von Sales und die Tugend der Leichtigkeit des Seins

Franz von Sales (1567–1622) war promovierter Jurist und stammte aus einer hoch geschätzten Adelsfamilie. 1602 wurde er Bischof von Genf und kümmerte sich um die Rekatholisierung der Gegend, in der ein strenger Calvinismus herrschte. Gegen dessen harte Lehre, nach der alles von Gott vorherbestimmt sei, predigte und lebte von Sales eine liebenswürdige, stille, innere Spiritualität. Noch heute gilt er als Literat von Rang, seine Werke zählen zu den Klassikern der französischen Sprache. Er schrieb über 20.000 Briefe und hielt geschliffene Predigten. 1665 wurde er heiliggesprochen.

Einfachheit als Tugend

Für Franz von Sales ist sie den meisten anderen Tugenden vorzuziehen. Um einfach zu sein, bedarf es keiner besonderen Fähigkeiten. Der Einfache besitzt nur scheinbar wenig Intelligenz, Kreativität und Fantasie. Einfachheit, Geradheit und Schlichtheit, so schrieb von Sales immer wieder, sind der beste Weg, um zur Vollkommenheit zu gelangen.

Der Weg der Schritte

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„Die Vollkommenheit unserer Seele besteht in der Vereinigung mit Gott, die wir nicht erreichen mit Viel-Wissen, wohl aber mit Viel-Tun. Geht mit großer Einfachheit an diese heilige Aufgabe heran. Wer sich fortwährend nach dem kürzesten Weg in die Stadt erkundigt, dem kann es passieren, dass er später hinkommt als andere, die auf der Straße geblieben sind. Denn er bekommt allerhand Auskünfte: Sie gehen falsch, Sie machen einen Umweg, Sie müssen zurückgehen. So kommt man nicht vorwärts, wenn man viel fragt. Wer nach dem Weg zum Himmel gefragt wird, hat eigentlich ganz Recht, wenn er so antwortet wie jener, der gesagt hat: Wenn Sie dahin gehen wollen, dann müssen Sie immer geradeaus gehen, immer einen Fuß vor den andern setzen, dann kommen Sie schon hin, wohin Sie wollen.“

Das Ziel im Auge

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„Gehen Sie in aller Einfachheit Ihren Weg. Lenken Sie Ihre besondere Aufmerksamkeit nur auf die wirklich wichtigen Dinge. Zerpflücken Sie nicht so sehr die Kleinigkeiten. Ihr Herz sei fest entschlossen!“ So schreibt von Sales der Baronin Johanna von Chantal, mit der er 1610 den „Orden der Töchter der Heimsuchung Mariens“ gründete. „Ihre Reden sollen knapp, gütig, heilig und bescheiden sein, in aller Ruhe gesprochen. All Ihr Tun soll darin bestehen, unseren Herrn handeln zu lassen. Lassen Sie seinen Willen geschehen.“

Ohne Angst

Einer anderen Frau gab er den Rat: „Ich empfehle Ihnen die heilige Einfachheit. Schauen Sie auf den Weg vor sich und nicht auf die in weiter Ferne drohenden Gefahren, wie Sie mir geschrieben haben. Die erscheinen Ihnen ganze Armeen zu sein. In Wirklichkeit sind es doch nur zurechtgestutzte knorrige Weidenbäume. Achten Sie auf Ihre Schritte. Während Sie auf die vermeintlichen Bedrohungen schauen, könnten Sie leicht einen Fehltritt tun.“

Vorsicht vor Pomp

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Es gibt heute eine „neue Einfachheit“, die sich recht nobel und elitär gibt. Solche Tendenzen entdeckte von Sales schon damals in seiner Umgebung, etwa in der zur Schau getragenen Schmucklosigkeit des Calvinismus. Wahre Einfachheit dagegen tritt bescheiden auf und macht um ihren Minimalismus kein Aufhebens: „Jene, deren Gehabe stets geziert und abgezirkelt ist, sind eingebildete Leute. Hüte dich vor allem Eitlen, vor jedem auffallenden und unsinnigen Gerede.“


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