Spiritualität

Mach alle äußeren Dinge in dir einfach - Peter Gerlach


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Der Mystiker Peters Gerlach

Anfang des 15. Jahrhunderts entstand in den Niederlanden eine geistliche Bewegung, in der es um ein ähnliches Bedürfnis nach spiritueller Erneuerung ging, wie wir es heute erleben. Die „Brüder vom gemeinsamen Leben“ stellten mit einer humanistisch geprägten, mystischen Frömmigkeit eine moderne Alternative zu den veralteten Strukturen der Amtskirche dar. Zahlreiche Brüderhäuser belebten so das Geistesleben in Holland und Nordwestdeutschland (Windesheim, Münster, Osnabrück, Marburg, Magdeburg, Rostock). Die Brüder legten zwar keine Mönchsgelübde ab, lebten aber in Gütergemeinschaft verbindlich zusammen. Zu ihren Grundsätzen gehörten Einfachheit, Gelassenheit und Freiwerden von allen Äußerlichkeiten.Wer von sich absehen kann, vollzieht eine Hinwendung zum Wesentlichen und tritt Gott unmittelbar gegenüber. Inneres Leerwerden und göttliche Fülle passen zusammen wie Hand und Handschuh.

Äußerlich kurzsichtig, innerlich weit blickend

Peters Gerlach (1378–1411) gilt als der innerlichste Mystiker aus diesem Kreis. Der kurzsichtige, schüchterne junge Mann stammte aus einer wohlhabenden Familie aus Deventer. In seiner Schrift Soliloquium (Selbstgespräch der Seele vor Gott) hat er seine geistlichen Erfahrungen und Gebete hinterlassen. Eines der schönsten handelt von der unmittelbaren Schau: Der Mystiker sieht alle Wesen, wie auch Gott sie sehen würde. Und auch auf Gott blickt er, wie Gott selbst es tun würde.

Die unverstellte,

bilderlose Wahrheit

erfüllt jetzt mein Bewusstsein.

Sie zeigt mir ihre Schätze, unvergleichlich allem.

Und einfach ist ihr Wort und eins in allem.

Anderes such ich nicht, alles ist hier beschlossen.

Wenn ich versenkt bin in die Schau,

erfasse ich mein eigenes Nichts.

So schaue ich das wahre Wesen aller Dinge.

Ich schaue nicht von unten her nach oben.

Die Perspektive hat sich völlig umgedreht.

Das Ganze zeigt sich mir von oben jetzt nach unten.

Die Wahrheit ruft auf alles Fremde,

das in mir mit ihr uneins ist, hinab:

Komm näher nicht. Der Ort, an dem du stehst, ist heilig!

Sie zeigt sich mir beim Chorgebet, im Bette,

bei Tisch, in Lärm und meiner täglich Arbeit.

So lehrt sie mich:

Mach alle äußeren Dinge in dir einfach,

verwandle dich von innen her,

gewinne die beständige, innere Schau!

Die Schau erlebe ich als übermächtig,

sie überwältigt so gewaltig Herz und Leib,

dass sie mit allen Kräften nur dem Licht noch folgen wollen.

Ich bin ein Nichts geworden durch das Licht.

Aus seinem und aus meinem Schauen wird die Schau.

In ihr und mit ihr schaue ich,

doch nicht nach meiner Weise,

ich schaue Gott so, wie Gott sich selber schaut.

So bin ich völlig unbesorgt und auch getrost in allem.

Mag kommen, was da will, ich bin in ihm.


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