Spiritualität

Spiritualität: Bruder einfach


spiritualitaet_roger

Die Botschaft der Spiritualität des Gründers von Taizé

Während der katholische Weltjugendtag Mitte August 2005 in Köln stattfand, wurde der Gründer und Leiter der ökumenischen Bruderschaft von Taizé (Frankreich) bei einem Gottesdienst von einer Geisteskranken getötet. Mit dem evangelischen Geistlichen Roger Schutz hat die Christenheit einen ihrer profiliertesten Streiter für die Wiedervereinigung der getrennten Kirchen verloren. „Frère Roger“, wie er sich gern nannte, war kurz vor seinem Tod ins Licht der Öffentlichkeit gerückt: Kardinal Ratzinger ließ ihn bei der Totenmesse für Papst Johannes Paul II. an der Eucharistie teilnehmen, obwohl er nicht der katholischen Kirche angehörte.

Gott im Mitmenschen begegnen

spiritualitaet_mitmenschen

„Das kontemplative Leben, also das Leben in der Erwartung Gottes, spielt sich nicht zwischen Himmel und Erde ab, in Ekstasen und Erleuchtung. Es fängt damit an, dass man sich Gott und dem Nächsten in großer Einfachheit nähert.“

Das Kennzeichen gelebten Christseins ist die praktische Verwirklichung. Roger Schutz empfiehlt, solche helfende Arbeit an den Menschen in innerer Stille zu tun.Aber während der Arbeit oder in der Einsamkeit danach rät er zu kleinen inneren Zeichen: sich bekreuzigen; kurz und still den Namen „Jesus“ sprechen oder ein kurzes Bibelwort, das man auswendig kann.

Wenn das demonstrative Schlagen des Kreuzzeichens unangemessen wäre, probieren Sie das „Blick-Kreuz“,: Sehen Sie nach oben (Himmel, Freiheit, Ihre höheren Ziele, Ihre Berufung), nach unten (Erde, Stabilität, Sicherheit, Ihre Herkunft, Ihre Gaben), danach lassen Sie Ihren Blick weit von links nach rechts schweifen. Sie sehen die Menschen, die Sie umgeben; die Arbeit, die zu tun ist; die einfachen Freuden und Belohnungen für Sie.

Nach vorne sehen

spiritualitaet_vorne

„Die Gotteserwartung befähigt uns, täglich unser Ja zu sagen zu allem, was von uns gefordert wird: zu unserer Lebenslage, zum Älterwerden, zu den verpassten Gelegenheiten. Sogar das Bedauern verwandelt sich durch einen Akt der Kraft in Reue, die Ansporn wird zum Weitergehen.“

Das rückwärts gewandte Bedauern reibt einen Menschen auf. Man möchte noch einmal beginnen, um alles besser zu machen. Reue dagegen ist felsenfest nach vorn gerichtet: Wenn ich in eine ähnliche Situation gerate, werde ich den Fehler von damals nicht wiederholen.

Das Trennende überwinden

spiritualitaet_trennende

„In der Vergangenheit mag die Trennung der Konfessionen ihre Berechtigung gehabt haben. Heute aber veranlasst sie die jeweiligen Anhänger, sich gegen andere abzuschließen. Dazu ist es wichtig zu erkennen: Der stärkste Widerstand gegen jeden Dialog kommt aus uns selbst. Offen sein setzt voraus, die Ichbezogenheit zu überwinden, damit die Tiefen unseres Wesens frei werden für den ganz Anderen.“ Das gilt nicht nur für die entzweiten Kirchen, sondern auch für politische Lager, für die Verständnislosigkeit zwischen Männern und Frauen und vieles andere Entzweite, was auf seine Vereinigung wartet. Auf dem Trennenden, so Roger Schutz, bleiben häufig Menschen bestehen, die den Glauben an das Eigene längst verloren haben.Den anderen unnachgiebig abzulehnen ist dann der verzweifelte Versuch, das Eigene zu bewahren. Eine Lösung aber gibt es nur für den, der loslässt und dem Anderen die Hand reicht.

Zitate aus: Frère Roger, Die Dynamik des Vorläufigen, 1965. In Deutsch veröffentlicht bei Herder. ISBN 3-451-07648-9 (nur gebraucht erhältlich).


zum nächsten Artikel
zum vorherigen Artikel

Gratis E-Mail Newsletter

Gratis Download:

Best of simplify Gratis-Download

Jetzt für kostenlosen Newsletter eintragen und Sofort-Download sichern. 100% Gratis!