Spiritualität

Spiritualität: Ökumene


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Katholisch – evangelisch? Christlich!

Die evangelische und die katholische Kirche haben viele Gemeinsamkeiten, aber auch zahlreiche Unterschiede, die eine Annäherung erschweren. Beide Kirchen leiden unter Mitgliederschwund, der katholischen Kirche bläst der Wind der öffentlichen Meinung aufgrund der Missbrauchsfälle in kirchlichen Einrichtungen derzeit besonders heftig ins Gesicht. Kein guter Zeitpunkt für Ökumene? Was kann überhaupt zwischen den Kirchen laufen, und wo hakt es in den Beziehungen? Und wie können Sie persönlich in Ihrer Spiritualität vom Reichtum der anderen Tradition profitieren?

Eine starke gemeinsame Basis

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Auf den meisten Gebieten herrscht zwischen den großen Konfessionen Einigkeit: Die biblischen Grundlagen sind nahezu identisch.

simplify-Rat: Lesen Sie die Bibel auch einmal in der Übersetzung, die die andere Konfession bevorzugt liest (Lutherbibel bzw. Einheitsübersetzung) – Sie werden sie so ganz neu entdecken. Direkte Vergleiche einzelner Bibelstellen in verschiedensten Übersetzungen ermöglicht die Website bibleserver.com.

Das Glaubensbekenntnis ist bis auf ein Wort identisch: Die Katholiken bekennen, dass sie an die „katholische Kirche“ (statt „christliche Kirche“) glauben. Kein echter Streitpunkt, denn das griechische Wort „katholisch“ meint hier nicht die Konfession, sondern bedeutet „allgemein, für alle gemeinsam“.

Es gibt keine evangelische oder katholische Taufe – dieses Sakrament, mit dem man Mitglied einer Kirche wird, wird gegenseitig anerkannt.

Auch in der Nächstenliebe sind sich die beiden Kirchen einig. „Caritas“ (kath.) und „Diakonie“ (evang.) engagieren sich für das Wohlergehen von Menschen unabhängig von deren Konfession. Ähnliches gilt für die Sozialpolitik – 1997 veröffentlichten die Kirchen sogar ein gemeinsames „Sozialwort“.

Das größte Ärgernis

In der Praxis der größte Konfliktpunkt: die Teilnahme an der Eucharistie/am Abendmahl. Das katholische und das lutherische Verständnis unterscheiden sich fast nicht: In Brot und Wein werden für die Gläubigen Leib und Blut Christi gegenwärtig. Doch die Lutheraner sind (aus historischen Gründen) vereinigt mit der reformierten Kirche, und die hält das Abendmahl für eine rein symbolische Handlung. Dazu kommt: Die katholische Kirche anerkennt die Ordination der evangelischen Pfarrer nicht als „Weihe“ und spricht ihnen daher die Fähigkeit ab, Eucharistie zu feiern.

Offizielle Position der katholischen Kirche: Evangelische Christen sind von der Eucharistie ausgeschlossen, Katholiken dürfen nicht am Abendmahl teilnehmen. Wer dagegen handelt, muss mit Sanktionen rechnen. Von evangelischer Seite her bestehen keine Beschränkungen: Ein Katholik ist beim evangelischen Abendmahl willkommen, evangelische Christen dürften von ihrer Kirche aus die Eucharistie mitfeiern.

simplify-Rat: Viele Menschen haben Scheu vor der anderen Tradition. Trauen Sie sich auch einmal in den normalen Sonntagsgottesdienst der anderen Konfession. Wenn Sie am Abendmahl bzw. an der Eucharistie teilnehmen: Tun Sie’s auf Basis einer Gewissensentscheidung mit ruhiger Selbstverständlichkeit und nicht als Akt der Provokation.

„Mischehen“

Rund1/3 aller Ehen in Deutschland wird zwischen einem katholischen und einem evangelischen Partner geschlossen. Offiziell gibt es keine „ökumenische Trauung“, sondern nur eine evangelische Trauung mit der Beteiligung eines katholischen Priesters/ Diakons oder umgekehrt. Die katholische Kirche schreibt ihrem Mitglied in jedem Fall vor, die Kinder im katholischen Glauben zu erziehen – allerdings mit dem Zusatz: „soweit das in Ihrer Ehe möglich ist“. Damit wird de facto eine andere Entscheidung geduldet.

simplify-Rat: Streichen Sie die Begriffe „Mischehe“ (klingt herabwürdigend) und „konfessionsverschiedene Ehe“ aus Ihrem Wortschatz. Wenn Sie stattdessen von einer „konfessionsverbindenden Ehe“ sprechen, machen Sie deutlich: So eine Partnerschaft bringt die beiden Konfessionen ein Stück näher zueinander.

Für evangelische Christen befremdlich

Zölibat: Katholische Priester dürfen nicht verheiratet sein und müssen sich aller sexuellen Aktivitäten enthalten. Doch tatsächlich wird in Afrika, Indien und Südamerika der Zölibat nur selten gelebt. Hierzulande geht man sehr verschwiegen mit dem Thema um, doch immer wieder wird bekannt, dass ein Priester trotz seines Zölibatsgelübdes mit einer Frau oder einem Mann zusammenlebt.

Eucharistische Anbetung: Dabei wird eine Hostie (das gewandelte Brot) in ein meist kostbares Zeige-Gefäß („Monstranz“) eingesetzt und von den Gläubigen verehrt.

Für katholische Christen befremdlich

Beziehung zur Kirche: Von den rund 25 Millionen evangelischen Kirchenmitgliedern finden im Schnitt nur 7 % am Sonntag den Weg in einen Gottesdienst (bei den Katholiken fast doppelt so viele); das Verhältnis zur eigenen Kirche ist oft wenig emotional.

Umgang mit dem Abendmahl: Bleibt beim Abendmahl Brot übrig, kann das einfach weggestellt werden, restlicher Wein darf weggegossen werden.

Lernen Sie in Ihrer Spiritualität voneinander

Katholische von evangelischen Christen: Den lebendigen Umgang mit der Bibel, der Urquelle des Glaubens. Viele Protestanten kennen das Bibelwort, das bei ihrer Taufe, Konfirmation oder Hochzeit für sie ausgesucht wurde. Einige lesen jeden Morgen einen Abschnitt (Bibellesepläne auf diebibel.de) oder ein Bibelwort, das für jeden Tag ausgelost wird (losungen.de).

Evangelische von katholischen Christen: Katholische Kinder werden vor der Erstkommunion mit 8 bis 9 Jahren an den Gottesdienst und an die Kirche herangeführt. Warten Sie in Ihrer Gemeinde nicht bis zur Konfirmation, sondern machen Sie gezielt religiöse Angebote für Kinder – auch für die aus wenig kirchlichen Familien.

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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