Spiritualität

Spiritualität und Gesundheit


spiritualitaet_glaube

simplify-Konsequenzen aus wissenschaftlichen Erkenntnissen über Religion und Heilung

Wer an Gott glaubt, bewältigt Konflikte, Krisen und Stress leichter. So die Ergebnisse mehrerer US-Studien aus dem Jahr 1997. Gläubige Menschen sind demnach weniger anfällig für psychosomatische Krankheiten, sie fördern Heilungsprozesse, indem sie ihre Selbstheilungskräfte aktivieren, und führen einen gesünderen Lebensstil als der Durchschnitt. Inzwischen ist über diese Untersuchungen eine kritische Diskussion entbrannt. Hier die Ergebnisse, die sich für Ihr Leben und Ihre Spiritualität daraus ergeben könnten.

Auf die Art des Glaubens kommt es an

Der Psychologe Kenneth Pargament untersuchte eine große Zahl religiöser Menschen und kam zu einem differenzierten Ergebnis: Glaube kann sich positiv oder negativ auf die Gesundheit auswirken. Wer Angst vor den Strafen eines strengen Gottes hat, neigt eher zu seelischen Störungen als nichtreligiöse Menschen. Wer dagegen auf einen liebenden, gütigen Gott vertraut, profitiert davon – körperlich wie seelisch.

simplify-Rat: Lassen Sie sich niemals einreden, eine Erkrankung sei eine Strafe oder Rache Gottes. Entsprechende Aussagen sind dem Wesen des christlichen Glaubens und auch den meisten anderen Religionen fremd.

Glaube als Placebo

spiritualitaet_placebo

Zu ähnlichen Resultaten kommt der amerikanische Arzt Herbert Benson, der in über 30 Jahren ärztlicher Praxis das Phänomen intensiv erforscht hat. Er spricht von einem erweiterten Placebo-Effekt. Placebo (zu deutsch etwa „es wird mir gut tun“) ist eine Art positiver Selbstbeeinflussung. Für eine Studie am Cook County Hospital in Chicago wurden 1975 an Gelenkrheumatismus erkrankte Patienten mit Placebos (Tabletten ohne jeden Wirkstoff) behandelt. 30 % von ihnen hatten danach weniger Beschwerden, und zwar für mindestens 3 Monate. Dieses Ergebnis wurde durch eine 1995 im Annals of Internal Medicine veröffentlichte Studie bestätigt. Bensons Schluss: „Die Einstellung eines Menschen kann beträchtliche Heilkräfte in ihm mobilisieren.“

simplify-Rat: „Das wird mir gut tun“ ist eine kluge Affirmation, die Sie sich bei jeder therapeutischen Maßnahme – also auch bei Medikamenten, deren Wirksamkeit erwiesen ist – sagen sollten. Wenn Sie von einem Medikament innerlich nicht überzeugt sind, sollten Sie unbedingt mit Ihrem Arzt darüber sprechen.

Erinnertes Wohlbefinden

spiritualitaet_wohlbefinden

Benson entwickelte eine Methode, die ohne Placebo-Präparat auskommt. Er ließ seine Patienten täglich zwei 10 bis 20 Minuten lange Entspannungsübungen nach eigener Wahl durchführen. Danach sollten sie sich einen positiven Satz zusprechen, der für sie mit ihrer gesunden Vergangenheit verbunden war (z. B. „Ich schaffe es; ich bin ganz ruhig; ich werde gesund und stark“).

Erstaunlich: 80 % von Bensons Patienten wählten als positiven Satz ein Gebet („Der Herr ist mein Hirte; sei getröstet, meine Seele“). Benson fand heraus, dass die Entspannung und das erinnerte Wohlbefinden am stärksten bei denen wirkten, die an Gott oder an eine ewige, das Leben übersteigende Kraft glaubten.

simplify-Rat: Lernen Sie ein Gebet auswendig, das Sie aus Ihrer Kindheit kennen oder das Ihnen im Lauf Ihres Lebens wichtig geworden ist. So können Sie während einer Erkrankung leicht darauf zurückgreifen.

Die Stimme Gottes verstehen

spiritualitaet_stimme

Langzeitstudien zeigten, dass religiöse Menschen nach ihrer Genesung eher auf einen gesünderen Lebensstil umschwenkten. Sie erkannten, dass ihre Krankheit eine Information enthielt, wie sie ihr Leben ändern sollten, um gesund zu bleiben.

simplify-Rat: Verstehen Sie jede Krankheit als Botschaft Ihres Körpers oder als einen Hinweis Gottes. Sehen Sie Ihren Körper niemals nur als kaputte Maschine, die repariert werden muss.Wenn Ärzte z. B. von „der Leber“ sprechen, übersetzen Sie das für sich: „meine Leber“ oder noch besser: „die reinigende Kraft in mir“ o. ä.

Tätiger Glaube

spiritualitaet_taetig

Richard Sloan, Arzt und Verhaltensforscher an der Universität von Columbia, hat Hunderte von Studien über die medizinischen Auswirkungen des Glaubens kritisch untersucht. Sein Ergebnis: Glaube wirkt nur dann heilend, wenn Menschen ihre Religion auch durch soziales Engagement und tätige Nächstenliebe praktizieren.

simplify-Rat: „Glücklich ist, wer glücklich macht“ – diese Weisheit gilt wohl auch in der Variante „Gesund ist, wer gesund macht“. Wenn Sie Menschen in Not beistehen, hilft Ihnen das auch für den Umgang mit Ihren eigenen gesundheitlichen Nöten.

Fürbitte auf dem Prüfstand

spiritualitaet_fuerbitte

2004 kam der argentinische Ex-Fussballstar Diego Maradona wegen einer Herzkrankheit ins Krankenhaus. Als sich sein Zustand dramatisch verschlechterte, baten seine Freunde per Mail 20.000 Fans, für ihr Idol zu beten. Maradona wurde tatsächlich wieder gesund und ließ verlauten, Gott habe seine Anhänger erhört.

Unter Führung des bereits genannten Herbert Benson führten amerikanische Forscher eine „Study about Therapeutical Effects of Prayer“ (STEP) durch. Dafür wurden 1802 Bypass-Patienten aus 6 Kliniken per Los in 3 Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 und 2 wurde gesagt, dass für sie vielleicht gebetet würde. Tatsächlich wurde für Gruppe 1 gebetet, für Gruppe 2 nicht. Auch für Gruppe 3 wurde gebetet, doch diese Patienten wussten das von vorn herein.

Katholiken und Protestanten, die nur Vornamen und Anfangsbuchstaben des Nachnamens der Patienten kannten, beteten vom Tag vor bis 14 Tage nach der Operation. Das ernüchternde Ergebnis: Fürbittgebete haben den Patienten der STEP-Studie nicht geholfen (ausgerechnet Gruppe 3 ging es am schlechtesten).

Eine ähnliche Studie namens Mantra II des Mediziners Mitchell Krucoff von der Duke Universität in North Carolina, die sich über 5 Jahre erstreckte, kam zu einem ähnlichen Ergebnis: Fürbittgebete bewirken keine schnellere oder nachhaltigere Heilung

simplify-Rat: Lassen Sie sich von solchen Studien nicht davon abhalten, für andere Menschen zu beten. Tun Sie’s aber in dem Bewusstsein, dass Glaube, Gebet und Gott sich nicht wie Medikamente benützen lassen.

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


zum nächsten Artikel
zum vorherigen Artikel

Gratis E-Mail Newsletter

Gratis Download:

Best of simplify Gratis-Download

Jetzt für kostenlosen Newsletter eintragen und Sofort-Download sichern. 100% Gratis!