Spiritualität

Tikis Welt: Gräbermonat November


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Sehen Sie es doch mal so!

Wer im Spätherbst einen Friedhof betritt, findet dort oft reges Treiben vor: Viele Menschen sind unterwegs, um die Gräber zu schmücken und für den Winter herzurichten. Zwischen den Menschen, die benachbarte Gräber versorgen, entsteht so manches Gespräch. Ganz anders wirkt so ein Friedhof bei einer Beerdigung oder bei einem Besuch an einem frischen Grab. Dann herrscht oft eine besondere Stille, und viele fürchten sich ein wenig davor.

Keine Angst vor dem Toten

 

 

 

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Früher gab es das Ritual, dem Toten erst noch ein Sterbebett herzurichten und so Verwandten und Freunden die Möglichkeit zu geben, sich persönlich zu verabschieden. Heute geschieht dies nur noch sehr selten. Aber manchmal können Sie auch heute den Verstorbenen noch einmal sehen. In Krankenhäusern und Beerdigungsinstituten gibt es dafür zum Teil sogar spezielle Abschiedsräume. Nutzen Sie diese Möglichkeit, wenn sie Ihnen geboten wird. Vielen Menschen fällt es leichter, den Tod eines Menschen zu begreifen, wenn sie den Verstorbenen tatsächlich mit eigenen Augen gesehen und vielleicht auch den kalten Körper berührt haben. Dadurch ist auch der Anblick des geschlossenen Sarges bei der Beerdigung leichter zu ertragen.

Beerdigungen brauchen Langsamkeit

Wenn am Ende eines Begräbnisses jeder allein ans offene Grab tritt, lasse ich mir Zeit für den Abschied vom Verstorbenen. Auf die paar Sekunden, die ich dabei länger stehen bleibe, kommt es nicht an. Normalerweise steht Erde bereit, die jeder ins Grab werfen kann. Aber Sie können auch etwas mitbringen: etwas Sand vom Lieblingsstrand, Erde aus dem Gartenbeet, das die Verstorbene liebte, oder einfach eine Blume. Kaufen Sie ruhig ein paar Blumen mehr – andere, die nicht daran gedacht haben, werden sie dankbar annehmen.

Sollen Kinder mitkommen?

Nehmen Sie Kinder auch dann zu einem Begräbnis mit, wenn sie zu dem Verstorbenen kein enges Verhältnis hatten (natürlich sollten die Kinder damit einverstanden sein). Die Anwesenheit von jungem Leben ist tröstlich für die Trauernden, vor allem, wenn unter ihnen selbst Kinder sind. Außerdem ist es gut, wenn Kinder die Begräbnissituation schon einmal kennen lernen, ohne dass es die eigenen Großeltern oder andere nahe Verwandte sind.

Friedhofsbesuche können trösten

Bei späteren Grabbesuchen versuche ich schon auf dem Weg zum Friedhof, Abstand vom Alltag zu gewinnen. Wenn ich mit anderen gehe, unterhalte ich mich dabei nicht über Belanglosigkeiten. Ich bringe das Gespräch auf den Toten, und wir erinnern uns gemeinsam vor allem an alles Gute, das er uns hinterlassen hat.

Verbindung schaffen

Oft bringe ich etwas mit – eine Blume, ein Gesteck, eine Kerze oder sonst etwas, das ich am Grab lassen kann. Das schafft eine Verbindung zwischen der Welt der Lebenden und der Welt der Toten. Sagen Sie beim Niederlegen der Blumen oder beim Anzünden der Kerze: „Ich gebe dir einen guten Platz in meinem Herzen.“ Gräber katholischer Christen haben in der Regel eine Laterne dafür, doch natürlich können Sie so etwas auch auf einem Grab aufstellen, wenn der Verstorbene evangelisch oder nicht getauft war. Oder Sie nehmen ein einfaches Grablicht mit Windschutz.

Gehen Sie zurück ins Leben

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Am Grab denke ich zurück an die Zeit, als der Verstorbene noch lebte. Es tut gut, in Gedanken mit ihm zu reden. Wenn ich dabei weinen muss, hat das jedes Mal eine reinigende Wirkung. Ich stelle mir vor, wie der Tote in Zuneigung auf mich schaut und sich freut, dass ich lebe. Dann spreche ich mit Worten ein Gebet oder lasse die Stille beten. Nach dem Besuch des Grabes, gehe ich ganz bewusst von dem Ort der Toten weg: Ich darf zurück ins Leben und mich dieses Lebens trotz der Trauer auch freuen.

Autor: Tiki Küstenmacher


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