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Die 4 Formen von Glück und glücklich sein


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Warum es so wichtig ist, die Bedeutung dieses Wortes zu ergründen

Alle reden vom Glück.Aber was ist das? Eigentlich nur ein Wort. Aber was ist damit „gemeint“, was wird „mitgedacht“ und was soll dabei „eigentlich“ gesagt werden? Möglicherweise haben Sie eine Auffassung vom Glück, die Sie unglücklich macht. Daher ist es ausgesprochen wichtig, was Sie unter „Glück“ verstehen. Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Die für Sie wichtige Bedeutung legen allein Sie selbst für sich fest. 4 Auffassungen vom Glück könnten bedeutsam für Sie sein:

Das Zufallsglück

Das deutsche Wort „Glück“ (vom althochdeutschen gelücke) hat viel mit dem Schicksal zu tun, das günstig oder auch anders ausfallen kann. Diese Zufälligkeit prägt das Wort bis heute. Glück wird meist mit dem günstigen und erwünschten Zufall in Verbindung gebracht.

Den Zufall können Sie nicht beeinflussen, sondern nur Ihre Haltung dazu: sich zu verschließen oder offen zu sein. Verschließen würde erfordern, möglichst die Wohnung nicht mehr zu verlassen. Mit der Haltung der Offenheit werfen Sie das Netz aus, in dem der Zufall sich verfangen kann. Das quantenhafte Zufallsglück macht gern dort Station, wo es sich gut aufgehoben fühlt und nicht noch Vorwürfe zu hören bekommt, dass es „momentan nicht passt“. Aber es gibt noch andere Arten von Glück.

Das Wohlfühlglück

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In heutiger Zeit definieren viele Menschen das Glück über das „Positive“: das Angenehme, die Lüste, das Wohlfühlen, die guten Empfindungen, das völlige Verschwinden jeglicher Art von Schmerz. Dieses Wohlfühlglück ist nicht verwerflich, sondern hält glückliche Augenblicke bereit, für die Sie sich offen halten oder auch selbst vorbereiten können. Für diese Augenblicke allein lohnt sich das Leben schon. Wie gut, dass sie sich nahezu jeden Tag finden lassen: Herrlich, diese aromatisch duftende Tasse Kaffee! Dieser schöne Film, den Sie zelebrieren und für den Sie sich einen ganzen Abend Zeit nehmen! Dieses wohlige Zusammensein mit Ihrem alten Freund, Ihrer besten Freundin bei einem guten Glas!

Es ist wichtig, diesen Fundus auszuschöpfen. Aber tappen Sie nicht in die Falle, diesem Glück zu viel zuzumuten. Denn ein Problem bringt es doch mit sich: Es ist nicht von Dauer. Stellen Sie sich darauf ein, dass es noch andere Zeiten geben wird, dass nicht alles jederzeit wohlig und lustvoll sein kann. Das Glück nur in der Lust zu suchen, erscheint sogar als der sicherste Weg, unglücklich zu werden, denn die Lust dauert nicht: Die Lust des Essens, des Trinkens, auch die des Betts ist ein schöner Moment, eine selige Erfahrung, aber sie hält nicht lange vor, das gehört zu ihrem Wesen.

Wer Schmerzen ausschalten will, erfährt nicht mehr den Kontrast, der die Lust erst fühlbar macht. Dass das Leben Höhen und Tiefen kennt, weiß auch der moderne Mensch, aber Geltung haben in seinen Augen eigentlich nur die Höhen. Er tut alles, um wieder „aus dem Tief herauszukommen“ – wenn nötig, mithilfe von Medikamenten. Fehlendes Glück ist in der Moderne nur als Krankheit denkbar. Es muss noch eine dritte Art von Glück geben, die anders strukturiert ist.

Das Glück der Fülle

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Das Glück der Fülle umfasst auch die andere Seite, das Unangenehme, Schmerzliche und „Negative“. Entscheidend dafür ist eine geistige Haltung zum Leben, die auch die Gegensätze gelten lässt. Selbst das Wohlfühlglück wird erst dadurch wertvoll, dass es auf eine gegensätzliche Erfahrung folgt: Ohne Anstrengung und schwierige, sogar leidvolle Zeiten gibt es keine Zeiten des Wohlgefühls. Das Wohlgefühl bleibt leer, wenn es nur für sich steht. Das Glück der Fülle hingegen resultiert aus der Atmung zwischen den Polen des Positiven und Negativen. Erst die gesamte Weite der Erfahrungen vermittelt Ihnen den starken Eindruck, wirklich zu leben.

Das umfassende Glück der Fülle ist das philosophische Glück – nicht abhängig von bloßen Zufällen und momentanen Empfindungen. In Heiterkeit und Gelassenheit kommt es am besten zum Ausdruck: Das ist der „gute Geist“, von dem die antike griechische Bezeichnung für Glück ihren Namen hat: Eudaimonia. So finden Sie die Balance in aller Polarität des Lebens. Nicht unbedingt im jeweiligen Augenblick, sondern durch das gesamte Leben hindurch, das nicht nur aus Gelingen besteht, sondern auch aus Misserfolgen; nicht nur aus Erfolg, sondern auch aus Misserfolg; nicht nur aus Lust, auch aus Schmerz; nicht nur aus Fröhlichkeit, auch aus Traurigkeit. Es ist paradox, dieses Glück: Es umfasst nicht nur das Glücklichsein, sondern ebenso das Unglücklichsein.

Die Kunst des Unglücklichseins

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Was ist, wenn Sie sich mitten im Wohlfühlglück unglücklich fühlen? Dann liegt es nahe, die Krankheit der Depression dahinter zu vermuten. Aber in den meisten Fällen handelt es sich einfach um eine Melancholie, eine Seinsweise, die von alters her zum Menschsein gehört. Es gibt sehr wohl eine Krankheit der Depression, gekennzeichnet von erstarrten Gefühlen und einer Niedergedrücktheit, die keine Nachdenklichkeit mehr erlaubt. Um deren Heilung bemühen sich Ärzte und Therapeuten. Die Melancholie hingegen ist sehr gefühlsbewegt und voller Nachdenklichkeit, Sensibilität und Selbstbesinnung. Der melancholische Mensch kann reflexive Distanz zu allem gewinnen und die Selbstverständlichkeiten verlieren, in denen Menschen gewöhnlich leben, ohne es recht zu bemerken.

Es gibt daran nichts zu heilen. Eher ist diese Dimension des Menschseins zu pflegen, um das Leben in seiner ganzen abgründigen Tiefe auszuschöpfen. Machen Sie eine Kunst daraus, indem Sie sich mit Ihrer eigenen Melancholie anfreunden. Sie kann quälend und selbstzerstörerisch sein. Doch das lässt sich mildern: Arrangieren Sie sich mit Ihrer Melancholie. Definieren Sie Zeiten der Melancholie, die nur ihr gehören. Pflegen Sie Gewohnheiten, in deren Umfeld sie eingebettet und gepflegt werden kann: etwa regelmäßige Spaziergänge, bei denen Sie melancholischen Gedanken nachhängen dürfen. Der Rest des Tages gehört dann den banalen Erfordernissen des Alltags. So ist auch dem Unglücklichsein ein schönes und bejahenswertes Leben abzugewinnen: noch ein Glück, wenngleich ein ungewöhnliches.

Wilhelm Schmid, Die Fülle des Lebens. 100 Fragmente des Glücks. Insel Taschenbuch. Frankfurt a. M. 2006. 170 Seiten. ISBN 3-458- 34899-9. 10 €. Wilhelm Schmids Homepage: www.lebenskunstphilosophie.de


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