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Glück: Persönliche Zufriedenheit und Politik


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Was wir Deutschen zum glücklich Leben von anderen Ländern lernen können

In Sachen Glück sind die westlichen Regierungen eigentlich gescheitert: Sie zielen allesamt darauf, die Wirtschaftsleistung und damit den Lebensstandard zu steigern. Aber das subjektive Glücksgefühl der Bürger blieb im besten Falle konstant. In Sachen mentaler Lebensqualität ist unser Wirtschaftssystem erstaunlich uneffizient. Um glücklich zu leben, kommt es offenbar auf ganz andere Faktoren an als die wirtschaftlichen Kennzahlen. simplify-Fazit: Fürchten Sie sich nicht vor wirtschaftlich „schwierigen Zeiten“. Wenn eine Rezession alle gleichmäßig erfasst, muss das für das Glück der Gemeinschaft kein Schaden sein.

Beispiel Südindien: Glücksfaktor Bildung

Kerala, ein Bundesstaat im heißen Südindien, ist dicht besiedelt. Das Durchschnittseinkommen liegt unter 40 € pro Monat. Aber in keinem Teil Indiens ist die Lebenserwartung und das subjektive Glücksgefühl der Bürger höher. Das Geheimnis: In Kerala gibt es im Gegensatz zu anderen Landesteilen fast keine Analphabeten. Die Region hat eine alte Tradition von Theater, Medizin und Kampfkunst. Man ist stolz auf die eigene Kultur. Damit hängt wohl auch zusammen, dass fast alle Bauernfamilien ihr eigenes Land bewirtschaften. simplify-Fazit: Entwickeln Sie Ihren Geist, freuen Sie sich auf kunstvolle und intelligente Weise. Die „weichen“ Faktoren Bildung und Kultur sind weit mehr als nur Beiwerk des Lebens.

Beispiel North Dakota: Glücksfaktor soziale Gerechtigkeit

Nimmt man höhere Lebenserwartung als Anzeichen für größere Zufriedenheit, werden innerhalb der USA eindrucksvolle Unterschiede sichtbar. In North Dakota liegt das Durchschnittsalter bei 77 Jahren, im Südstaat Louisiana bei nur 73. Armutsrate, Zigarettenkonsum und andere gesundheitliche Risiken sind in beiden Staaten praktisch gleich. In Louisiana aber sind die Einkommensunterschiede zwischen arm und reich weitaus größer. Jenseits einer gewissen Schwelle steigert Wohlstand das empfundene Glück kaum, es ist aber von hoher Bedeutung, wie gerecht sich der Reichtum in einer Gesellschaft verteilt. Das erklärt wohl auch, warum Zufriedenheit und Lebenserwartung in Osteuropa seit 1989 stark gesunken sind: Obwohl die meisten Menschen heute etwa so viel wie 1970 besitzen, leiden sie darunter, dass der Wohlstand nur einigen wenigen zugute kommt. Interessanterweise sanken Glücksgefühl und Lebenserwartung nicht nur bei den Durchschnittsverdienern, sondern auch bei den Reichen. simplify-Fazit: Bekämpfen Sie den Neid. Geben Sie von Ihrem Wohlstand ab. Es macht nicht unglücklich, wenig zu besitzen, sondern weniger als der andere. Auch mehr zu besitzen, macht ängstlich, besorgt und kostet entsprechend Glück (aber es macht zufrieden, mehr zu geben!).

Beispiel Roseto: Glücksfaktor Solidarität

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Die Kleinstadt Roseto im Osten des US-Bundesstaates Pennsylvania verblüffte in den 50er-Jahren die Demoskopen. Obwohl man dort so ungesund lebte wie im Rest des Landes, waren Herz-Kreislauf-Erkrankungen um mehr als die Hälfte seltener als im US-Durchschnitt. Des Rätsels Lösung: Der Ort bestand aus Nachkommen einiger weniger Familien, die zur selben Zeit aus Apulien eingewandert waren. Alle Rituale einer italienischen Kleinstadt wurden weitergeführt, man traf sich in Klubs und bei allerlei Kirchenfesten. Als nach 1970 die US-Normalität auch in Roseto einzog, man sich im eigenen Haus zurückzog und den Wohlstand genoss, näherte sich auch die Krankheitsrate dem Landesdurchschnitt an. simplify-Fazit: Familiäre Zusammengehörigkeit und das Zusammenleben der Generationen verursachen zwar manchen Ärger, bieten unterm Strich aber das größere Glückserlebnis als ein Dasein im Single- oder Kleinfamilienformat.

Beispiel Schweiz: Glücksfaktor Demokratie

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In der Schweiz scheint das Gesetz vom Segen der Gleichheit aufgehoben. Trotz deutlicher Einkommensunterschiede ist der Glücksquotient kaum niedriger als im seligen Holland. Das liegt vermutlich, so die Glücksforscher, an der dezentralen bürgernahen Organisation und der direkten Demokratie. Eine genauere Untersuchung bestätigte: In den Kantonen mit den meisten politischen Einflussmöglichkeiten der Bürger (Basel-Land) ist die Zufriedenheit weit höher als in denen, die ein dem deutschen ähnliches Parlaments-System haben (Genf). Statistisch gesehen bringt ein Umzug von Genf nach Basel-Land so viel wie eine Einkommenserhöhung von 800 auf 3.000 €! simplify-Fazit: Engagieren Sie sich politisch, am besten vor Ort. Ihr Glück steigert sich, je mehr Sie mitbestimmen und je weniger Sie sagen: „Die da oben machen mit mir ja doch was sie wollen.“

Mehr dazu: Stefan Klein, Die Glücksformel. Rowohlt, Hamburg 2002. 19,90 €. ISBN 3-498-03509-6.


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