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Lebensqualität mit Stille


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... und wie Sie davon profitieren

Menschen mit Kopfhörern in den Ohren – das war 1979 eine Revolution, eingeläutet von Sony-Chef Isao Morita und seinem Walkman. Mittlerweile ist es zur Normalität geworden: Joggen, Hausputz oder U-Bahn-Fahren mit dem MP3-Player. Vor allem junge Menschen erleben ihren Alltag wie einen Stummfilm mit Soundtrack. Was für Auswirkungen das hat, ist inzwischen erforscht.

Finden Sie Ihre geistvollste Beschäftigung

Manchen Menschen kommen die besten Ideen beim Schuheputzen, anderen beim Wandern, beim Autofahren oder bei der Gartenarbeit. Wenn Sie dabei jedoch zusätzlich Musik hören, geht Ihrem Geist diese wichtige Kraftquelle verloren.

simplify-Rat: Führen Sie Arbeiten, die Sie bisher stets mit Musikbegleitung verrichtet haben, zumindest versuchshalber ohne Klangkulisse aus. Konzentrieren Sie sich intensiv auf die Tätigkeit; bemühen Sie sich, sie so sorgfältig und kunstvoll wie möglich zu tun. Achten Sie auf die Gedanken, die Ihnen dabei durch den Kopf gehen. Möglicherweise finden Sie so eine Tätigkeit, bei der Sie sich innerlich besonders gut sammeln können. Nutzen Sie diese Entdeckung, um sich beim Planen oder bei Entscheidungen besser zu konzentrieren.

Schalten Sie bewusst aus

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Rad- oder Autofahren mit Kopfhörern ist verboten.Doch auch wer zu Fuß mit lauter Direktbeschallung unterwegs ist, lebt risikoreich: Die meisten Gefahren im Straßenverkehr kündigen sich akustisch an.

simplify-Rat: Fahren Sie auch einmal mit ausgeschaltetem Autoradio. Nehmen Sie Landschaft und Umgebung intensiver wahr. Haben Sie typische Autofahrgedanken? Lauschen Sie beim Joggen oder Spazierengehen auf die Klänge der Natur. Gehen Sie Tiergeräuschen nach: Wie sieht der tirilierende Vogel aus? Was für eine kleine Heuschrecke kann so laute Töne produzieren? Wenn Sie im Café oder in öffentlichen Verkehrsmitteln Zeuge fremder Unterhaltungen werden, hören Sie ruhig zu. Auch wenn Sie nicht einverstanden sind mit dem, was andere sagen: Nicht durch Abschotten, sondern durch Zuhören bildet sich menschliche Gesellschaft.

simplify statt multify

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Frauen können mehrere Dinge gleichzeitig tun, Männer nicht – eine oft gehörte Behauptung, die sich wissenschaftlich allerdings nicht halten lässt. Es liegt nicht am Geschlecht, sondern an der Art der Aufgabe. Mann wie Frau können beim Gemüseschnippeln Radio hören. Aber niemand kann beim Schreiben eines wichtigen Berichts gleichzeitig Fernsehen gucken: Dann leidet die Qualität des Textes, und vom Film bleibt auch nicht viel hängen.

Nicht nur Schüler versuchen, sich unliebsame Aufgaben wie Vokabelnlernen mit Musikbegleitung zu versüßen. simplify-Rat: Tun Sie’s nicht. Eine Untersuchung der Florida Atlantic University in den USA hat ergeben, dass sich Schreibgeschwindigkeit und Aufnahmefähigkeit stark verlangsamen, wenn Musik im Hintergrund läuft. Eine Studie der Universität Oldenburg hat nachgewiesen, dass man sich an Hintergrundschall nicht gewöhnen kann. Für den Psychoakustikprofessor August Schick ist eindeutig: Bei Hausaufgaben und anderen geistigen Arbeiten muss es ruhig sein. Sogar hallende Räume beeinträchtigen die Leistung des Gehirns.

Text statt Musik

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In MP3-Playern und Auto-Soundanlagen läuft vor allem Musik. Die meistgehörten Radiosender bringen vor allem Tratsch und Gewinnspiele. Mehr für Ihren Geist tun Sie, wenn Sie anspruchsvolle Wortprogramme hören.

simplify-Rat: Alle öffentlichrechtlichen Sender bieten auf ihren Websites Download-Center, auf denen Sie aus einer riesigen Zahl hervorragender Sendungen auswählen und gratis auf Ihren MP3-Player laden können.

Nicht so laut, Mann!

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Kopfhörer sind nur winzige Lautsprecher. Aber sie befinden sich so dicht vor dem empfindlichen Gehörgang, dass sie, laut eingestellt, einen Schalldruck erzeugen wie ein startender Düsenjet in 50 m Entfernung. MP3-Player dürfen eigentlich nicht lauter sein als 98 db, aber manche Hersteller schummeln und bieten welche mit gesundheitsschädlichen 115 db oder mehr an.

simplify-Rat: Stellen Sie den Lautstärkeregler Ihrer Kopfhörer so ein, dass Sie noch Umgebungsgeräusche wahrnehmen. Denn wenn Sie das nicht mehr tun, ist der Schalldruck bereits zu hoch, und Sie riskieren Langzeitschäden für Ihr Gehör.

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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