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Tikis Welt: Richtig fragen


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Über die Kunst, richtig zu fragen

Manchmal darf ich (Tiki Küstenmacher) bei Besprechungen von Geschäftsleitungen dabei sein. Bei einer dieser Gelegenheiten stellte der Chef ein neues Produkt vor, das er sich während seines Urlaubs ausgedacht hatte, und fragte zum Schluss mit strahlender Miene: „Wie finden Sie das?“ Alle lobten, nickten zustimmend. Später beim Essen, als der Chef weg war, wurde nur geschimpft über „den Mist, den der Alte wieder ausgeheckt hat“, „und wir sollen wieder Blöde finden, die das kaufen“. Warum hat sich keiner getraut, das dem Boss offen zu sagen?

Wahrheitsfreundlich fragen

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Ganz ehrlich: Ich hätte es auch nicht übers Herz gebracht. Der Chef war so begeistert. Er hat, wie die Fachleute sagen, keine „ergebnisoffene Stimmung“ zugelassen. Manche Lügen werden durch die Art der Fragestellung provoziert.

Meine simplify-Erkenntnis aus diesem Erlebnis: Die Wahrheit hätte der Chef eher erfahren, wenn er sich aufmunternd und offenherzig erkundigt hätte: „Sagen Sie ehrlich, wo es noch klemmt.“

Wenn sich der andere mit der Wahrheit schwertut

Nächstes Erlebnis mit dem nächsten Chef: Ob das Paket nach Ungarn endlich abgeschickt wäre, fragte er seinen Mitarbeiter. „Klar“, antwortete der, aber der Chef spürte deutlich, dass das nicht stimmte. Daraus hätte er dem Mitarbeiter einen Strick drehen können: Abmahnung, ihn bloßstellen vor anderen, Strafandrohung bei Wiederholung. Aber er reagierte mit einem Witz: „Das hätten die Ungarn auch gesagt. Ich geb Ihnen jetzt 1 Stunde, und dann ist das Paket bei der Spedition!“

Mein simplify-Tipp: Falls Sie spüren, dass Sie belogen werden, machen Sie daraus kein Verhör. Setzen Sie sich nicht in Gedanken auf den Richterstuhl, sondern bleiben Sie auf Augenhöhe. Geben Sie Ihrem Gegenüber Gelegenheit, seine Lüge einzugestehen. Signalisieren Sie, dass Sie es mit Humor nehmen, wenn der andere seine Unaufrichtigkeit zugibt. Bauen Sie ihm eine Brücke. So tragen Sie enorm dazu bei, dass Ihre Beziehung den Vorfall unbeschadet übersteht.

Vertrauensvoll fragen

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Haben Sie auch schon mal eine höfliche Bitte geäußert und waren ein wenig pikiert darüber, dass ein „Nein“ zurückgekommen ist? Überlegen Sie sich, wie Sie gefragt haben. Denn so manche höfliche Formulierung legt dem anderen eine ablehnende Antwort geradezu nahe, z. B.: „Sie haben ja vermutlich keine Zeit dafür, aber würden Sie bitte …?“

Mein simplify-Rat: Nehmen Sie Ihre Bitte beim Aussprechen nicht wieder halb zurück. Mit einer neutralen Formulierung geben Sie Ihrem Gegenüber alle Freiheit der Welt, ja oder nein zu sagen.

Zielführend fragen

„Warum ausgerechnet ich?“, das ist eine sehr menschliche Frage, die ich mir auch schon oft gestellt habe. Warum habe ich diese Krankheit? Warum tut sich mein Kind so schwer in der Schule? Warum trifft gerade mich dieses finanzielle Desaster?

Mein simplify-Ratschlag: Auch wenn es Ihnen schwerfällt – verkneifen Sie sich solche Grübeleien. Denn abgesehen davon, dass es nie eine sichere Antwort gibt, halten solche Warum-Fragen Sie in der Vergangenheit gefangen. Fragen Sie stattdessen: Wozu? Damit fragen Sie nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft: Was will mir diese Krankheit sagen? Was hat dieser Verlust auf meiner Lebenslandkarte zu bedeuten? Vielleicht wird das einmal die Stelle, die ich am meisten liebe.

Am Beginn einer Krise empfinden Sie solche Fragen vielleicht als zynisch. Später aber geben die Antworten auf die Wozu- Fragen Kraft und Sinn. Und führen zu einer weiteren, ganz besonders gesunden Frage: „Was kann ich selbst dafür tun, um meine Lebensqualität zu verbessern?“ Das ist unsere stärkste Energiequelle.

Autor: Tiki Küstenmacher


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