Weitere Tipps zu Sie selbst

Wahrnehmung: Wie sie ausgetrickst wird und was Sie dagegen tun können


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„Et is, wie et is“ sagt man im Rheinland. Doch das stimmt nicht. Es ist so, wie Sie es wahrnehmen! Was in Ihre Augen und Ohren hineinströmt, wird in Ihrem Gehirn einer ausgiebigen Prüfung unterzogen – und dabei häufig tüchtig verändert. Und was Sie den Medien über den Zustand dieser Welt entnehmen, ist sogar von vornherein gefiltert und gefärbt. Wenn Sie die typischen Mechanismen durchschauen, wie die Wahrnehmung ausgetrickst wird, erweitern Sie Ihren Horizont und kommen mit vielen Alltagsproblemen leichter klar.

Weltnachrichten sind nicht die Welt

„Fantastisch, dass jeden Tag genau so viel in der Welt passiert, wie in eine Tageszeitung hineinpasst.“ Ein alter Witz von Graf Bobby, der das Phänomen auf den Punkt bringt: Die Anzahl und die Art der Nachrichten, die Sie täglich über die Medien erreichen, sind immer nur eine Auswahl. Auch wenn sich diese Auswahl in allen Medien verblüffend ähnelt, bildet sie niemals die Wirklichkeit ab, sondern soll stets ein bestimmtes Bild in Ihnen hervorrufen.

simplify-Tipps: Versorgen Sie sich mit Informationen aus erster Hand. Lesen Sie nicht nur in der Zeitung, wie es den Banken geht, sondern sprechen Sie auch mit mindestens einem Menschen, der in einer Bank arbeitet. Wenn Sie wirklich etwas über die Stimmung in den USA wissen möchten, mailen Sie sich mit einem Amerikaner. Sehen Sie die Situation mit den Augen der direkt Betroffenen.

Das Prinzip der „Informationen aus erster Hand“ ist auch für Ihr persönliches Leben sinnvoll. Ob unter Kindergartenmüttern, im Verein oder in der Arbeit: Übernehmen Sie nicht die Vorurteile anderer, wie sie durch Klatsch und Tratsch verbreitet werden. Sondern machen Sie sich die Mühe, die Person, um die es geht, selbst kennen zu lernen. Das wirksamste Mittel gegen Vorurteile ist übrigens gemeinsames Tun.

Niemand ist objektiv

Die Auswahl der Informationen ist beeinflusst durch bestimmte Reizwörter, durch persönliche Vorlieben des betreffenden Journalisten oder schlicht durch den Zufall. Kein Medium ist wirklich neutral – vor allem die nicht, die es von sich behaupten.

simplify-Tipps: Wechseln Sie 1 Monat lang Ihr Hauptinformationsmedium: Wählen Sie eine andere Startseite im Internet, einen anderen Sender, hören Sie mehr Radio statt TV (oder umgekehrt), oder lesen Sie eine andere Tageszeitung. Nutzen Sie den Urlaub, um sich von der medialen Beeinflussung einmal insgesamt zu erholen – das wirkt Wunder!

Wenn Sie einen Artikel gelesen haben (oder einen Fernsehbericht gesehen haben), beschreiben Sie mit einem Wort, welche Emotion der Schreiber in Ihnen hervorrufen wollte: Neid, Bewunderung, Angstmache, Beruhigung usw. Dann fragen Sie sich, ob das bei Ihnen geklappt hat.Wenn nicht: gut so! Wenn ja, haben Sie den Mechanismus jetzt durchschaut, wie man Ihre Wahrnehmung austrickst!

Werden in den Medien Ausschnitte einer wichtigen Bundestagsrede zitiert – lesen Sie spaßeshalber einmal die gesamte Rede (bundestag.de, dann auf „Plenarprotokolle“). Sie werden staunen, wie tendenziell solche aus dem Zusammenhang gerissenen Zitate sind.

Der Lupeneffekt

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Ein deutsches Filmteam besuchte in Brasilien eine Favela, ein so genanntes Elendsquartier aus illegal gebauten Holzhütten. Die Bewohner, vom Land in die Stadt gezogene Bauern, waren arm, aber es herrschte eine fröhliche dörfliche Atmosphäre. Später fuhr das Team aufs Land und sah, dass eine Bretterhütte dort die normale Behausung eines Bauern war. Ohne diese Information wirkten ihre Aufnahmen aus der Favela erschütternd. Mit dem vollständigen Kontext aber stellte sich alles ganz anders dar.

simplify-Tipps: Wenn Sie vor dem Fernseher sitzen, stellen Sie sich vor, dass Sie mit magischen Augen auch das Geschehen außerhalb des TV-Bildes sehen könnten – 360 Grad rundherum.

Ähnlich sollten Sie’s auch im privaten Bereich machen. Ihr Kollege ist ein Langweiler, die Nachbarin eine unordentliche Hausfrau? Suchen Sie nach Möglichkeiten, den Kollegen, die Nachbarin in einem anderen Kontext zu erleben. Vielleicht war Ihre Wahrnehmung falsch und der Kollege erweist sich bei einem abendlichen Abteilungsessen als humorvoller Entertainer für den ganzen Tisch. Oder die Nachbarin beim Straßenfest als perfekte Organisatorin.

Negatives erscheint größer

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Menschen ärgern sich über den Verlust von 100 € viel mehr, als sie sich über einen Gewinn von 200 € freuen. Die Forscher Amos Tversky und Daniel Kahneman entdeckten 1979 dieses Phänomen und wiesen nach, dass es zu erheblichen Fehlsteuerungen in der Wirtschaft führt. Denn um Verluste zu vermeiden oder wiedergutzumachen, werden oft große Gewinnchancen verpasst.

simplify-Tipp: Sehen Sie Geld global, wie mit einem enormen Weitwinkelblick – als einen Strom, in dem alles miteinander verbunden ist. Wenn Sie etwas zu teuer gekauft oder durch irgendeinen Fehler Geld verloren haben, suchen Sie in Ihren Kontoauszügen nach den dort verzeichneten letzten Einnahmen – bis deren Summe höher ist als der erlittene Verlust.

Schlechte Eigenschaften werden dazuerfunden

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Gut bekannt ist der Effekt in der Verkehrspsychologie: Sie werden von einem schnell fahrenden Auto überholt und empfinden den (Ihnen völlig unbekannten) Fahrer als unsympathisch, als rücksichtslos oder gar als Feind. Auch bei anderen Gelegenheiten tendieren Menschen zu solch schnellen Vorurteilen.

simplify-Tipp: Sehen Sie mit freund(schaftlich)en Augen. Stellen Sie sich vor, der schnelle Fahrer in der dunklen Limousine ist Ihr bester Freund. Oder ein werdender Vater, der seine auf dem Rücksitz liegende schwangere Frau so schnell wie möglich in die Klinik bringen muss. Erfinden Sie solche „Entschuldigungsgeschichten“, tricksen Sie Ihre Wahrnehmung aus – das macht Ihren Umgang mit dem „Übeltäter“ entspannter.

Sensationelles erscheint glaubhaft

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Der Marketingexperte James Vicary erfand 1957 die „unterschwellige Werbung“. Sein Experiment: Er setzte Kinobesucher für Sekundenbruchteile dem Slogan „Trink Cola, iss Popcorn“ aus – und steigerte damit den Verkauf von Cola um 18 %, den von Popkorn gar um 58 %. 1962 gab Vicary jedoch zu, das Ganze frei erfunden zu haben, um seinen Namen in der Werbebranche bekannt zu machen. Dieses Dementi wurde leider nie so populär wie seine Lügenstory, die als moderner Mythos bis heute zitiert wird.

simplify-Tipp: Glauben Sie nicht allem blind, was als „Forschungsergebnis“ und „wissenschaftliche Studie“ präsentiert wird – vor allem dann nicht, wenn Boulevardpresse oder TVMagazine dies tun. Einfache Sofortmaßnahme: Ist der Name eines Forschers angegeben, suchen Sie danach im Internet. Manchmal erfahren Sie dabei sofort, dass es sich um einen „Hoax“ handelt, also um eine gezielte Falschmeldung. (Wenn Sie in Google die Namen Tversky und Kahneman eingeben, finden Sie übrigens Belegstellen für unsere Ausführungen zur Geldpsychologie.) Infos über Hoax-Mails bietet die Site hoax-info.tubit.tu-berlin.de/.shtml


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