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Warum wir uns mehr auf traditionelle Werte besinnen sollten


Simplify-Hilfen für mehr Lebensfreude

Es ist deutsch in Kaltland – dieser Spruch aus den Weiten des Netzes trifft nahezu perfekt das Dilemma, in dem sich viele von uns befinden: In vieler Hinsicht haben wir gleich mehrere Werte verloren, die eigentlich zu den Grundregeln von guten zwischenmenschlichen Beziehungen gehören: Wir arbeiten bis zum Burn-Out und vergessen dabei, dass auch andere anstrengende Jobs haben. Wir sind egoistisch und ignorieren, dass man auch mal geben sollte, statt zu nehmen. „Bitte“ und „Danke“ hat sich aus dem Sprachgebrauch vieler praktisch zur Gänze verabschiedet. Teilweise leben wir mehrere Jahre lang neben den gleichen Leuten und bekommen es nicht einmal auf die Reihe, ihnen ein „Hallo, wie geht’s?“ auf der Treppe zuzurufen – geschweige denn ihre Namen zu kennen. Früher war sicherlich nicht alles besser, aber zumindest wurden Attribute wie Gemeinschaftssinn, Menschlichkeit, Höflichkeit und das Gebot, dass geben seliger ist als nehmen, noch etwas höher gehalten. Der folgende Artikel will für diese Werte einstehen und zeigen, wie sie sich in den Alltag integrieren lassen – um so nicht nur für andere, sondern auch sich selbst unsere sowieso viel zu kalte Gesellschaft ein wenig wärmer zu machen.

Helfen statt ignorieren

Erst vor wenigen Tagen machte eine entsetzliche Meldung die Runde durch die Nachrichtenportale: In einer Essener Bankfiliale war ein 82-jähriger Mann zusammengebrochen – vier Kunden ignorierten ihn völlig, stiegen teilweise sogar über ihn drüber. Erst ein fünfter Kunde alarmierte nach 20 Minuten den Rettungsdienst – zu spät, der Mann starb wenige Tage später.

Ein solcher Fall muss einfach wachrütteln. Nicht nur, weil die Polizei die vier Kunden wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen wird. Sondern weil es schlicht und ergreifend falsch ist, bei Not wegzusehen – ganz gleich in welcher Form sie sich präsentiert und auch weit unterhalb der Schwelle eines Zusammenbruchs. Einige Beispiele:

  • Sie sehen jemanden mit einer offensichtlichen Autopanne am Straßenrand. Klar kann man da in den meisten Fällen selbst nicht viel tun, wenn man nicht gerade Automechaniker ist. Aber kurz anhalten und fragen, ob man den Pannendienst verständigen soll, wäre das Mindeste – nicht jeder hat ein Handy, Netz, einen vollen Akku oder ein aufgeladenes Guthaben.
  • Jemand müht sich mit schweren Taschen im Bus ab. Hier ist es ein Leichtes, Hilfe anzubieten. Und wenn es sich um sichtbar gebrechliche Personen handelt, sollte es eigentlich auch Ehrensache sein, ihnen den Sitzplatz anzubieten.
  • Ein Kind sitzt weinend vor der Schule. Vielleicht hat es Angst vor Mitschülern, vielleicht Kummer wegen einer schlechten Note. Bloß: Wer einfach vorbeigeht, ignoriert das Leid eines der schwächsten Glieder unserer Gesellschaft. Auch hier ist helfen mehr als einfach: Einfach fragen, warum das Kind weint und ob man ihm helfen kann.

Diese Liste ließ sich beliebig lange fortführen. Sie soll jedoch nur eines zeigen: In den allermeisten Fällen kostet einen Menschlichkeit nur wenige Sekunden oder gar Minuten und keinen müden Cent – kann dafür aber den Tag eines anderen Menschen um ein gewaltiges Stück verbessern.

Nicht alles so verdammt eng sehen

Eine weitere Folge des immer weiter gesteigerten Egoismus: Jeder denkt nur noch an sich selbst und das unmittelbare Umfeld – jeder, der außerhalb dieses Kreises steht, wird bestenfalls neutral angesehen, schlimmstenfalls jedoch als „der Feind“. Allein die deutschen Gerichte müssen sich alljährlich mit den hanebüchensten Nachbarschaftsstreitigkeiten herumplagen – Dinge, bei denen es oft um wenig mehr als zentimeterlange Ästchen geht. Klar, die Rechtschutzversicherung kommt ja auch dafür auf. Doch ist das wirklich die Lösung, die einen dauerhaften Frieden bringt? Warum nicht einfach dem gärtnernden Nachbarn anbieten, dass er jedes Ästchen, das durch den Zaun auf sein Grundstück ragt, unbürokratisch in Eigenregie stutzt? Man selbst sieht die Äste doch sowieso nicht. Wieso nicht klingeln und freundlich darauf hinweisen, dass das Auto des Nachbars-Besuchers im Halteverbot steht, statt gleich das Ordnungsamt anzurufen?

Ganz besonders gilt diese entspanntere Sichtweise, wenn es um Malheure geht, die wegen Freundlichkeit passieren: Man hilft dem Nachbarn beim Hereintragen einer neuen Couch – eine wirklich gute, humane und nachbarschaftliche Geste – die jedoch ins totale Gegenteil verkehrt wird, wenn man, wegen des dabei unabsichtlich von der Wand gewischten Bildes ein Fass aufmacht. Denn erstens können solche Lappalien jedem passieren und zweitens gelten solche Fälle als Gefälligkeitsschäden. Und für die zahlt meist keine Versicherung. Klar ist das ärgerlich, aber wenn man von sich aus anbietet, den Rahmen zu ersetzen (und wenn der Helfer es nicht tut, sich auch nicht darüber aufregt), geht die Welt auch nicht unter. Auf jeden Fall sollte man die Grenze, ab der man die Beherrschung verliert, hoch ansetzen. Gegenstände lassen sich immer ersetzen, menschliches Benehmen jedoch nicht.

Dabei sollte einfach im Hinterkopf bleiben, dass ein jeder in Frieden leben möchte. Auch die meisten Nachbarschaftsstreits sind selten von den Beteiligten gewollt und brennen nur so lange, weil beide Parteien es so fürchterlich eng sehen und auf ihr Recht pochen – Leben und leben lassen, das sollte die Devise sein, nach der wir durch die Welt gehen. Und einen alten Slogan beherzigen: Shit happens.

Einladen statt ausgrenzen

Sind Sie schon einmal in eine völlig neue Umgebung gezogen, in der Sie niemanden kannten und sich deshalb richtig elend fühlten? Wenn nein: Es ist ein fürchterliches Gefühl. Und wenn ja, sollte das umso mehr ein Grund sein, diese Erfahrung anderen zu ersparen. Das vielleicht beste Beispiel: Nebenan, obendrüber oder untendrunter ziehen neue Nachbarn ein. Die Standard-Reaktion der meisten modernen Menschen: Ignorieren.

Auf diese Weise legt man den perfekten Grundstein zu sozialer Kälte im unmittelbaren Umfeld – nur noch zu krönen durch Lästern hinter dem Rücken der Neuen.

Warum nicht einfach einige Tage nach dem Einzug klingeln und freundlich fragen, ob die Neuen Lust hätten, bei einer Tasse Kaffee, bei einem Glas Wein, bei einer Schüssel Spaghetti Ihre Nachbarn kennenzulernen? Schlimmstenfalls erfährt man dadurch, dass man sich gegenseitig nicht leiden kann. Bestenfalls jedoch hilft man mit ein wenig seiner Zeit Menschen, die momentan noch keinen haben, an den sie sich wenden können – und knüpft oft genug tiefe Freundschaften, die weit über das Nachbarschaftliche hinausgehen.

Gleiches gilt auch für die sich stark vermehrenden Neubaugebiete in Ortsrandlage: Wer hier hin zieht, ist immer erst einmal anonym – und hat zudem noch mit jeder Menge Neubaustress zu kämpfen. Warum nicht aus der Not eine Tugend machen und gemeinsam ein kleines Nachbarschaftsfest organisieren? Ein paar Tische, Stühle, mehr braucht es nicht. Jeder bringt einen Salat, ein paar Getränke mit und schon läuft die Sache. Und was das Wichtigste daran ist: Menschen werden zusammengebracht, Hilfe wird generiert, soziale Kälte und Einsamkeit ein Stückchen vermindert.

Zupacken statt faulenzen

Wirklich jeder braucht mal wegen irgendwas Hilfe: Können Sie Ihre Steuererklärung alleine ausfüllen? Wissen Sie, wie man wirklich ein Zimmer professionell tapeziert? Nicht jeder kann alles – aber jeder kann etwas, nämlich auf seinem Gebiet zupacken und für andere da sein. Warum nicht diese Fähigkeiten und ein paar Stunden seiner Zeit opfern, um den Menschen in seiner Umgebung eine große Hilfe zu sein? Eine Hand wäscht schließlich (meist) die andere:

  • Der Anwalt, der seinem Automechaniker-Nachbarn einen guten Rechtstipp gibt, kann sich sicher sein, bei künftigen Kfz-Problemen einen Ansprechpartner zu haben
  • Der Hobbygärtner, der der neu zugezogenen Lehrerfamilie unbürokratisch den Rasenmäher leiht, bekommt vielleicht irgendwann mal Hilfe für sein eigenes Kind, wenn sie benötigt wird
  • Der Pilot von Gegenüber, dessen Post man in seiner Abwesenheit annimmt, kann vielleicht nicht mit Vielfliegermeilen aushelfen, aber sicherlich mit einigen Grillabenden.

Auch diese Liste ließe sich noch lange fortführen, denn wir alle können irgendetwas, von dem wir andere profitieren lassen sollten. Nicht bloß mit dem Hintergedanken, einen solchen Gefallen in Zukunft zurückfordern zu können (was sowieso schlechtes Benehmen ist), sondern einfach der reinen Menschlichkeit wegen.

Lächeln ist leichter als böse zu gucken

Schon gewusst? Man benötigt 54 Gesichtsmuskeln, um ein böses Gesicht zu machen – aber nur 43, um zu lächeln. Schon allein wegen dieser Tatsache ist Lächeln in den meisten Fällen die bessere Alternative. Aber es geht noch viel weiter: Wissen Sie, was Kassierer machen müssen? Etwa jedem Kunden zusätzliche Ware anbieten oder nach der Postleitzahl fragen – die machen das nicht freiwillig, sondern weil es ihnen von oben so verordnet wurde.

Wer diesen Menschen einen Gefallen tun will, bleibt einfach bei solchen Fragen und Angeboten gelassen, statt pampig zu werden – sie wollen einem nichts Böses, bloß könnte jeder Kunde ein Testkäufer aus der Chefetage sein. Und gleichzeitig macht auch hier das eingangs angesprochene Lächeln vieles leichter: Ein freundlicher Blick, ein „Wie geht’s?“ und schon ist vielleicht nicht der Tag eines anderen Menschen gerettet, aber zumindest der Moment.

Und ein weiterer Wert, der nicht außer Acht gelassen werden sollte, sind die beiden Wörter bitte und danke. Was glauben Sie, mit welch rüpeligen Bestellungen sich beispielsweise Bedienungen herumplagen müssen? Mit welcher griesgrämigen Selbstverständlichkeit Serviceleistungen akzeptiert werden? Wie viele Menschen in jedem Verkäufer nur einen inkompetenten Tölpel sehen und ihn von oben herab behandeln? „Könnte ich bitte eine Tüte bekommen?“, „danke für den Service“. Solche Sätze kosten keine Sekunde, machen aber den Tag ein wenig besser – auch für einen selbst. Wichtig ist, dass man regen Gebrauch davon macht – auch wenn der Service vielleicht gar nicht so gut war. Bedenken Sie immer: Vielleicht war er deshalb nicht so gut, weil die vorherigen 25 Kunden griesgrämig und schlecht gelaunt waren.

Fazit

Unsere moderne Gesellschaft entfremdet sich nicht nur immer mehr voneinander, sondern wird auch immer ein Stück weit kälter. Darunter leiden im Endeffekt alle, weil es sich dabei um ein Schneeballprinzip handelt. Wer jedoch lernt, ohne Hintergedanken oder Grund einfach etwas freundlicher, hilfsbereiter, weniger egoistisch zu seinen Mitmenschen zu sein, wird vielleicht nicht bei jedem davon etwas zurückbekommen, bei einigen jedoch sicher. Und er hilft – auch das ist ein Schneeballprinzip – die Welt zu einem etwas freundlicheren Ort zu machen. „Jeder gegen jeden“ sorgt nur dafür, dass alle irgendwann leiden. „Liebe deinen Nächsten“ bringt jedoch Sonne in den Tag von anderen, und sicherlich irgendwann auch in den eigenen. 


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