Aufschieberitis

Selbstmotivation: Aufschieberitis unter der Lupe


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Warum Menschen Aufgaben nicht erledigen – und was dagegen hilft

Der Schreibtisch quillt über, der Terminkalender ist überfüllt, in der Post häufen sich die Mahnungen – wenn dieser Zustand über mehrere Wochen und selbst in eher ruhigen Zeiten anhält, könnte ein tiefer sitzendes Problem dahinter stecken. Die folgenden Gedanken können Ihnen helfen, den tieferen Grund Ihres Planungsproblems zu ergründen und Ihnen den Weg zu einer neuen Selbstmotivation öffnen.

Aufschieben – Kennzeichen von Qualität

Wenn Sie von der Aufschieberitis "infiziert" sind, gehören Sie in der Regel zu den guten, erfolgreichen Arbeitern. Sie liefern zum Teil sogar überragende Qualität. Das wissen Sie und die anderen. Die Erwartungen an Sie sind hoch, entsprechend stehen Sie unter Druck. In den Tiefen Ihrer Seele aber haben Sie Angst vorm Scheitern. Sie fürchten, die hohen Ansprüche zu enttäuschen, und steigern Ihre Anstrengungen ins Maßlose. Das will Ihr Unbewusstes verhindern, weil es besorgt ist um Ihren Leib und Ihr Leben. Es verleitet Sie daher dazu, sich mit anderem, Unwichtigem zu befassen. Und geht dabei ausgesprochen raffiniert vor: „Du bist super, du schaffst das doch alles in Rekordzeit, gönn dir vorher ein bisschen Muße“, flüstert Ihr Unbewusstes Ihrem Bewusstsein ins Ohr – das sich gern zu ein wenig Schlendrian überreden lässt.

Aufschieben – Notbremse der Seele

Damit erreicht das Unbewusste sein Ziel: Sie gönnen sich tatsächlich Ruhe. Viele bezeichnen diese Art von Unbewusstem als „inneren Schweinehund“: jener Teil von Ihnen, der keine Selbstmotivation entwickelt und lieber alle Viere von sich streckt wie ein gemütlich herumliegender Hund. Die manchmal lebensrettende Bremswirkung Ihres Unbewussten wird vom Bewusstsein aber meist als störend empfunden. Es ist nicht leicht, die Balance zu finden zwischen nützlichem Pausieren und gefährlicher Verweigerung.

Aufschieben – destruktive Energie

Das schützende Eingreifen des Unbewussten hat auch eine gewaltige zerstörerische Kraft: Sie verschieben die Aktion, gleiten ab in Trödelei und Resignation. Sie beginnen bereits zu scheitern. Ihr eigenes Verhalten demütigt Sie, und die tief in Ihnen wohnende Angst hat ihre Absicht bald erreicht: Sie verfehlen Ihre Ziele und stürzen sich selbst vom Thron.

Typische Fehler und Gegenmittel

Aufschieberitis ist nicht Faulheit. Faule sind mit wenig zufrieden. Aufschieberitis ist die Krankheit der Fleißigen, denen das Erreichte nicht genügt. Ihr wahrer Feind ist Ihre Angst, vor sich selbst oder anderen schlecht auszusehen. Deshalb heißt die Lösung: Akzeptieren Sie Ihre Probleme, ohne sich zu schämen oder zu verbannen. Das gibt Ihnen Kraft, etwas auszuprobieren, das Hilfe verspricht. Hier die 5 wichtigsten Methoden:

Vielstop statt Nonstop

Fehler: Ihre Arbeitseinheiten sind überlang und ohne Pausen. Besser: Zwingen Sie sich zu regelmäßigen Unterbrechungen, in denen Sie aufstehen, den Raum verlassen oder zumindest ans Fenster gehen und den Himmel betrachten.

Entschleunigung statt Hektik

Fehler: Sie konzentrieren sich nur auf das Ergebnis, vernachlässigen aber die Genauigkeit bei der Durchführung. Besser: Bemühen Sie sich, auch Details zu lieben. Müssen Sie etwas von Hand ausfüllen, schreiben Sie deutlich und nicht zu schnell. „Langsames“ Arbeiten kann unterm Strich Ihre Effizienz enorm erhöhen, weil es Ihnen das Gefühl nimmt, gehetzt und fremdbestimmt zu sein.

Kontakt statt Routine

Fehler: Sie schweifen ab zu Routineaufgaben mit geringerer Priorität, weil die ein schnelleres Ergebnis versprechen. Besser: Arbeiten, bei denen Sie von anderen bewertet werden (Rede schreiben, Projektplan erstellen), stehen besonders in der Gefahr, aufgeschoben zu werden. Zugleich sind dies aber die Tätigkeiten, die für Ihren Erfolg besonders wichtig sind. Tipp: Nehmen Sie (persönlich oder per Telefon) Kontakt auf mit dem, der Ihre Arbeit beurteilen wird. Sobald eine zwischenmenschliche Verbindung besteht, wird es Ihnen leichter fallen, sich wieder der aufgeschobenen Aufgabe zu widmen.

Jetzt statt „dann, wenn“

Fehler: Sie haben unrealistische Ansichten über die Voraussetzungen Ihrer Arbeit. Sie meinen, besonders motiviert oder inspiriert sein zu müssen. Besser: Warten Sie nicht auf die optimalen „vibrations“, sondern beginnen Sie jetzt. Setzen Sie sich erreichbare, aber klare Fristen: In der nächsten Stunde erledige ich die 3 unangenehmsten Anrufe.

Weniger statt mehr

„Nimm dir doch weniger vor!“ Diesen Tipp hören Aufschieber häufig, aber stets gerät er für sie zur Lachnummer. Der Fehler liegt hier nicht beim Aufschieber selbst, sondern bei seinen Ratgebern. Der Vorwurf „Du machst zu viel!“ nährt die Versagensangst des Aufschiebenden. Er hört die Botschaft so: „Du versagst überall – bei der Auftragsannahme, bei der Einteilung deiner Zeit, bei der Pünktlichkeit!“ Besser: Erkennen Sie die Arbeit des an Aufschieberitis Leidenden ohne Vorbehalte und Vorwürfe an. Ermutigen und wertschätzen Sie ihn. Damit erlösen Sie ihn endlich von der Angst vor dem Versagen und eröffnen ihm einen Weg aus dem Teufelskreis.

Mehr zu diesem Thema bei: Hans-Werner Rückert, Schluss mit dem ewigen Aufschieben


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