Aufschieberitis

Selbstmotivation: So tanken Sie emotionale Energie.


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Müde? Lustlos? Pessimistisch? Hier kommt Hilfe!

Man könnte es als persönliche Energiekrise bezeichnen: Ihr Leben erscheint gut ausgefüllt, aber innerlich fühlen Sie sich leer, abgekämpft und ausgetrocknet: „Ich bin ständig müde.“ – „Wo ist meine Lebensfreude und Selbstmotivation geblieben?“ Wenn Ihnen das bekannt vorkommt, sind Sie damit nicht allein.

Die amerikanische Psychotherapeutin Mira Kirshenbaum hat das Phänomen seit vielen Jahren erforscht und festgestellt, dass es in den westlichen Ländern fast die Ausmaße einer Epidemie angenommen hat. Sobald mögliche körperliche Ursachen ausgeschlossen sind, greifen viele Ärzte zum Rezeptblock und verschreiben Antidepressiva. Medikamente aber, so Kirshenbaums Erfahrung, rauben den Patienten die letzten Reste von Energie. Auch Sport oder gesunde Ernährung helfen nur wenig. Denn es mangelt nicht an physischer Energie, sondern an seelischer. Kirshenbaum führte zusammen mit Sportärzten, Ernährungsberatern sowie Medizinern viele Untersuchungen durch und kam zu einem erstaunlichen Konsens: Volle 70% unserer inneren Energie sind emotionaler Natur: Leidenschaft, Freude, Hoffnung, Enthusiasmus.

Kirshenbaums simplify-Methode zur Wiedergewinnung Ihrer emotionalen Power und Selbstmotivation: 1. Finden Sie die Lecks, durch die Sie emotionale Energie verlieren. 2. Finden Sie Aktivitäten, die Ihren Gefühlshaushalt mit neuer Energie versorgen. Hier die typischen Räuber Ihrer Energie und Selbstmotivation. Und was Sie dagegen unternehmen können:

Überfüllung

Typische Situation: Ihr Alltag ist angefüllt mit Pflichten und Zuständigkeiten. Viele Menschen und Aufgaben verlangen von Ihnen Hingabe und Aufmerksamkeit. Typischer Rettungsversuch: Sie versuchen, emotionale Energie aus dem Essen zu gewinnen – und nehmen entsprechend an Körpergewicht zu. Die bessere Lösung: Nehmen Sie von den Menschen, für die Sie tätig werden, Anerkennung dankbar entgegen, auch wenn es nur kleine Zeichen sind: ein Lächeln, eine kurze Bemerkung. Sehen Sie sich nicht als Opfer („Keiner sieht, wie ich mich aufreibe!“), sondern entwickeln Sie die Fähigkeit, die Wertschätzung anderer auch ohne Worte zu spüren.

Neid

Typische Situation: Nur selten spüren Sie Neidgefühle direkt. Aber manchmal macht der Erfolg oder die scheinbar grenzenlose Kraft anderer Menschen Sie traurig. Typischer Rettungsversuch: Sie machen den beneideten Menschen ganz heimlich für sich oder im Gespräch mit anderen schlecht. Beides entzieht Ihnen eine Menge positiver Emotionen. Die bessere Lösung: Vergleichen ist ein Spiel für Verlierertypen. Machen Sie sich klar, was Sie gut können und was Sie Positives erreicht haben. Wenn Ihnen das schwer fällt, tun Sie es schriftlich. Sie werden sich selbst beneiden!

 

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Sorgen

Typische Situation: Wenn Sie sich Sorgen machen, kommt es Ihnen so vor, als sorgten Sie sich über etwas Bestimmtes. In Wirklichkeit sind Sorgen aber Selbstzweifel. Typischer Rettungsversuch: Sie warten auf Hilfe anderer – aber niemand will jemandem helfen, der jammert. Sie warten auf gute Ideen – aber dazu brauchen Sie genau die Energie, die Sie durch Ihre Sorgen verlieren. Die bessere Lösung: Handeln Sie. Tun Sie irgendetwas. Putzen Sie, kochen Sie, räumen Sie auf. Falls es mitten in der Nacht ist: Machen Sie sich eine kurze Liste mit den Dingen, die Sie am nächsten Morgen als Erstes anpacken werden.

Unerledigtes

Typische Situation: Verschobene Entscheidungen, halbfertige Projekte, unerfüllte Versprechungen – das Bermuda-Dreieck, in dem Ihre emotionale Energie und Selbstmotivation  spurlos verschwindet. Typischer Rettungsversuch: Sie entwickeln einen Plan nach dem anderen, wie das Unmögliche doch noch zu schaffen sei. Die bessere Lösung: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Sagen Sie Dinge ganz ab. Nehmen Sie die Schmach auf sich. Meist ist sie weniger schlimm als befürchtet. Fühlen Sie den emotionalen Energiegewinn durch Ihr Aufatmen und die gewonnene innere Freiheit.

Verlorenes

Typische Situation: Sie schauen zurück, trauern einem Menschen oder einer verpassten Gelegenheit nach. Sie merken, dass Sie sich über uralte Geschichten immer noch ereifern können, als seien sie erst gestern passiert. Typischer Rettungsversuch: Sie reißen sich zusammen, schlucken den Kummer herunter – aber bald ist er wieder da. Die bessere Lösung: Trauern Sie, weinen Sie, ärgern Sie sich – aber richtig! Schreiben Sie Ihre Wut auf große Zettel, die Sie anschließend zerknüllen und verbrennen. Bleiben Sie einen Tag im Bett, nur jaulend und knurrend – bis es langweilig wird. Dann stehen Sie auf und umarmen Sie das Leben.

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Erwartungen

Typische Situation: Jemand hat ein Problem und Sie versuchen, es für ihn zu lösen. Nun haben Sie das Problem und der andere nicht mehr. Doch der ist Ihnen nicht dankbar, sondern hat bei seinem nächsten Problem nur noch höhere Erwartungen an Sie. Typischer Rettungsversuch: Sie werden immer hilfsbereiter und verständnisvoller. Eines Tages muss der andere das doch würdigen! Aber er tut’s nicht. Die bessere Lösung: Erfüllen Sie die Erwartungen nicht. Sagen Sie sich: „Das sind die Erwartungen des anderen, nicht meine.“ Größter anzunehmender Unfall: Der andere ist enttäuscht. Sie aber fühlen sich frei.

Schuldgefühle

Für dieses schlimmste aller emotionalen Energielecks hat Mira Kirshenbaum eine besonders effiziente und witzige Methode entwickelt. Wenn Sie sich schlecht fühlen wegen etwas, das Sie getan oder unterlassen haben – stellen Sie sich selbst vor Gericht! Klagen Sie sich an und verteidigen Sie sich, ganz ausführlich, am besten laut oder schriftlich. Bringen Sie dabei alles vor, was für Sie spricht. Haben Sie getan, was Sie (entsprechend Ihrem Alter, Ihrem Wissen, Ihren Kräften) konnten? Sprechen Sie dann über sich ein Urteil. Sind Sie unschuldig, schließen Sie den Fall ab. Wie im normalen Rechtssystem üblich darf die Angelegenheit dann nicht mehr zur Anklage kommen. Sind Sie schuldig, legen Sie eine Strafe fest. Tun Sie (wirklich!) etwas, das Ihre Schuld gegenüber der verletzten Person kompensiert, oder geben Sie der Gemeinschaft etwas zurück, indem Sie sich sozial engagieren.

In zwischenmenschlichen Fragen tendieren viele Zeitgenossen dazu, auch kleine Verfehlungen einander ewig anzukreiden (und sich damit endlos emotionale Energie zu entziehen). Lernen Sie vom Rechtssystem: Wenn Sie sich als unschuldig erwiesen haben oder Ihre Strafe abgebüßt haben, ist Ihr Schuldkonto auf null. Der Weg ist frei für Neues. 

Dieser Beitrag beruht auf Artikeln von Mira Kirshenbaum, erschienen in der US-Zeitschrift The Oprah Magazine. Ihr Buch The Emotional Energy Factor ist im Frühjahr 2003 bei Delacorte Press erscheinen (ISBN 0-38533609-8).

 


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