Selbstmanagement

Selbstmanagement: Tun Sie's gleich!


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So werden Sie vom „Aufschieber“ zum „Erlediger“

Frau A. kommt einfach nicht dazu, ihre redselige Cousine wegen des Familientreffens anzurufen. Seine Steuererklärung wird Herr B. wohl auch dieses Jahr wieder so spät abgeben, dass er einen saftigen Aufschlag zahlen muss. Familie C. möchte eigentlich den alten Computer durch ein neues Modell ersetzen, aber am Wochenende sind die Berge jedes Mal verlockender als ein Einkaufsgang in die Stadt. Erkennen Sie sich wieder? Hier unsere simplify-Tipps, wie Sie Ihrem Selbstmanagement auf die Sprünge helfen und konsequent das anpacken, was dran ist.

Warum wir aufschieben

„Aufschieberitis ist die Kunst, das zu erledigen, was gestern angesagt gewesen wäre, und zugleich erfolgreich das zu vermeiden, was heute angesagt wäre“ (frei übersetzt nach einem Ausspruch des amerikanischen Autors Wayne Dyer). Piers Steel, Professor an der University of Calgary, hat 10 Jahre lang erforscht, warum wir Dinge gerne vor uns herschieben. Das Ergebnis seiner Untersuchungen: Menschen schieben eine Aufgabe auf, weil ...

... sie damit überfordert sind oder zumindest glauben, es nicht gut genug zu machen („Perfektionismus“);

... die Durchführung ihnen keine Freude macht – die klassische „keine Lust“- Situation;

... die Erledigung ihnen keinen unmittelbaren Vorteil verspricht;

... sie von Natur aus sehr spontan und leicht ablenkbar sind.

Gehen Sie Ihrem Verhalten auf den Grund

Sobald Sie merken, dass Sie etwas vor sich herschieben, fragen Sie sich nach dem Grund dafür. Speisen Sie sich selbst nicht mit Ausreden ab („So eilig ist das doch nicht“), sondern fragen Sie so lange nach, bis einer dieser Gründe zum Vorschein kommt. Z. B.: Sie kümmern sich nicht um den „Bankkram“, weil Sie von Gelddingen wenig Ahnung haben (= Grund 1). Sie schaffen es nicht, den Bericht fertig zu stellen, weil im Büro ständig die Tür aufgeht und das Telefon klingelt (= Grund 4). Sie lassen die Bügelwäsche links liegen, weil immer noch genug Blusen/Hemden im Schrank hängen (= Grund 3).

Dann können Sie gezielt Ihr Problem angehen – beispielsweise indem Sie sich für eine schwierige Aufgabe Unterstützung suchen oder sich als Perfektionist ein klares Zeitlimit für die Perfektionierung setzen („Wenn der Entwurf steht, gebe ich mir noch genau 30 Minuten, um daran zu feilen“).

Einfach keine Lust?

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Wenn Sie zögern, eine unangenehme Aufgabe (Beschwerdebrief schreiben, einen Berg Schuhe putzen etc.) in Angriff zu nehmen, überlisten Sie sich und Ihr träges Selbstmanagement selbst mit der 5-Minuten-Technik. Versprechen Sie sich selbst: „Wenn ich jetzt sofort damit anfange, darf ich in 5 Minuten wieder aufhören.“ Der Trick: Haben Sie sich erst einmal aufgerafft, bedarf das Weitermachen nach Ablauf der 5 Minuten meist keiner großen Willensanstrengung mehr.

Kalkulieren Sie Ihren Zeitbedarf realistisch

Wer eine Aufgabe vor sich herschiebt, schätzt oft den Zeitbedarf falsch ein. Entweder Sie überschätzen ihn: „Löcher in diese Wand zu bohren, wird mich den ganzen Nachmittag kosten“ – mit der Folge, dass Sie es lieber gleich bleiben lassen. Oder Sie unterschätzen ihn: „Die Sitzung bereite ich locker in 2 Stunden vor“ – und merken daher nicht, wenn Ihnen die Zeit davonrennt. Zu einer weniger von Ihrer Gefühlen abhängigen und damit realistischeren Einschätzung gelangen Sie, indem Sie sich vorstellen, Sie sollten jemand anders die Aufgabe übertragen und dafür eine Zeitvorgabe machen.

Ihre Aufschieberitis führt regelmäßig dazu, dass Sie Arbeiten nicht termingerecht fertig stellen? Wenn Sie vom Endpunkt her denken und sich fragen, wann Sie spätestens beginnen müssten, ist Unpünktlichkeit vorprogrammiert. Überlegen Sie stattdessen, wann der frühestmögliche Zeitpunkt wäre, zu dem Sie mit Ihrer Aufgabe beginnen könnten – und fangen Sie dann bereits damit an.

Machen Sie eine Gewinn-und-Verlust-Rechnung

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Wer seine Steuererklärung verbummelt oder Rechnungen ewig nicht zahlt und Mahnungen ignoriert, weiß: Das kann teuer werden. Aber auch in anderen Bereichen verursacht langes Aufschieben oft „Kosten“. Allerdings sind die meist weniger offensichtlich. Befördern Sie diese Kosten mit einer Gewinn-und-Verlust- Rechnung ans Tageslicht. Beispiele: Wenn Sie Ihren Chef nicht gleich über einen Fehler informieren, vermeiden Sie zwar zunächst einen Anpfiff, aber später ist der Ärger umso größer. Wenn Sie Erledigungen, die Sie Ihrem Partner versprochen haben, immer wieder aufschieben, verspielen Sie auf Dauer sein Vertrauen. Wenn Sie den Bügelberg so lange auftürmen, bis Sie kein gebügeltes Stück mehr im Schrank haben, müssen Sie sich womöglich gerade dann daranmachen, wenn Sie eigentlich das herrliche Wetter genießen wollten.

Verwandeln Sie die Verluste in Gewinne – das Minus in ein Plus: Malen Sie sich aus, wie wundervoll Sie sich fühlen werden, wenn Sie den unangenehmen Anruf hinter sich gebracht haben, und wie Sie den freien Samstag genießen werden, nachdem Sie sich unter der Woche in Sachen Haushalt rangehalten hatten.

Planen Sie konkret

Bei den meisten Menschen gibt es To-dos, die über Wochen hinweg immer wieder auf die Erledigungsliste des nächsten Tages wandern. Beispiel: Ihr Zahnarztbesuch ist überfällig, aber jeden Abend müssen Sie feststellen, dass Sie es wieder nicht geschafft haben, einen Termin zu vereinbaren. Konkretisieren Sie Ihren Vorsatz. Verknüpfen Sie ihn dazu mit einer anderen Tätigkeit („Bevor ich in die Kantine zum Mittagessen gehe, rufe ich an“), und bereiten Sie sich vor. Im Beispiel: Sehen Sie Ihren Kalender bereits am Vortag nach Wunschterminen durch, und legen Sie sich einen Zettel mit der Nummer der Praxis neben Ihr Telefon.

Stärken Sie Ihre Willenskraft

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Tatsache ist: Es wird immer Dinge geben, die mühsam oder unangenehm für Sie sind. Sie müssen sich nicht krampfhaft einreden, dass Sie Lust auf das Aufräumen Ihres Kellers, die Telefonkostenabrechnung, den Anruf bei Ihrem unzufriedenen Kunden, die Durchsicht Ihrer Bankunterlagen oder den Besuch bei Ihrem alten Onkel hätten. Lassen Sie sich von Ihrer Unlust jedoch nicht die Freiheit rauben, sich zwischen „Aufschieben“ und „Erledigen“ zu entscheiden. Nehmen Sie Ihre Willenskraft in Anspruch, und sagen Sie sich: „Ich habe zwar keine Lust, aber ich tue es jetzt trotzdem.“

Timothy Pychyl, Professor an der Carleton University, vergleicht die Willenskraft mit der Muskelkraft: Beides ist nicht unerschöpflich. Sein Rat: Helfen Sie nachlassender Willenskraft wieder auf, indem Sie sich Ihre Werte vor Augen halten. Z. B.: „Ich erledige den Auftrag prompt, weil ich zuverlässig sein möchte.“ – „Ich rufe meine Schwiegermutter an, weil mir ein gutes Verhältnis in der Familie wichtig ist.“ – „Ich pflege meine Schuhe regelmäßig, weil ich dann nicht so schnell neue brauche und das ein Beitrag zum Umweltschutz ist.“

Wenn Sie allerdings immer mehr Dinge in Ihrem Alltag nur noch mit enormer Willenskraft und ständigen Durchhalteparolen bewältigen, wird Ihre Kraft bald erschöpft sein und Ihr Selbstmanagement vor unmachbaren Aufgaben stehen. Geben Sie nach Möglichkeit Aufgaben ab, die Sie nerven und belasten, und integrieren Sie mehr Aktivitäten in Ihr Leben, die Sie mit Freude tun.

Aufschieberitis ade: Was Sie heute noch dafür tun können

Notieren Sie sich nach der Lektüre des obigen Artikels 3 Dinge, die sich in wenigen Minuten erledigen ließen, die Sie aber schon eine Weile vor sich herschieben, z. B. eine Haushaltstätigkeit, ein Telefonat und etwas, das unter „Papierkram“ rangiert. Erledigen Sie diese 3 Dinge jetzt sofort, und genießen Sie das gute Gefühl, das sich dann einstellen wird. So laufen Sie nicht Gefahr, den berüchtigten guten Vorsatz aller Aufschieber zu fassen: „Ich werde nie mehr etwas aufschieben – gleich morgen fange ich damit an!“

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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