Selbstorganisation

Arbeitsorganisation nach japanischem Vorbild


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Das Aufräumgeheimnis aus Japan

Muda ist das japanische Wort für Verschwendung. Es bezeichnet alle Vorgänge in einem Betrieb oder einem Haushalt, die keinen unmittelbaren Wertzuwachs erzeugen. Der Forscher Wallace J. Hopp definiert es als „jede menschliche Aktivität, die Ressourcen verbraucht, aber keinen Wert erzeugt“.

Das Aufspüren und Eliminieren von muda nach japanischem Vorbild (Vorreiter war dabei die Firma Toyota) hat seit Mitte der 80er-Jahre in Betrieben auf der ganzen Welt die Produktivität enorm gesteigert. In vielen Unternehmen gehört diese Methode inzwischen zum Standard, bei anderen ist sie leider etwas in Vergessenheit geraten, und in die Privathaushalte hat diese Form der Arbeitsorganisation bisher noch kaum Einzug gehalten. Gründe genug, sich mit den Erkenntnissen der klugen Asiaten wieder einmal zu befassen.

Was bringt wirklich etwas?

Wenn eine Arbeiterin in einer Fabrik 2 Metallteile zusammennietet, bringt sie das Produkt der Fertigstellung einen Schritt näher. Das ist Wertschöpfung. Wenn sie die beiden Teile aus dem 30 m entfernten Zwischenlager holt, ist das muda. Lägen diese Stücke neben ihr oder würden sie auf einer simplen Rutsche zu der Arbeiterin kommen, ergäbe das im Lauf eines Arbeitsmonats erhebliche Einsparungen.

Untersucht man Betriebe auf solche unproduktiven Vorgänge in der Arbeitsorganisation, kommt man zu erstaunlichen Werten. 90 % muda sind in einem Unternehmen nichts Ungewöhnliches: Verwaltung, Meetings, Kantinenessen, Pausen, Transportwege, Leerlauf, Fehler, Ausschuss.

Geht es überhaupt ohne Verschwendung?

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Nein. Etwas Leerlauf ist normal, Arbeitspausen sind notwendig, muda ist lebenswichtig. Eine Firma ohne muda wäre eine unmenschliche Horrorvorstellung. Aber die Rechnung ist frappierend: Wenn es gelingt, in einem Unternehmen oder einem Haushalt den muda-Anteil von 90 auf 80 % zu senken, hätte sich dadurch die Produktivität verdoppelt (von 10 auf 20 %). Für die Arbeitenden dagegen ist es kaum spürbar, ob ihre unproduktive muda-Zeit 80 oder 90 % ausmacht.

Außerdem: Muda (wie etwa der ständige überflüssige Gang ins Lager) wird selten als Erholung empfunden, sondern als zusätzliche Arbeit. Wenn es gelingt, die Produktivität entscheidend zu steigern, gewinnen die Arbeitenden Zeit für wirklich gesunde und froh machende Entspannung. Unternehmen, die den Kampf gegen muda erfolgreich geführt haben, sind häufig an integrierten Fitness-Studios, einladenden Cafeterias und vielen anderen menschenfreundlichen Details zu erkennen.

Muda aufspüren in der Praxis

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Wenn Sie erst einmal den Blick für muda gewonnen haben, werden Sie auf Schritt und Tritt um sich herum Beispiele für solche Verschwendung menschlicher Energie entdecken.

Entscheidend für den Erfolg ist jedoch, dass nicht nur ein Einzelner Verbesserungsvorschläge macht und durchsetzt, sondern dass alle gemeinsam das Thema muda kennen, erkennen und etwas dagegen tun. Die klassischen 7 Arten von muda sind Überproduktion,Wartezeit, überflüssiger Transport, ungünstiger Herstellungsprozess, zu große Lagerhaltung, unnötige Bewegungen und die Herstellung fehlerhafter Produkte.

Hier ein paar typische Beispiele als Anregungen für Ihren eigenen Feldzug gegen die 1.000 kleinen Energie-Lecks:

Zwischenlagern

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Wenn Sie zwischen Arbeitsschritten Pufferlager bilden, verschenken Sie viel Raum und Zeit fürs Ablegen, Ordnen und Entnehmen der Zwischenprodukte. Typische Einrichtungen gegen muda sind einfache Rutschen oder Rollenbahnen, auf denen die halb fertigen Teile von selbst zum nächsten Arbeitsgang gleiten.

simplify-Rat: Beobachten Sie 1 Stunde lang in Büro und Haushalt, wie oft Sie etwas in die Hand nehmen, um es zu erledigen, aufzuräumen oder anderweitig zu bearbeiten – und es dann unverrichteter Dinge wieder ablegen.

Jedes Mal muda!

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Klassische Haushaltsbeispiele: Sie nehmen die Wäsche aus dem Trockner, streichen sie glatt, packen sie in eine Wanne und tragen sie in das Zimmer mit dem Bügelbrett. Oder Sie müssen kreuz und quer durch die Küche sausen, um ein einfaches Gericht zuzubereiten oder den Frühstückstisch zu decken.

simplify-Rat: Denken Sie auch im Haushalt in Projekten (Projekt Wäsche, Projekt Frühstück). Platzieren Sie alle für ein Projekt benötigten Werkzeuge so nah beisammen wie möglich (z. B. Waschmaschine, Trockner, Bügelbrett, Ablageflächen und ein Radio).

Stapeln

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Besonders schlimm sind Zwischenlager, wenn sie so groß werden, dass sie nicht mehr kontinuierlich während eines halben Arbeitstages abgearbeitet werden können: Stapel.Wenn Sie beim Bearbeiten der Post Häufchen bilden, um sie später zu bearbeiten, erzeugen Sie die Keimzelle von viel muda.

simplify-Rat: Verlegen Sie den Arbeitsplatz, an dem Sie die Post erledigen, in die unmittelbare Nähe von Hängeregistraturen und allen wichtigen Ablagesystemen. Dadurch können Sie jedes einzelne Schriftstück beim 1. Anfassen einen Schritt weiterbringen. Beim Kampf gegen muda werden oft Möbel gerückt und neue Anordnungen ausprobiert.

Zuschauen

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Ein Mensch, der einer automatischen Maschine beim Arbeiten zuschaut, erzeugt keinen Wertzuwachs – den erledigt die Maschine. Im Büro beobachten wir ungeduldig, wie der PC-Drucker etwas druckt, sich eine langsame Internet- Seite aufbaut oder sich der Kaffee allmählich aufwärmt.

simplify-Rat: Beraten Sie gemeinsam, welche sinnvollen Mini-Arbeiten Sie während der vielen kleinen Zwangspausen tun könnten, die sich durch die Arbeit unserer vielen technischen Helfer ergeben.

Provisorien

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Wenn Sie etwas „schnell mal“ halb fertig machen, um es später „richtig“ zu erledigen, ist der 1. Arbeitsgang pure Verschwendung.

simplify-Rat: Machen Sie etwas beim 1. Mal in voller Qualität. Nach dem 1. Lesen einer Mail kommen Ihnen die frischesten Gedanken für eine gute Antwort; eine neu hereingekommene Arbeit gehen Sie mit mehr Elan an als etwas Altes vom Stapel „das muss noch in aller Sorgfalt erledigt werden“.

Autor: Tiki Küstenmacher


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