Selbstorganisation

Selbstorganisation gegen die Medienflut


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Überlebenstipps für E-Mail, Internet & Co.

Es ist gar nicht so lange her, da gab es das schöne Wort vom „Informationsfluss“. Den sollte man keinesfalls unterbrechen. Informationen kamen zu uns in Kanälen: Tageszeitungen, Fachzeitschriften, Broschüren, Radio, Fernsehen, aus Konferenzen und privaten Gesprächen. Schlecht, wenn Sie abgehängt waren vom Informationsfluss. Gut, wenn Sie nah dran waren.

Von allem zu viel

Inzwischen ist aus dem Informationsfluss eine Informationsflut geworden. Aus allen Kanälen, die in Ihre Wohnung, Ihr Büro und sogar in Ihr Handy münden, schießen inzwischen die gesamten Wassermassen des Informationsozeans. Zigtausende von Radiosendern, TV-Kanälen und Zeitungen sind nur noch einen Mausklick von Ihnen entfernt. In den Firmen versenden viele ihre Mails zur Sicherheit an 10 oder 20 Mitarbeiter in Kopie. Mittlerweile hat die Flut sogar die sozialen Kontakte erreicht. Services wie facebook sollten dazu dienen, leichter mit Freunden in Verbindung zu bleiben. Für viele ist aus der Lust längst eine Last geworden, aus den willkommenen neuen Freunden eine Flut virtueller Kumpel. Mancher sieht sich mit 100 und mehr Menschen konfrontiert, die von ihm regelmäßig freundschaftliche Botschaften erwarten. Soziale Verpflichtungen ungeahnten Ausmaßes tun sich auf. Um in dieser Flut zu überleben, brauchen Sie neue Strategien für Ihre Selbstorganisation.

simplify-Tipp: Geben Sie den Traum auf, von Ihrem Schreibtisch aus den Informationsfluss bändigen zu können. Lernen Sie Kajak fahren – und stürzen Sie sich fröhlich in die Fluten!

Trinken Sie nicht den Fluss aus

Immer noch denken viele Menschen, sie müssten auf jede Anfrage oder Bitte eingehen, die sie erreicht. Doch das ist wie der Plan, den Informationsfluss leerzutrinken.

simplify-Tipp: Sehen Sie Ihre To-do- Liste nicht mehr als Aufstellung der Tätigkeiten, die Sie tun müssen, sondern machen Sie eine Überlebensliste daraus. Stellen Sie sich bei jedem Punkt Ihrer Aufgabenliste 2 Fragen.

  • Ist das absolut notwendig, damit mein Lebensboot weiterschwimmt?
  • Lässt es mich aufblühen?

Wenn Sie zu einer der Fragen „ja“ sagen, dann tun Sie's! Alles andere lassen Sie.

Trauen Sie sich, andere Menschen zu enttäuschen

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Sie fahren mit einem kleinen Boot. Da passt nicht viel hinein. Reagieren Sie nur auf das Allernötigste. Lassen Sie alle anderen Anfragen an sich vorbeifließen. Packen Sie nur in Ihr Boot, was dort Platz hat. Versuchen Sie nicht, mehr in Ihren Tag zu quetschen, als dort hineinpasst. Natürlich: Wo auch immer Sie sich ausklinken, enttäuschen Sie möglicherweise jemanden. Und riskieren damit, dass Sie das nächste Mal nicht mehr mit einbezogen werden. Aber ist das wirklich eine Katastrophe? Fast nie!

simplify-Tipp: Vertrauen Sie darauf: Zu wichtigen Dingen, die Sie übersehen haben, können Sie bei Bedarf mit Ihrem kleinen Boot zurückrudern. Oder Sie warten, bis etwas Ähnliches an Ihnen vorbeischwimmt. Wichtige Infos kommen oft aus mehreren Quellen daher, stehen etwa an 2 aufeinanderfolgenden Tagen in der Zeitung oder werden im Büro per E-Mail und in der Abteilungsbesprechung weitergegeben.

Wagen Sie die Eskimorolle

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Beim Kajakfahren eine spektakuläre Technik: Wenn Sie in besonders stürmischem Gewässer kentern, paddeln Sie beherzt weiter, den Kopf unter Wasser, bis sich Ihr Boot einmal um die Längsachse gedreht hat. Diese U-Boot-Phase ist nicht wirklich angenehm, aber lebensrettend. Weil Sie dabei Ihre Vorwärtsgeschwindigkeit mit nutzen, kommen Sie während der Rolle sogar voran. Übertragen auf die Infoflut: keine Angst vor dem Untergehen!

simplify-Tipp: Wenn alles über Ihnen zusammenbricht – Sie nicht mehr dazu kommen, Ihre Mails zu beantworten, die Tageszeitung ungelesen wegwerfen und alle möglichen Termine absagen müssen – martern Sie sich nicht mit einem schlechten Gewissen, sondern konzentrieren Sie sich aufs Überleben. Sie werden erfahren, dass selbst nach krassen Kommunikationskrisen das Leben weitergeht. Ja, Sie kommen dadurch sogar voran. Sehen Sie einen Festplattencrash oder den Zusammenbruch des Flugverkehrs wegen Vulkanasche nicht als Katastrophe, sondern als Ihre Chance, innezuhalten.

Begnügen Sie sich mit einem Brett

So kennen Sie es aus der Schule: Wenn man etwas lernt, muss man sich den Stoff systematisch erarbeiten. Mit allen historischen Aspekten, angefangen bei den alten Griechen, die ganze Entwicklung bis heute. Sie sind sozusagen den gesamten Informationsfluss entlanggewandert. Sie wussten, dass Sie in Erdkunde nicht wirklich alles über Uruguay oder den Meeresboden lernen. Doch man hat Ihnen das Gefühl vermittelt, mit dem Heruntersagen der Hauptstädte und dem Auswendiglernen der Bauxitvorkommen das Wesentliche intus zu haben.

So geht das heute nicht mehr. Aus dem Fluss ist ein Ozean geworden, den niemand mehr abschreiten kann. Die Lösung für Ihre Selbstorganisation: Stürzen Sie sich auf einem kleinen Surfbrett ins Meer. In keinem Wissensgebiet können Sie noch alle Informationen in sich aufnehmen. Es ist Zufall, welches Detail der großen Wissensdatenbank Sie gerade mitbekommen, welche Welle des Meeres bei Ihnen landet.

simplify-Tipp: Surfen Sie dorthin, wo es Ihnen interessant vorkommt oder gefällt. Machen Sie sich mit der ungewohnten Situation vertraut, dass Informationen im Internet-Zeitalter eine Art Roulettespiel geworden sind. Aber eines, bei dem Sie so gut wie immer gewinnen. Zu welcher Zeitung oder Zeitschrift sollen Sie greifen, welchen der vielen Artikel genauer lesen, welche Fernsehsendungen anschauen? Sagen Sie nicht: Es gibt so viele Möglichkeiten, da spiele ich lieber gar nicht mit. Sondern setzen Sie beherzt auf die 15 oder die 32 oder welche Zahl auch immer. Lesen Sie das, was Ihnen der Zufall vor die Augen gespült hat, intensiv. Begeben Sie sich aufs Meer, und tauchen Sie ein. Das ist klüger, als traurig am Ufer zu stehen und zu seufzen: Das ist ja alles viel zu viel für mich.

Sagen Sie nie: Das lerne ich nicht mehr!

Wenn die Flut kommt, können Sie trotzig da bleiben, wo Sie sind (Rettungschance: null), fliehen (Rettungschance: gering) oder das Bootfahren lernen (Rettungschance: hoch). Das gilt auch für neue Geräte, neue Techniken, neue Computerprogramme, wie sie in immer kürzeren Abständen auf den Markt kommen.

simplify-Rat: Schalten Sie um von Trotz oder Flucht („Das kann ich einfach nicht“ – „Das brauche ich doch nicht“) auf Lernen. Und zwar exemplarisch: Besorgen Sie sich das modernste Handy, den letzten Schrei auf dem Computermarkt, einen Kaffeevollautomaten oder was auch immer – und nehmen Sie sich vor, dieses eine Gerät wirklich zu durchschauen. Lesen Sie die Anleitung, lassen Sie sich von jüngeren Durchblickern alles erklären, besuchen Sie einen Kursus. Der erstaunliche Effekt: Haben Sie eine Maschine der neuesten Generation durchschaut, haben Sie auch vor allem anderen Technokram keine Scheu mehr. Erstens funktionieren alle ähnlich, und zweitens schwimmen Sie obenauf auf der herrlichen Woge: Auch in meinem Alter kann ich mir noch völlig neue Welten erobern!

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl


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