Zeitmanagement

Zeitmanagement: Mehr Gelassenheit mit dem Zeitbaum


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„Oh je, mein Leben ist so chaotisch!" Ein Hilferuf, den man oft hört. Das Wort „Chaos" hat in der Alltagssprache eine negative Bedeutung: Verkehrschaos, Chaoten. In der Physik dagegen ist Chaos ein wertfreier Begriff. In seiner griechischen Urbedeutung meint es die offene Leere des Weltraums, aus der der geordnete Kosmos hervorgegangen ist. Diese Erkenntnisse helfen Ihnen das richtige Zeitmanagement zu finden.

Erkenntnis 1: Newtons Naturgesetze reichen nicht

Das klassische physikalische Weltbild von Isaac Newton geht davon aus, dass die Natur nach klaren Gesetzen abläuft. Streng genommen müssten sich alle Ereignisse vorhersagen lassen, wenn es gelingt, alle aufeinander einwirkenden Faktoren in der Natur zu berechnen. Das führte bei den Meteorologen zu dem Traum, mit einem riesigen Computer das Wetter exakt zu simulieren und für mehrere Jahrzehnte vorherzusehen. Die moderne Chaosforschung hat solche Träume beendet: Schon Vorgänge, die durch 3 oder mehr Differentialgleichungen beeinflusst werden, sind nicht „sehr kompliziert", sondern prinzipiell chaotisch. Sie sind unvorhersehbar.

Konsequenz 1: Rechnen Sie mit dem Chaos

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Dem Begriff „Zeitmanagement" liegt das Newtonsche Weltbild zugrunde. „Zeitmanagement" wird gespeist von dem heimlichen Traum, eines Tages alle Gesetzmäßigkeiten im Verhalten von Menschen und Abläufen zu entschlüsseln und dann „alles im Griff zu haben". Die Chaosforschung erteilt dieser Theorie eine klare Absage, denn so gut wie alle menschlichen Interaktionen werden durch weit mehr als 3 Differentialgleichungen bestimmt. Es ist also nicht nur menschliche Schwäche, wenn etwas schief geht, sondern möglicherweise eine unabänderliche natürliche Tatsache.

Der Wunsch nach Ordnung und einem Leben, das die Zeit „managt", ist ein Ideal, das einen Ausschnitt unseres Lebens zum alleinigen Prinzip erhebt. Während wir Ordnung und Strukturen in unserem Alltag schaffen können, streben wir zugleich nach dem schöpferischen Chaos - ja, wir leben vermutlich in beidem parallel.

Erkenntnis 2: Die Zeit verläuft nicht geradlinig

Das Newtonsche Weltbild wurde noch durch eine andere Entdeckung des 20. Jahrhunderts erschüttert. Als die Erforschung der Einzelteile des Atoms (der so genannten Elementarteilchen) voranschritt, häuften sich die Widersprüche. Den Versuch, die Naturgesetze mit den Beobachtungen in Einklang zu bringen, nennt man Quantenmechanik. Dabei traten allerdings neue Widersprüche auf, die für den Laien höchst verwirrend wirken: Ein Teilchen kann gleichzeitig an 2 Orten sein, es scheint sich unter bestimmten Voraussetzungen rückwärts in der Zeit zu bewegen - und etliches mehr. Das klassische Newtonsche Bild von der Zeit als einer geradlinig verlaufenden Entwicklung stimmt nicht mehr.

Konsequenz 2: Eine Uhr tickt linear, Sie nicht

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Auch in unserem Dasein verlaufen mehrere Zeitebenen möglicherweise parallel. Das Phänomen des Denkens „im Hinterkopf" ist vielen Menschen vertraut. Während Sie sich im Vordergrund mit den praktischen Problemen des Alltags befassen, läuft auf einer anderen Zeitebene ein Denkprozess ab. Dieser kann zu Aha-Erlebnissen führen, die Sie als „plötzlich" erleben, obwohl sie eigentlich lange vorbereitet wurden.

Vertrauen Sie auf die Kraft der gleichzeitig in Ihnen arbeitenden Zeitebenen. Stören Sie sich nicht daran, dass Ihnen „so vieles gleichzeitig durch den Kopf geht". Ziehen Sie die aktuelle Tätigkeit nach vorne, ohne die gleichzeitig „weiter hinten" ablaufenden Vorgänge zu verteufeln.

Erkenntnis 3: Ohne Chaos keine Entwicklung

Der Biologe und Physiker Friedrich Cramer entwickelte, um die entstandenen Widersprüche im Zeitbegriff aufzulösen, das Modell des Zeitbaums: Die Zeit verläuft nicht nur linear (Newtonsches Modell), sondern es kommt mitten in der (nach den Naturgesetzen verlaufenden) Entwicklung zu chaotischen Situationen.

Die Entstehung des Kosmos war kein geradliniger Vorgang, sondern ein Abwechseln von geordneten Phasen mit chaotischen Situationen. Ohne Chaos hätte nichts Neues entstehen können. Die chaotischen Situationen waren Gabelungspunkte der Entwicklung, an denen Entscheidungen fielen, die nicht wieder rückgängig gemacht werden können. Hinter den Gabelungspunkten verlaufen mehrere Zeiten möglicherweise gleichzeitig. Neues wird erprobt, unbrauchbare „Zeit-Äste" sterben ab.

Konsequenz 3: Planen Sie das Chaos in Ihr Leben ein

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Lassen Sie in Ihrem Tages- und Lebensplan „Chaosinseln", in denen eine Neuorientierung stattfinden kann. Solche Chaoszeiten sollten nicht „chaotisch" und überfüllt, sondern zeitlos und offen gestaltet sein - also eher „Wüstentage" anstelle von „rauschenden Festen". Die entscheidenden Innovationen können Sie nur schaffen, wenn Sie sich dem Zeitdruck entziehen können. Ziel der Zeit bleibt die lineare Ordnung, nicht das offene Chaos.

 

Ausblick: Mögliche Konsequenzen für das Weltbild

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Unsere Gedanken sind nicht unbedingt den Gesetzmäßigkeiten der linearen („Newtonschen") Zeit unterworfen. Sie können mit anderen Zeitästen und Zeiträumen synchron verlaufen und sind vermutlich nicht an die Beschränkungen des Raumes gebunden.

Damit würden sich Dejà-vu-Erlebnisse ohne aufwendige Wiedergeburtsphantasien erklären lassen.

Wir können nicht in die Zukunft sehen, denn die Entscheidungen oberhalb der nächsten Gabelung lassen sich nicht vorausberechnen. Aber unsere Gedanken könnten anderen Gedanken aus der Zukunft begegnen, die sich gerade in der Zeit zurückbewegen.

Das würde die schemenhaften Ahnungen von Zukunftspropheten erklären: Sie sind nicht der Zukunft begegnet, sondern den Gedanken anderer Menschen, die sich gerade in die Vergangenheit zurückbewegten.

 

Sie sind neugierig geworden, wie die Physiker mit der Zeit umgehen? Dann schauen Sie sich doch mal Einsteins Methoden zum Umgang mit der Zeit an...

 


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