Mentaltraining
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22. November
Macht Geld glücklich?
Der Schweizer Wirtschaftswissenschaftler Mathias Binswanger untersucht seit vielen Jahren den Zusammenhang zwischen dem subjektiven Glück der Menschen und den wirtschaftlichen Verhältnissen, in denen sie ihr Glück finden wollen. Aus wissenschaftlich gut gesicherten Befragungen aus vielen Ländern der Welt lässt sich klar folgende These ableiten: Ab einer bestimmten Höhe bringt zusätzliches Einkommen keine Steigerung des Wohlbefindens, des Lebenssinns und des Glücks, sondern sogar mehr Probleme und mehr Stress.
Glücklich sein: Große internationale Unterschiede
Am unzufriedensten sind nach der World Values Survey die Menschen in den Staaten der Ex-UdSSR, dann kommen die Schwellenländer - unter denen die Lateinamerikaner noch am glücklichsten wirken - und dann die Wohlstandsländer der EU. Ostdeutsche sind weniger glücklich als die Westdeutschen. An der Weltspitze liegen die Schweiz und die USA. Das gemeinsame Muster aller Länder: Bis etwa 15.000 Dollar Einkommen pro Kopf und Jahr steigt das Wohlbefinden seiner Bürger. Doch über die 15.000 Dollar hinaus wächst das Glücksgefühl verblüffend wenig. So sind die Schweizer deutlich glücklicher als Menschen in Moldawien, Ukraine oder Peru, wo das Pro-Kopf-Einkommen deutlich unter 15.000 Dollar liegt. Hingegen unterscheidet sich das Glücksempfinden der Schweizer nicht wesentlich von dem der Menschen in Puerto Rico, Südkorea oder Taiwan, obwohl diese deutlich weniger verdienen - aber ihr Einkommen liegt bereits in der Nähe der 15.000-Dollar-Schwelle.
Das Vergleichs-Syndrom
Anders sieht es aus, wie Arme und Reiche ihr Glücksniveau einstufen. In allen Ländern empfinden sich die Reichen deutlich mehr als "happy" als ihre armen Mitbürger. Es ist wissenschaftlich erwiesen: Menschen fällen das endgültige Urteil über ihren Grad an Glück im Vergleich mit anderen.
Die Gründe:
Der Eisbergeffekt:
Die da oben im Licht sieht jeder bestens, weil unsere subjektive Sicht viel stärker nach oben als nach unten blickt. Diejenigen, denen es schlechter geht, blenden Menschen leichter aus. Fernsehen und Printmedien berichten bevorzugt über erfolgreiche Menschen mit interessanteren Tätigkeiten.
Das Mittelwert-Dilemma:
Wer sich innerhalb der Einkommenspyramide mit dem Durchschnitt vergleichen will, fällt auf eine geometrische Binsenweisheit herein. Der Durchschnitt zwischen Sozialhilfeempfänger und Millionär liegt viel tiefer, als die meisten schätzen. Die große Mehrheit empfindet sich in der unteren Hälfte und wertet sich ab, unabhängig vom Faktum: Das monatliche Nettodurchschnittseinkommen je Haushaltsmitglied liegt in Deutschland bei rund 1.200 Euro.
Weiterentwicklung und Motivationsbremse Neid
Ein Experiment einer US-Universität zeigt, wie hemmend der vergleichende Blick auf die anderen wirkt. Die Befragten hatten die Wahl zwischen 2 Möglichkeiten: a) Sie verdienen 60.000 Dollar pro Jahr, Ihre Kollegen 50.000. b) Sie verdienen 80.000 Dollar pro Jahr (25 % mehr als in der ersten Option!), Ihre Kollegen hätten jedoch 90.000 Dollar. Die große Mehrheit wählte überraschenderweise Option a), würde also auf 20.000 Dollar Mehreinkommen und die damit verbundene Weiterentwicklung verzichten, nur um mehr zu verdienen als die Kollegen.
Geld, die überschätzte Glücksquelle
David Kahnemann, Nobelpreisträger für Wirtschaft, untersuchte die Frage, welche Aktivitäten glücklich machen. 1.000 berufstätige texanische Frauen ließ er eine Art Glückstagebuch schreiben. Ergebnis: Auf den ersten 4 Positionen standen Tätigkeiten, die kaum Geld kosten (Sex, Freunde treffen, essen, entspannen). Die 3 wichtigsten Unzufriedenmacher dagegen waren die Fahrt zur Arbeit, die Arbeit selbst und die Heimfahrt nach Hause. Also lieber arbeitslos zu Hause? Oh nein! Ein Mensch, der seinen Beruf verliert, so der Psychologe und Glücksspezialist Edward Diener, wird dadurch sehr und vor allem langfristig unglücklich - sogar nachdem er wieder eine neue Stelle gefunden hat.
Einsamkeit, die unterschätzte Unglücksquelle
Der Glücksforscher Mihaly Csikszentmihalyi untersuchte, mit wem Menschen am liebsten zusammen sind. Spitzenreiter waren Freunde, Verwandte und der Partner. Am Ende der Skala fand sich wieder die personifizierte Arbeitswelt: der Chef. Noch schlimmer jedoch ist das Alleinsein. Obwohl sich viele Menschen nach des Tages Last und Mühen aufs Nichtstun und Alleinsein freuen - nichts senkt auf Dauer das Glücksempfinden so sehr wie das Übermaß an einsamer Muße.
Empfehlungen zum Glücklichwerden
Das Glückstagebuch ist einer der effizientesten Wege zu einer optimistischeren Weltsicht und mehr Lebenssinn. Schreiben Sie mindestens 1-mal pro Woche auf, wofür Sie dankbar sein können, von den ganz kleinen Dingen bis zu den großen. Variieren Sie Ihre Einträge, dann bleibt Ihr positives Lebensgefühl und Ihr neuer Lebenssinn frisch.




