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03. Juni

Kaltmamsell und Co.: Wörter - vom Aussterben bedroht

Thema: Wissen

Jedes Jahr werden in den Duden neue Wörter aufgenommen. Damit das Wörterbuch nicht irgendwann aus allen Nähten platzt, müssen aber gleichzeitig auch einige, die nicht mehr so gebräuchlich sind wie einstmals, wieder daraus verschwinden. Zu diesen Wörter zählen ehemalige Modewörter, deren natürliches Schicksal nun einmal darin besteht, dass sie irgendwann wieder aus der Mode kommen (dufte, töfte, knorke und prima wirken mittlerweile recht ungeil), Wörter, die Dinge bezeichnen, die es mittlerweile nicht oder kaum noch gibt (Hüfthalter, Wählscheibe, Bandsalat) sowie alte Wörter (Archaismen oder Historizismen), die mittlerweile durch modernere Synonyme (Neologismen) verdrängt wurden (Kontaktlinsen statt Haftschalen).

Nacktnasenwörter ...

Wörter sterben also genauso aus wie seltene Tierarten, so ist nun einmal der Lauf der Welt. Und genauso wie man - zu Recht oder Unrecht sei einmal dahingestellt - wenig Trauergefühle verspürt, wenn z.B. eine seltene Kakerlakenart vom Erdenrund verschwindet (aber ausgerechnet die überleben angeblich sogar einen Atomkrieg), scheint es um manche von ihnen nicht allzu schade zu sein. Es gibt aber auch solche Wörter, deren Verschwinden uns stört, weil sie genauso skurril wirken wie der unter Artenschutz stehende australische Nacktnasenwombat.

Mit dem Kurschatten in Übergangsjacke zum Gabelfrühstück

Die Tatsache, dass die Krankenkassen mit der Genehmigung mehrwöchiger Erholungsaufenthalte neuerdings sehr geizen, ist für das weitgehende Verschwinden eines der schönsten Wörter deutscher Zunge zumindest mitverantwortlich. Gemeint ist natürlich der Kurschatten, den sich Tante Auguste zulegen konnte, wenn sie in ein fernab gelegenes, vielleicht aber auch noch mit dem Schienenrudi (Schienenbus, in ländlichen Regionen auch Ferkeltaxi genannt) oder der eigenen Schneckenschleuder (Gegenteil eines Ferraris) zu erreichendes Kurbad reiste. Der Begriff Kurschatten bezeichnete geschlechtsneutral ein Wesen des anderen Geschlechts, das - zumeist selbst kurend - dem Kurgast auf Schritt und Tritt folgte und in Verdacht stand, mit selbigem herumzupoussieren (schäkern, flirten). Kurschatten waren demzufolge häufig als charmante Begleitung in Kurparks anzutreffen, wo man bei Regen in Pelerine (weites, ärmelloses Cape) und bei etwas frischerer Witterung in Übergangsjacke (Jacke, die am Übergang von der kalten zur warmen Jahreszeit - und umgekehrt - getragen wurde) tagtäglich hartnäckig flanierte und promenierte (spazieren ging).

Vorsicht: Kaltmamsell stört Stelldichein

Zwecks eines intimeren Stelldicheins (altmodische, eingedeutschte Bezeichnung für ein Rendezvous) konnte aber auch ein Café aufgesucht werden, wo man gemeinsam ein Gabelfrühstück (neudeutsch: Brunch) einnahm, das vielleicht von einer Kaltmamsell (Gastronomieangestellte, die ausschließlich für kalte Speisen zuständig ist) liebevoll hergerichtet worden war. Oder man bestellte sich gleich in stimmungsaufhellender Absicht ein Damen- oder Herrengedeck (Eine Damengedeck besteht aus einem alkoholischen und einem nicht alkoholischen Getränk, z.B. Piccolo + O-Saft, ein Herrengedeck aus zwei alkoholischen, meist Bier + Korn) womit man auch der Gefahr entgangen wäre, einen Blümchenkaffee (Kaffee, der so dünn ist, dass man das Blümchenmuster am Boden der Tasse sehen kann) oder Muckefuck (Ersatzkaffee, bitte nicht englisch aussprechen!) serviert zu bekommen. Wollte man gemeinsam das Tanzbein schwingen, suchte man eine einschlägige Schütteltenne (Tanzlokal) auf, in der Tante Auguste verführerisch ihre Herrenwinker (seitlich von den Schläfen bogenförmig abstehende Haarlocken bei einer weiblichen Person) wippen ließ. Oder man ging, um unbeobachtet Händchen zu halten, ins Kino, wo vielleicht gerade eine Pferdeoper (Western) gegeben wurde.

Noch mehr Wörter, die unter Artenschutz stehen müssten, stellen wir Ihnen in der nächsten Woche vor ...



 
 

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