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12. März
Wissen aneignen: Trainieren Sie Ihren Kopf
Unser Lernen und Wissen im Alltag ist begrenzt: Jeder hat seinen mehr oder weniger festgelegten Tagesablauf - sprich: Wir wissen, was uns täglich erwartet. Wir kaufen beim gleichen Bäcker ein, schauen jede Woche unsere Lieblings-Fernsehsendung und treffen dieselben Leute. Doch wir wissen heute: Routine ist nicht unbedingt gut fürs Gehirn, weil sie es nicht herausfordert.
Die Gegenbewegung trat der Neurobiologe Lawrence C. Katz (1956- 2005) mit "Neurobics" an: Er setzt auf Lernen und Wissen erweitern. Mit kleinen Übungen, die sich ganz einfach in den Alltag integrieren lassen, aber alles andere als Routine bedeuten. Mehr Hintergrundwissen dazu finden Sie hier.
Was wir wissen: Das bewirkt Neurobics
Das Allgemeinwissen zu Neurobics: Dadurch werden neue Nervenzellen und Verbindungen im Gehirn aufgebaut und erhalten. Normalerweise benutzen wir immer dieselben Bereiche im Gehirn. Die grauen Zellen brauchen aber Herausforderungen, ja regelrechtes Training, damit sie nicht einrosten und neues Wissen aufnehmen können. Ganz ähnlich wie bei einem Muskel. Deswegen (als Hintergrundwissen interessant) spielt der Name Neurobics auch ganz bewusst auf Aerobic, also ein körperliches Fitnesstraining, an.
Interessantes und Wissenswertes: Was macht Neurobics aus?
Praktisches Wissen für Sie: Neurobisch ist eine Übung nur dann, wenn sie alle der folgenden Kriterien erfüllt: Zunächst einmal geht es darum, seine Sinne neu zu erfahren, indem Sie offen sind für neues Wissen und Lernen. Anstelle eines Sinnes, den wir normalerweise in einem bestimmten Zusammenhang gebrauchen, konzentrieren wir uns auf einen anderen. So schulen wir Gehirnbereiche, die sonst nur selten zum Zuge kommen.
Was man auch wissen muss: Wir sollten ungewöhnliche Dinge tun und aus unserer Routine ausbrechen. Eng damit verbunden ist die letzte Forderung: Neurobische Übungen sollen von besonderer Bedeutung für uns sein, Spaß machen oder mit Emotionen verbunden sein - nur dann helfen sie, unser Lernen und Wissen zu verbessern.
Lernen und Wissen fürs Gehirn (1): Blind essen
Eine völlig neue Erfahrung ist es, z. B. mit verbundenen Augen zu essen. Dabei werden Sie schnell feststellen, wie sehr Sie sich normalerweise von optischen Eindrücken beeinflussen lassen. Wenn Sie nicht mehr sehen können, achten Sie mehr auf Ihre anderen Sinne: Sie schmecken intensiver, nehmen Geräusche, die Temperatur und die Beschaffenheit der Speisen bewusster wahr.
Interessantes und Wissenswertes dazu: In einigen deutschen Städten gibt es inzwischen sogar Restaurants, die sich diese Idee zunutze gemacht haben. Die Gäste essen dort im Dunkeln. Ziel ist genau das, worum es bei Neurobics geht: eine neue Erfahrung zu machen und seine Sinne neu zu erleben. Für einige Zeit "blind" zu sein, können Sie auch bei anderen neurobischen Übungen einsetzen: Wählen Sie Ihren Kaffee oder Tee einmal nicht anhand der Beschriftung der Verpackung aus. Schließen Sie stattdessen die Augen und versuchen Sie, sich anhand des Duftes für eine Sorte zu entscheiden.
Lernen und Wissen fürs Gehirn (2): Neues riechen
Auch wenn Sie vielleicht nicht gerne asiatisch essen, kann es sinnvoll sein, einen Abstecher zum asiatischen Supermarkt zu machen. Natürlich eignet sich auch ein anderes Geschäft, das so exotisch oder anders ist, dass Sie nicht regelmäßig darin einkaufen.
Wissenswert: Sie sollten diesen Ort nicht unbedingt aufsuchen, um etwas zu kaufen. Sondern, weil Sie dort auf neue Gerüche treffen. Schnuppern Sie an fremdartigen Gewürzen. Saugen Sie Gerüche in sich auf, die Sie nicht kennen. Immer dann, wenn Sie neue Düfte kennenlernen, speichert Ihr Gehirn diese ab. Wenn Sie damit noch eine positive Verknüpfung herstellen, weil es ein außerordentliches Erlebnis für Sie war, umso besser. Dadurch erhöhen Sie die Zahl der Nervenbahnen, die für das Erinnerungsvermögen zuständig sind.
Lernen und Wissen fürs Gehirn (3): Hände tauschen
Benutzen Sie als Rechtshänder doch mal die linke Hand (und als Linkshänder die rechte). Schreiben Sie den Einkaufszettel einfach mal mit links, nehmen Sie die Computer-Maus in die andere Hand, rühren Sie die Suppe mit der linken um oder putzen Sie Ihre Zähne mit der ungewohnten Seite. Die Liste lässt sich endlos erweitern. Was wir wissen: Bei dieser neurobischen Übung aktivieren Sie die Gehirnhälfte, die normalerweise dabei nicht beansprucht ist.
Lernen und Wissen fürs Gehirn (4): Alles auf den Kopf stellen
Wenn wir ein Objekt betrachten, analysieren wir es mit der linken Gehirnhälfte und erkennen es z. B. als eine Fotografie der Familie. Die rechte Gehirnhälfte kommt dann zum Zug, sobald es um räumliche Beziehungen geht. Wenn Sie das Familienbild also auf den Kopf stellen, aktivieren Sie beim nächsten Betrachten zugleich die rechte Gehirnhälfte. Denn die muss in diesem Fall die räumlichen Beziehungen erst herstellen, damit Sie das Bild entschlüsseln können.
Diese Übung funktioniert selbstverständlich auch mit anderen Objekten wie Gemälden oder Uhren. Wie wäre es zum Beispiel, die Armbanduhr einmal verkehrt herum anzulegen, sodass die 6 oben und die 12 unten steht?
Lernen und Wissen fürs Gehirn (5): Drauflosmalen
Eine ungewöhnliche und neue Erfahrung kann es auch sein, sich alleine oder gemeinsam mit Freunden als Künstler zu versuchen. Schnappen Sie sich einfach ein großes Stück Papier und bunte Farben und legen Sie unvermittelt los. So aktivieren Sie Teile des Gehirns, die bei vielen Menschen viel zu selten stimuliert werden: nämlich die emotionale und nonverbale rechte Seite.
Lernen und Wissen fürs Gehirn (6): Fühlen
Schulen Sie Ihren Tastsinn. Befüllen Sie einen Beutel mit verschiedenen kleinen Gegenständen wie Knöpfen, Schrauben, Muttern, Stoffresten und Büroklammern. Ertasten Sie nun die Gegenstände, ohne dabei hinzusehen. Wahrscheinlich fällt Ihnen das schwerer als Sie zunächst denken würden. Denn normalerweise erkennen wir Dinge visuell. Deswegen ist unser Tastsinn unterentwickelt. Mit dieser Übung können Sie ihn trainieren.
Lernen und Wissen fürs Gehirn (7): Sich auf andere konzentrieren
Geben Sie der Geselligkeit eine Chance, wenn es um mehr Wissen geht: Lassen Sie sich beispielsweise beim Essen ganz auf Ihr Gegenüber ein - ohne Ablenkung durch Radio, Fernsehen oder die morgendliche Zeitung. Schenken Sie ihm Ihre uneingeschränkte Aufmerksamkeit, sagen Sie sich "Ich will nur wissen, was er/sie mir zu erzählen hat".
Hintergrundwissen: Der Kontakt zu anderen Leuten hat eine positive Wirkung auf das Gehirn. Wer sich dagegen von anderen Menschen abschottet, kann seinen grauen Zellen damit schaden. Kontakt zu pflegen kann also schlau sein - in jeder Hinsicht. Reden Sie also mit möglichst vielen Menschen - sei es der Tankwart, die Verkäuferin beim Bäcker, die Nachbarin oder der Postbote. Alles von ihnen wissen zu wollen, kann auch bedeuten, das Gehirn zu trainieren.




