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So bringen Sie andere dazu, Ihre Grenzen zu respektieren


Der Junior (18) hat wieder einmal ohne zu fragen das Auto genommen. Eine einsame Freundin ruft regelmäßig mitten am Vormittag für einen Schwatz im Büro an. Bekannte bedrängen Sie, ihnen zu verraten, wie viel Sie geerbt haben. Wie können Sie sich davor schützen, Opfer derartiger Grenzverletzungen zu werden?

Stehen Sie zu sich selbst

Viele Menschen ziehen keine klaren Grenzen, weil sie Angst haben, sonst als schwierig oder unsozial zu gelten: „Was denkt der sonst von mir?“ Zugleich verachten sie sich für diese Schwäche. Wenn Sie vor der Wahl stehen, anderen oder sich selbst zu gefallen, entscheiden Sie sich für sich selbst! Üben Sie solche Grenzziehungen an Kleinigkeiten des Alltags: Erlauben Sie Ihrer Freundin nicht, im Restaurant mit ihrer eigenen Gabel etwas von Ihrem Teller zu stibitzen („Nur mal probieren!“). Beenden Sie Telefonate von sich aus, statt ungeduldig darauf zu warten, dass der andere endlich ein Ende findet.

simplify-Tipp: Gehen Sie davon aus, dass die meisten anderen Menschen an sich froh darüber sind, Ihre Grenzen zu kennen und dadurch respektieren zu können. Die wirklich skrupellosen Grenzverletzer sind in der Minderzahl!

Reagieren Sie gleich

Eigene Gewohnheiten zu ändern ist schwierig. Anderen Menschen schlechte Gewohnheiten abzugewöhnen ist dagegen fast unmöglich. Seien Sie daher wachsam, und lassen Sie keine neuen einreißen! Hat sich Ihre Mutter erst einmal daran gewöhnt, bei ihren Besuchen in Ihrem neuen Haus den unaufgeräumten Keller zu inspizieren, wird sie eine spätere Unterlassungsbitte wahrscheinlich ignorieren. Packen Sie den Stier gleich beim ersten Mal bei den Hörnern.

simplify-Tipp: Wenn Sie länger währende Grenzverletzungen abstellen möchten, suchen Sie nach einem plausiblen Anlass, dass Sie das Thema gerade jetzt aufs Tapet bringen. Gut sind aktuelle Ereignisse: Als Sie gestern dringend Ihren Rasierer gebraucht hätten, war der nirgends zu finden. Sie möchten nicht, dass Ihr Sohn (oder Ihre Tochter) Ihren Rasierer benützt. Punkt. Oder Sie begründen es mit einem persönlichen guten Vorsatz: Weil Ihnen der regelmäßige Sport sehr wichtig ist, erwarten Sie, dass Ihr Partner ab sofort wieder wie vereinbart dienstags pünktlich zum Kinderhüten nach Hause kommt.

Beugen Sie vor

Oft haben Sie bereits im Vorfeld die Möglichkeit, Grenzverletzungen zu verhindern. Ihre letzte Putzhilfe hat sich ungefragt bei Ihren Getränken bedient? Klären Sie die Getränkefrage mit der Nachfolgerin gleich zu Arbeitsbeginn. Eleganter und meist genauso wirkungsvoll wie ein Verbot ist ein Angebot: „Was möchten Sie trinken? Ich stelle Ihnen die Flasche auf den Esstisch, damit Sie sich selbst bedienen können.“

simplify-Tipp: Bauen Sie Hürden auf, die spontane Übergriffe verhindern. Wenn Sie nicht möchten, dass Ihre neuen Bekannten während der Party schnell mal einen Blick in Ihr Schlafzimmer werfen, sperren Sie es vorher ab. Das wirkt auch dann abschreckend, wenn Sie den Schlüssel stecken lassen. Sie sind kein Bussi-Bussi-Typ? Strecken Sie Ihre Hand schon zum Gruß aus, bevor der andere auf Umarmungs-Distanz ist. So signalisieren Sie, dass Sie einen Händedruck bevorzugen.

Wie du mir ...

Besonders innerhalb der Familie bürgern sich leicht kleine gegenseitige Respektlosigkeiten ein.

simplify-Tipp: Wenn es Ihnen stinkt, wie sich Ihr Partner oder Kind Ihnen gegenüber verhält, sollten Sie auch Ihr eigenes Verhalten kritisch überprüfen. Fallen Sie Ihrem Partner gerne ins Wort? Entsorgen Sie ungefragt seine Zeitungen von letzter Woche („Du kommst ohnehin nicht mehr dazu, die zu lesen“)? Reden Sie vor Ihrem Kind mit anderen Erwachsenen, als sei es nicht anwesend? Machen Sie ungebeten im Zimmer Ihrer Tochter Ordnung oder blättern schon mal in ihrem Tagebuch? Dann kann es gut sein, dass Sie dafür eine Retourkutsche bekommen.

Setzen Sie steinerne Grenzen

Viele Menschen wundern sich darüber, dass ihre Grenzen nicht respektiert werden. Was ihnen dabei oft nicht bewusst ist: Sie haben die Grenzlinie gleichsam bloß mit dem Finger in den Sand gezogen.

simplify-Tipp: Sprechen Sie akustisch wie inhaltlich eine deutliche Sprache. Vermeiden Sie Höflichkeitsformeln, die Ihre Botschaft abschwächen. Beispiel: Ihre Partnerin quatscht bei Ihren Telefonaten gern dazwischen. Sagen Sie nicht: „Wenn es dir nichts ausmacht, könntest du rausgehen, während ich mit dem Arzt spreche?“, sondern: „Ich möchte ungestört telefonieren. Geh bitte so lange in ein anderes Zimmer.“

Vermeiden Sie böses Blut

Die große Kunst des Grenzensetzens besteht darin, den anderen trotz der gebotenen Deutlichkeit nicht zu brüskieren. Sprechen Sie dazu von Ihren Bedürfnissen, statt das „unmögliche Verhalten“ des anderen zu kritisieren.

simplify-Tipp: Machen Sie zum Schluss eine positive Bemerkung zu Ihrer Beziehung: „Ich freue mich, dich nächste Woche zu sehen!“ „Ich verlasse mich auf Sie!“ – „Wir bleiben ein gutes Team!“