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Wenn's mal wieder knistert...


Miese Stimmung im Team? Dicke Luft in der Familie? Merkwürdige Untertöne im Gespräch mit der Freundin, den Nachbarn, dem Kunden? Dann halten Sie sich an das viel zitierte Prinzip der amerikanischen Psychologin Ruth Cohn: „Störungen haben immer Vorrang.“ Cohn (1912–2010) ging es um konkrete Störungen wie schwätzende Teilnehmer eines Meetings. Doch ihre Forderung lässt sich übertragen auf atmosphärische Störungen jeder Art: Finden Sie sich nicht damit ab, sondern gehen Sie sie an. Das ist gut für Sie und die anderen.

Dagegenhalten – mit Freundlichkeit

Wenn der Teenager beim Abendessen pampige Antworten gibt oder die Kollegin in der Besprechung mal wieder destruktiv an allen Vorschlägen herummäkelt, schie- ßen viele Menschen erst einmal zurück: „So lasse ich nicht mit mir reden!“ Doch das entspannt die Stimmung niemals, im Gegenteil!

simplify-Tipp: Ganz gleich, ob Sie sich an Tonfall oder Wortwahl stören: Verbuchen Sie das Ganze erst einmal unter „mit dem falschen Fuß aufgestanden“, „typisch Teenie“ oder „mal wieder unter Strom“. Faktoren also, die mit Ihnen persönlich nichts zu tun haben. Entscheiden Sie sich bewusst, sich nicht von dem Gemotze anstecken zu lassen. Verkneifen Sie sich scharfe Worte. Lenken Sie das Gespräch in freundlichere Bahnen. Meist werden andere anwesende Personen dabei auf Ihrer Seite sein.

Die hohe Kunst des Wahrnehmens

Nicht immer bringt diese Taktik allerdings den gewünschten Erfolg, es kann Ihnen auch passieren, dass Ihr Gegenüber immer wieder eins draufsetzt. Der Grund: Ihre fortgesetzte Freundlichkeit gibt ihm das Gefühl, Sie würden über seine Befindlichkeit hinwegsehen. Dass Sie irgendwann ausrasten, nimmt er in Kauf – Hauptsache, Sie reagieren auf seine Provokationen!

simplify-Tipp: Erfüllen Sie das Bedürfnis Ihres Gesprächspartners, wahrgenommen zu werden. Erster Schritt: Geben Sie den sachlichen Inhalt des von ihm Gesagten mit eigenen Worten wieder. Zweiter Schritt: sich einfühlen in die – oft nicht oder nur indirekt ausgesprochenen – Gefühle und Bedürfnisse des anderen. Am besten in Frageform: „Ich merke, du bist genervt. Stört es dich, dass ...?“ Vielleicht wird der andere Ihre Vermutung bestätigen, vielleicht bekommen Sie eine völlig andere, unerwartete Auskunft.

Bringen Sie es aufs Tapet

Ist die Atmosphäre dauerhaft belastet, kommen Sie um ein klärendes Gespräch nicht herum. Gehen Sie nicht davon aus, dass auch der andere das Klima schlecht findet. Sprechen Sie aus, dass Ihnen die Spannungen innerhalb der Hausgemeinschaft zu schaffen machen. Oder Sie den Eindruck haben, in Ihrem Arbeitsteam habe sich allgemeiner Missmut breitgemacht. Es erfordert Mut, diesen Schritt zu tun. Aber je länger Sie damit warten, umso schwieriger wird es, verhärtete Fronten aufzubrechen.

simplify-Tipp: Melden Sie offiziell Gesprächsbedarf an („Ich würde gerne mit dir vor Omas Geburtstag über die angespannte Atmosphäre bei unseren Familientreffen sprechen“). Wichtig: Vereinbaren Sie einen Termin, auch wenn Ihr Gesprächspartner das am liebsten „gleich klären“ möchte. Denn geht er unvorbereitet in das Gespräch, steigt das Risiko des Scheiterns.

Bereiten Sie sich gut vor

Vollziehen Sie Entstehung und Entwicklung des Problems nach. Woran haben Sie zuerst gemerkt, dass etwas nicht stimmt? Wann war das? Gab es ein spezielles Ereignis, das die Stimmung kippen ließ? Welche Symptome stellen Sie aktuell fest: Interesselosigkeit, Rückzug, Informationsverweigerung, Aggressivität, die Suche nach Verbündeten ...? Wer ist daran beteiligt? Wer indirekt betroffen?

simplify-Tipp: Führen Sie all das aber nicht im Gespräch an. Detaildiskussionen bringen Sie nicht weiter. Wählen Sie zwei oder drei besonders typische Störungsindizien aus, z. B.: „Ich habe den Eindruck, dass Sie nicht mehr ans Telefon gehen, wenn Sie meine Nummer auf dem Display sehen. Frau Fröhlich konnte Sie letzte Woche mehrfach erreichen, nachdem ich es zuvor vergeblich probiert hatte.“

Gefühle? Ja, aber ...

Auch wenn sich viele negative Gefühle angestaut haben – nutzen Sie das Gespräch keinesfalls dazu, Dampf abzulassen und damit die Stimmung weiter in den Keller zu treiben. Sagen Sie, wie Sie sich fühlen („Dass alle meine Vorschläge abgelehnt werden, macht mich einfach wütend“), statt etwa Ihre Aggression durch Tonfall (z. B. durch Brüllen) oder Wortwahl („Sie Miesmacherin!“) auszudrücken. Lassen Sie sich von Ihren Zielen leiten: Was erwarten Sie von dem Gespräch? Was sind Sie selbst bereit, dazu beizutragen?

simplify-Tipp: Zwei kleine Kniffe, um die Selbstbeherrschung zu wahren: Zählen Sie innerlich bis 3, wenn Sie eine sarkastische Bemerkung auf den Lippen haben. Sie merken, dass sich ein fruchtloser Schlagabtausch von Rede und Widerrede entspinnt? Dann stellen Sie vermehrt Fragen (und interessieren Sie sich auch für die Antworten).

Hauptsache, die Richtung stimmt!

Halten Sie – möglichst schriftlich – fest, was jeder von Ihnen in Zukunft konkret anders machen möchte. Beispiel: Sie drängen Ihren Teenager nicht, über seinen Schultag ausführlich Bericht zu erstatten; im Gegenzug informiert Ihr Teenager Sie selbstständig über seine Noten und anstehende Arbeiten. Vereinbaren Sie einen Termin in zwei Wochen. Dann werden Sie sich gegenseitig Feedback geben, wie das klappt.

simplify-Tipp: Seien Sie Realist. Selbst wenn Sie beide den allerbesten Vorsatz haben, einen Neuanfang zu machen, wird das keiner von Ihnen zu 100 % durchhalten können. Lassen Sie sich nicht von jeder Kleinigkeit runterziehen („Heute ist er schon wieder grußlos in sein Zimmer verschwunden“), sondern schauen Sie, ob die Tendenz stimmt. Geben Sie positive Rückmeldung zu allem, was gut funktioniert („Das war herrlich, wie du gestern von euren verrückten Gastschülern erzählt hast“).

Hilfe von außen

Nicht immer ist so ein klärendes Gespräch fruchtbar. Besonders gering sind die Chancen auf Klimaverbesserung, wenn Ihr Gegenüber konsequent abstreitet, dass es überhaupt eine atmosphärische Störung gibt („Ich weiß gar nicht, was du hast – du bist einfach überempfindlich“).

simplify-Tipp: Machen Sie sich nicht auf die Suche nach Verbündeten, sondern schlagen Sie vor, einen (professionellen) Vermittler ins Boot zu holen – den Betriebspsychologen, den es in großen Unternehmen oft gibt, einen externen Mediator, einen Freund der Familie ... Oberstes Kriterium für die Wahl des Vermittlers: Sie müssen beide diese Person als neutral wahrnehmen und ihr grundlegendes Vertrauen entgegenbringen

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