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Was Sie Ihren Kindern wirklich beibringen sollten


Welche Fremdsprachen sollte der Junior später einmal beherrschen – und lohnt es sich, schon den 1-Jährigen zum Baby-Englisch zu schleppen? Ist es sinnvoll, die 14-Jährige in den Ferien zum Technikkurs anzumelden? Wie viel intellektuelle Förderung brauchen Kinder und Jugendliche außerhalb der Schule, wie viel Zeit dürfen sie einfach nur spielen oder chillen? Fragen, die viele Eltern (ja sogar werdende Eltern!) quälen. Dahinter steckt der gute Wunsch, dem Kind einen bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen.

„So früh wie möglich!“ ...

... heißt das Credo vieler Bildungsfanatiker: Doch wenn Ihr Kind (egal, wie alt es ist) kein Interesse hat an der Besichtigung von Renaissance-Schlössern, am Chinesischlernen, an technischen Baukästen oder am Geigespielen, werden Sie wenig Erfolg damit haben. Im Gegenteil, Sie schrecken es womöglich auf Dauer ab.

simplify-Rat: Folgen Sie den Interessen Ihres Kindes! Indem Sie es immer wieder an unterschiedlichen Themen und Aktivitäten schnuppern lassen, können Sie feststellen, wofür es gerade offen ist. Wenn Sie die Neigungen Ihres Kindes im Blick behalten, fällt es Ihnen auch leichter, sich gegen die inneren und äußeren Stimmen zu wehren, die Ihnen ein schlechtes Gewissen machen.

Die Sache mit dem „kritischen Zeitfenster“

Mittlerweile haben die meisten Eltern schon davon gehört: Für den Erwerb von Fremdsprachen soll es ein „kritisches Zeitfenster“ geben. Wer sein Kind nicht spätestens im Kindergartenalter in Kontakt mit der englischen Sprache bringt, muss demnach schon ein schlechtes Gewissen haben. Aber: Weder gilt für 6- oder 10-Jährige „Rien ne va plus“ („Nichts geht mehr“), noch garantiert der frühe Kontakt, dass die Kids später perfekt Englisch können. Erst recht dann nicht, wenn sich das Englischlernen auf einen Nachmittag pro Woche beschränkt oder darauf, dass eine deutsche Erzieherin englische Lieder singt. Fazit: Hat Ihr Kind Spaß an einem Englischkurs o. Ä. – wunderbar; hat es keinen oder sind seine Tage ohnehin schon übervoll, dann lassen Sie’s.

simplify-Rat: Ein einziger Urlaub in einem englischsprachigen Land kann ein Kind bereits motivieren, sich für die fremde Sprache zu interessieren – und später in der Schule ohne Blockaden mitzulernen.

Vorbild sein ...

Wenn Sie selbst gern lesen, musizieren, Sport treiben oder ins Theater gehen, haben Sie gute Chancen, dass auch Ihr Kind eine Vorliebe für diese Tätigkeiten entwickelt. Das Positive daran: Sie fördern Ihr Kind auch dadurch, dass Sie als Mutter oder Vater Ihr eigenes Leben mit eigenen Interessen führen.

simplify-Rat: Besonders wichtig ist Ihr Vorbild, wenn es um Einstellungen geht. Leben Sie Ihrem Kind Offenheit für Neues vor, indem Sie öfter ein neues Rezept ausprobieren, nicht immer an denselben Urlaubsort fahren, die Familie des ausländischen Mitschülers zu sich einladen, sich für neue Geräte interessieren (besonders solche, die in der Welt Ihrer Kinder wichtig sind). Zeigen Sie Durchhaltevermögen, indem Sie Sie das schwierige Sudoku nicht nach 5 Minuten beiseitelegen oder bei einem Computerproblem sofort Ihren Sprössling zuhilfe rufen. Vereinbaren Sie mit Ihrem Kind, dass es neue Aktivitäten nach einer Schnupperphase mindestens ein Jahr lang durchhält.

... Vorbilder finden

Sind Ihre Kinder in der Pubertät, verlieren Sie an Vorbildwirkung. Entscheidend ist dann, welche Aktivitäten bei Gleichaltrigen (der sogenannten Peergroup) angesagt sind. Sie können die Klassenkameraden und Freunde Ihres Kindes nicht aussuchen. Aber Sie können mit ihm zusammen nach einer Gruppe suchen, in der es seine Interessen zur Geltung bringen kann und in guter Gesellschaft ist – z. B. eine Musikband oder eine Naturschutzgruppe.

simplify-Rat: Überreden Sie Ihr Kind dennoch, dass es Aktivitäten, die nur Ihnen wichtig sind, nicht ganz fallen lässt. Bitten Sie z. B. Ihren Teenager, einmal im Jahr mit Ihnen in ein klassisches Konzert, ein Museum oder auf einen Berg zu gehen. Dann stehen die Chancen gut, dass Ihr Kind nach einer Phase des pubertären Desinteresses erneut einen Zugang findet.

Machen Sie Ihr Kind nicht schlechter, als es sein könnte

Hat ein Kind Schwierigkeiten in bestimmten Lernbereichen, trösten es viele Eltern mit Sprüchen wie „Mathe habe ich selbst nie kapiert“, „Technik hat mich auch nie interessiert“ oder „Ich bin überhaupt nicht sprachbegabt“. Das Problem: Sie vermitteln Ihrem Kind dadurch, dass es in dem betreffenden Bereich schlecht sein darf, ja gar nicht gut sein kann.

simplify-Rat: Sagen Sie: „In Mathe musste ich mich auch immer anstrengen.“ Oder: „Jetzt muss ich beruflich Englisch sprechen – ich wünschte, ich hätte die Sprache besser gelernt.“ So reden Sie Ihre eigenen Leistungen nicht schön, liefern aber dem Kind auch keine Entschuldigung, aufzugeben.

Was es sich zu lernen lohnt

Wichtiger als die reine Menge an Wissen: dass Ihr Kind lernt, wie es sich Wissen effizient aneignet. Dann kann es auch später noch eventuell vorhandene Bildungslücken schließen. In der Schule ist meist die fehlerfreie Lösung gefragt. Im Beruf kommt es dagegen oft darauf an, Probleme „quick and dirty“ zu lösen. Bereiten Sie Ihr Kind darauf vor, indem Sie es daheim Alltagsprobleme lösen lassen: schnell aufräumen, wenn Besuch kommt; mit den Nachbarn einen Kompromiss aushandeln wegen des Partylärms usw.

simplify-Rat: Stellen Sie nicht alles, was Ihr Kind tut, unter das Leistungsprinzip. Wenn Ihr Kind mit Freude musiziert, hat es für sein weiteres Leben eine wunderbare Fähigkeit erworben, auch wenn es nie Solo-Trompeter werden wird. Lassen Sie Schule und Bildung nicht zu den das Familienleben beherrschenden Themen werden – reden Sie darüber nicht bei Tisch! Sonst ähnelt Ihre Beziehung irgendwann der vom Trainer oder zu seinem Rennpferd. Ihr Kind will geliebt und geschätzt werden – unabhängig von seinen Leistungen und intellektuellen Fähigkeiten.