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Faire Diskussion statt Manipulation: So funktioniert's


Von Rot-Rot über Schwarz-Rot-Grün bis hin zu Grün-Schwarz: Die Existenz 10 verschiedener Regierungsmodelle in den 16 deutschen Bundesländern zeigt, wie stark die politische Landschaft in Bewegung geraten ist. Euro(pa)-Krise und Flüchtlingsfrage polarisieren die politische Debatte nach wie vor. Doch viele Menschen scheuen davor zurück, politische Themen zu diskutieren – oft aus Angst, dass aus einer politischen Meinungsverschiedenheit ein persönlicher Konflikt werden könnte. So tun Sie das Ihre für eine fruchtbare Kontroverse:

Definieren Sie ein verbindendes Gesprächsziel

Wer würde seinen Gesprächspartner nicht gern davon überzeugen, dass er im Recht ist! Aber meist werden Sie das genauso wenig schaffen, wie umgekehrt Ihr Gegenüber dazu in der Lage ist. Setzen Sie sich stattdessen zum Ziel herauszufinden, weshalb Ihr Gegenüber anderer Meinung ist als Sie. So kann eine faire Diskussion entstehen! Sagen Sie ihm das auch, z. B.: „Ich finde es faszinierend, wie unterschiedlich wir die Dinge sehen. Daher bin ich wirklich neugierig zu erfahren ...“.

Verfällt Ihr Gegenüber in den Rechthabermodus, fragen Sie nach, z. B.: „Sind Sie offen dafür, von mir etwas Neues zu erfahren?“ Tauschen Sie nicht nur Argumente aus, sondern sprechen Sie auch darüber, welche Informationsquellen Sie jeweils nutzen. Denn oft sind die dafür verantwortlich, dass Sie die Dinge verschieden sehen.

Seien Sie hellhörig für eine faire Diskussion

Unser menschliches Gehirn besteht aus drei Teilen: dem Instinkt, der auf Handeln abzielt („Angreifen oder fliehen?“ – „Ich“), dem limbischen System, in dem sich alles um Emotionen und Zugehörigkeit dreht („Wir“), und dem logischen Denken („Es“). Alle drei werden jeweils von unterschiedlichen Wörtern angesprochen.

Typische Wörter, die Ihren Instinkt auf den Plan rufen: Gefahr, Krise, Schwäche, ausbeuten, zwingen, korrupt (negativ) sowie Stärke, Sieg, Garantie, retten, verteidigen, dauerhaft, entschlossen (positiv).

Typische Wörter, die Ihren Limbi aktivieren: lächerlich, unfair, seicht, isoliert, heuchlerisch (negativ) sowie Gemeinschaft, Familie, kooperieren, inspirieren, zusammen, menschlich (positiv).

Typische Wörter für den Intellekt: Möglichkeit, Methode, Theorie, Analyse, Daten, empirisch, kalkulieren.

Achten Sie auf die Wortwahl Ihres Gegenübers. Spricht es nur eines der drei Gehirnteile an, werden Sie manipuliert! Ihr Gegenüber ist scheinbar nicht auf eine faire Diskussion aus. Dagegen können Sie sich wehren, indem Sie die beiden anderen Bereiche wieder ins Spiel bringen und bewusst entsprechende Wörter verwenden.

Vermeiden Sie es, persönlich zu werden

Werden Sie als Person angegriffen, bitten Sie, wieder auf die Sachebene zurückzukehren: „Ich halte den Themenwechsel von TTIP zu meinem Geisteszustand für unangebracht. Was spricht gegen mein Argument, dass ...?“

Möchten Sie Ihr Gegenüber zu einem gemäßigteren Tonfall motivieren, weisen Sie darauf hin, dass Sie sich schwertun zuzuhören, wenn es Ihnen zu laut ist. Sie merken, dass sich Ihr Gegenüber angegriffen fühlt? Differenzieren Sie zwischen der Person und ihrer Position: „Ich stelle nicht Sie infrage, sondern nur die Schlussfolgerung, dass ...“

Entlarven Sie falsche Argumente

Hier 3 häufige Fallen – und wie Sie sie vermeiden:

Scheinalternativen: Ihr Gegenüber fragt Sie, ob Sie beliebig viele Flüchtlinge ins Land lassen möchten, und plädiert seinerseits dafür, die Grenzen dichtzumachen. Ihre Antwort: „Meiner Ansicht nach gibt es viele verschiedene Zwischenstufen zwischen einer kompletten Öffnung und einer kompletten Schließung der Grenzen, zum Beispiel ...“

Abstrakte Begriffe: „Sie sind doch auch für einen fairen Lohn, oder?“ Wenn Sie nachfragen, was damit konkret gemeint ist, können Sie sich leicht gegen eine Vereinnahmung wehren.

Mehrheitsargument: Schon Kinder beherrschen das („Alle dürfen ...“). In der Erwachsenenwelt heißt es dann: „Niemand bezweifelt, dass ...“ – „Die meisten Wähler wollen ...“ Ihre Replik: „Wie viele Menschen dafür sind, sagt nichts über die Richtigkeit einer Entscheidung aus.“

Wechseln Sie die Ebene

„Die da oben machen eh, was sie wollen“, heißt es oft resignativ. Nicht erst dann, wenn Ihre Debatte an diesem Punkt angelangt ist, sollten Sie auch auf die die Ebene der persönlichen Handlungsmöglichkeiten zu sprechen kommen. Was können Sie und Ihr Gesprächspartner mit Ihrem Konsumverhalten tun, dass Deutschland seine CO2-Reduktionsziele erreicht? Welchen Beitrag zur Integration der bereits hier lebenden Flüchtlinge können Sie persönlich leisten? 

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