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Kommunikation: Peinliche Situationen meistern


So können Sie selbstbewusst peinliche Situationen meistern

Was für die meisten Menschen peinlich ist, ist für den Amerikaner Dr. David Allyn hochinteressant: Der Soziologe ist Experte für peinliche Situationen. Hier seine Tipps dazu.

Erröten Sie ruhig ...

Die meisten Menschen können einen Fehler oder ein Missgeschick nicht einfach überspielen: Ihre Körpersprache (Erröten, schnelles Wegsehen) verrät, dass sie sich genieren. Das muss jedoch nicht schlecht sein, so Allyn, denn es stimmt die Umgebung nachsichtiger.

... aber vermeiden Sie falsche Strategien

Problematisch sind dagegen die Reaktionen, mit denen viele Menschen hinterher versuchen, das Beste aus der Situation zu machen: Rückzug, Notlüge oder Aggression.

Rückzug.Beispiel: Sie haben beim Chorauftritt gepatzt und schwänzen daraufhin die nächsten 2 Proben. Das Problem: Ein Rückzug, dessen Grund von außen nicht eindeutig erkennbar ist, wird leicht als Unzuverlässigkeit gesehen. Wenn Sie sich distanziert verhalten, werden Sie auch selbst distanziert behandelt.

Notlüge.Beispiel: Sie werden von Ihrem Chef auf einen eiligen Auftrag angesprochen. Sie geben vor, die Sache sei bereits erledigt, und machen sich anschließend hektisch an die vergessene Arbeit. Das Problem: Mit einer Notlüge oder faulen Ausrede riskieren Sie eine weitaus größere Peinlichkeit – nämlich die, dabei ertappt zu werden. Zudem besteht die Gefahr, dass auf Basis Ihrer Falschauskunft falsche Entscheidungen getroffen werden.

Aggression.Beispiel: Sie übersehen auf der Autobahn die richtige Ausfahrt. Daraufhin beschuldigen Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin, Sie durch die Suche nach dem Verkehrssender abgelenkt zu haben. Das Problem: Wenn Sie Ihre Fehler anderen in die Schuhe schieben, können sich selbst kleine Missgeschicke zu Beziehungsproblemen auswachsen.

Keine Panik!

Sie befinden sich in einer peinlichen Situation? Achten Sie darauf, wie Sie körperlich reagieren: etwa mit einem schnelleren Herzschlag, hochgezogenen Schultern, aufgeregtem Atmen oder Luftanhalten. Bereits die Konzentration darauf wird Sie, so Allyn, beruhigen und damit in die Lage versetzen, souveräner zu reagieren. Dadurch bewahren Sie nicht nur Ihre Selbstachtung, sondern gewinnen meist auch die Achtung Ihrer Umwelt.

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Offenheit statt Heimlichkeit

Niemand weiß bislang von Ihrem Fehler? Überbringen Sie die Nachricht selbst. So haben Sie es in der Hand, wie andere davon erfahren, und ersparen sich die Angst vor einer (zufälligen) Entdeckung. Beispiel: Sie haben die Prüfung zu einer von der Firma finanzierten Fortbildung nicht bestanden. Sagen Sie’s nicht nur Ihrem Chef, sondern auch Ihrem engeren Kollegenkreis.

Locken Sie die anderen aus der Reserve

Sprechen Sie aus, wie Sie sich fühlen, und fragen Sie die anderen möglichst ungezwungen nach ähnlichen Erfahrungen. Wenn Sie Glück haben, setzen Sie so eine amüsante Unterhaltung über allerlei Missgeschicke in Gang. Beispiel: Ihnen rutscht in der Kantine das Hähnchen vom Teller. Ihre Reaktion: „Das ist mir aber unangenehm! Ist Ihnen jemals schon so etwas Peinliches passiert?“

So wird nicht über Sie gelacht

Der einfache Trick: Geben Sie den anderen die Chance, mit Ihnen zu lachen. Beispiel: Sie bringen vor den Augen Ihrer Reisegruppe beim Postkartenkauf versehentlich einen ganzen Ständer zu Fall. Sagen Sie scherzhaft zu Ihren Mitreisenden: „Tun Sie einfach so, als ob Sie mich nicht kennen.“

Verändern Sie Ihre eigene Perspektive

Fehler passieren häufig, wenn sich jemand an etwas Neues heranwagt. Verachten Sie sich nicht für Ihren Fehler (z. B. einen Aussetzer bei einer Rede), sondern bewundern Sie Ihren Mut (z. B. vor 100 Leuten frei zu sprechen).

Wer vor Peinlichkeit in den Boden versinken könnte, überschätzt oft die Bedeutung, die das Geschehnis für andere hat. Lenken Sie sich ab – etwa mit einer spannenden Lektüre oder einem netten Telefonat. Kommt Ihnen der Vorfall danach wieder in den Sinn, so sagen Sie sich: Wenn selbst ich eine Weile zu abgelenkt war, um daran zu denken, wird es den anderen genauso gehen.

Leider nicht in deutscher Übersetzung verfügbar: David Allyn: I Can't Believe I Just Did That. Barnes & Noble, New York 2003. ISBN-13: 978-1585422579. Gebraucht erhältlich.

Autorin: Dr. Ruth Drost-Hüttl