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Mit Essenstrends umgehen - mitmachen oder verweigern?


Früher hieß es „Kleider machen Leute“, heute präsentieren sich immer mehr Menschen durch ihre Ernährung. Essen ist zu einem wichtigen Merkmal der persönlichen Identität geworden – nach dem Motto:

„Man ist, was man isst!“

Wer nach dem Urlaub in fernen Landen von gestocktem Schweineblut oder frittierten Bambuswürmern schwärmt, will auf diese Weise seine Aufgeschlossenheit für fremde Sitten demonstrieren. Wer vegan lebt, fühlt sich dadurch als konsequenter Tierschützer. Wer Anhänger von „Slow Food“ ist, sieht sich als wahren Genießer. Wenn Sie mit anderen zusammen essen (Kantine, Party, Familienmahlzeit) oder aufs Essen zu sprechen kommen, werden Sie häufig mit der Gretchenfrage konfrontiert: „Wie hältst du es denn mit ...?“ Daher unser erster Rat:

Nehmen Sie's locker

Wer gerade frisch zu Veganismus oder Paleo-Diät gefunden hat, preist seine neue Ernährungsweise gern als die einzig wahre an. Hören Sie sich unbefangen an, worin die – echten oder auch nur angeblichen – Vorzüge bestehen. Sie haben keine Lust auf ständige Missionierungsversuche? Dann erklären Sie gelassen, dass Ernährung etwas Individuelles und nicht jede Ernährungsart für jeden geeignet ist.

simplify-Tipp: Praktizieren Sie „Leben und leben lassen“. Seien Sie nicht beleidigt, wenn Sie im Restaurant ein vegetarisches Gericht bestellen und Ihr Gegen- über ein riesiges Steak. Fragt Ihr Gast, „ob da Milch drin ist“, geben Sie einfach Auskunft, statt verschnupft zu reagieren.

Werden Sie echter Flexitarier

Den eigenen Fleischwaren-Konsum reduzieren und öfter vegetarisch essen – das will Umfragen zufolge inzwischen gut die Hälfte aller Deutschen. Ein Trend, den sowohl Umwelt- und Tierschützer als auch Gesundheitsexperten begrüßen. Der Durchschnittsdeutsche ist allerdings noch weit davon entfernt, sich Flexitarier oder Teilzeit-Vegetarier nennen zu können. So lag der Pro-Kopf-Verbrauch an Fleischwaren 2015 bei über 1 Kilo pro Woche – und damit noch weit über den Richtwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE, die zu maximal 300 bis 600 Gramm pro Woche rät.

simplify-Tipp: Sie leben tierschutzgemäß, wenn Sie kein Fleisch aus Massentierhaltung essen, sondern vom Jäger geschossenes Wildschwein und Reh oder Fleisch aus artgerechter Bio-Tierhaltung. Dass das wesentlich teurer ist, ist ein Vorteil, denn dadurch geht Ihr Fleischkonsum automatisch zurück. Übrigens: Der Wursthersteller Rügenwalder will in den nächsten Jahren konsequent Fleisch durch vegetarische Zutaten ersetzen.

Seien Sie skeptisch gegenüber den neuesten Food-Moden

Kennen Sie schon Ceviche (das ist roher Fischsalat aus Peru) oder russisches Birkenwasser? Bei Chia-Samen oder Quinoa, die vor ein paar Jahren als „Superfood“ gefeiert wurden, ist inzwischen Ernüchterung eingekehrt. Lebensmittel aus exotischen Ländern verbrauchen viele Ressourcen beim Transport und werden im Heimatland oft nicht so genau auf Schadstoffe kontrolliert wie bei uns.

simplify-Tipp: Mit „Essen aus der Region“ unterstützen Sie die heimische Landwirtschaft. Was hier seit Generationen angebaut und gegessen wird, ist generell auch besser verträglich für Ihren Magen.

Genießen Sie

Das Riech- und Kau-Erlebnis in Nase bzw. Mund stellt der Sensual-food-Trend in den Vordergrund. Man setzt dafür auf knackige Krusten, intensiv duftende Kräuter und überraschende Geschmackskombinationen. Der Clou: Wer gründlich und genussvoll kaut, wird auch mit weniger satt.

simplify-Tipp: Vorreiter sind Wein, Kaffee und Schokolade: Da geht es ohnehin nicht um die Menge, sondern um die Qualität und das Mmmh!-Erlebnis. Beginnen Sie bei diesen drei Produkten, die üblichen Mengen drastisch zu reduzieren. Zelebrieren Sie auch zu Hause den Weingenuss wie im Nobelrestaurant in einem nur mit 0,1 l gefüllten Glas. Futtern Sie keine Riesentafel Schokolade, sondern servieren Sie sich ein erlesenes Praliné.

Essen Sie nicht mit dem Taschenrechner

Viel diskutiert wird derzeit curated food (lateinisch curare = sich kümmern um). Das bedeutet, dass Sie für Ihre Ernährung Orientierungshilfen oder sogar eindeutige Vorgaben bekommen. Ein Ansatz dafür sind die Nährwertangaben auf Lebensmittelverpackungen. Auf einem Teil der Verpackungen finden Sie zusätzlich Informationen darüber, wie viel Prozent der täglich empfohlenen Dosis an Kalorien, Fett & Co. Sie mit einer Portion aufnehmen (GDA-Angabe: Guideline Daily Amount). Die Lifestyle-Version von kuratiertem Essen sind Gourmet-Restaurants wie das Nobelhart & Schmutzig in Berlin, das seinen Gästen die Entscheidung ganz abnimmt, indem es stets nur ein einziges Menü anbietet (an einem riesigen Tisch, an dem alle gemeinsam sitzen).

simplify-Tipp: Wenn Sie wissen, dass Ihr Lieblingsschokoriegel ein Fünftel Ihres Tagesbedarfs an Fett enthält, werden Sie an der Tankstellenkasse vorsichtiger. Aber werden Sie kein Sklave von Nährwerttabellen & Co. Ernähren Sie sich vielseitig, essen Sie regelmäßig, kauen Sie gut und halten Sie Ihr Gewicht – das ist das Wichtigste. Üben Sie, auf Ihren Körper zu hören.

Inszenieren Sie Ihre Mahlzeiten

Zu einer Mahlzeit gehört nicht nur das Essen, das auf dem Tisch steht, sondern auch das Drumherum: Möbel, Geschirr, Tischtuch und -dekoration, Licht, Düfte, Geräuschkulisse, Gespräche – all das trägt zum Essensgenuss bei. Der US-Psychologe Lawrence Rosenblum spricht von „Cross-Sensory-Effekten“, die alle fünf Sinne umfassen.

simplify-Tipp: Gehen Sie nur in Restaurants, in denen für Sie auch das Ambiente stimmt. Ungemütliches Licht, störende Musik oder unbequeme Sitze werden auch durch die beste Küche nicht wettgemacht! Auch zu Hause sollten Sie auf das Drumherum achten. Experimentieren Sie mit der Beleuchtung, gönnen Sie sich Besteck, das Sie gern in der Hand halten. Von Mahlzeiten, die Sie zelebrieren, werden Sie nicht nur satt, sondern auch emotional noch lange zehren.