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Was ist drin? So durchschauen Sie die Kennzeichnungstricks von Lebensmittelherstellern


Seit Jahrzehnten kämpfen Verbraucherorganisationen dafür, dass Hersteller auf ihre Lebensmittel genau draufschreiben, was drin ist. Doch trotz immer genauerer Vorschriften werden Gesetzgeber und Kunden stets aufs Neue ausgetrickst. Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt, wie Sie trotz dieses Hase-und-Igel-Spiels zu guter Nahrung kommen.

Der Bildertrick

Riesige Kirschen leuchten auf dem Fruchtpü- ree „Fruit2day“. Das dürfen sie auch, denn der Smoothie enthält tatsächlich welche – aber nur 11 %, wie auf der (gesetzlich vorgeschriebenen und genau überwachten) Inhaltsliste steht. Liegt der Anteil unter 2 %, muss die betreffende Zutat übrigens nur genannt werden, ohne Mengenangabe. Abgebildet werden darf aber sogar etwas, das gar nicht im Produkt enthalten ist, vorausgesetzt, das Foto ist als „Serviervorschlag“ gekennzeichnet (mit möglichst kleiner Schrift, versteht sich).

simplify-Tipp: Misstrauen Sie Bildern grundsätzlich. Gehen Sie (wenn Sie weitsichtig sind) mit Lesebrille oder Lupe zum Einkaufen, und studieren Sie das Kleingedruckte auf der Packung.

Vernebelungstaktik bei der Herkunft

Eigentlich ein Skandal: Nur bei wenigen Lebensmitteln ist es bisher zwingend vorgeschrieben, das Herkunftsland zu nennen – bei Fisch, Eiern, Rindfleisch, Obst und Gemüse. Beim Ei maßgeblich ist der Stempel auf dem Ei selbst (meist DE, AT oder NL). Auf Honig etwa finden sich blumige Angaben wie „aus EG-Ländern und Nicht-EG-Ländern“. Selbst bei einem Joghurt namens „Thüringer Land“ reicht es, wenn die enthaltene bayerische oder dänische Milch in Thüringen abgefüllt wurde.

simplify-Tipp: Suchen Sie bei Produkten, die als „regional“ beworben werden, nach weiteren Angaben. Seriöse Anbieter versehen die Verpackung oft mit einem „Regionalfenster“ – einem Kasten, der alle Herstellungsschritte angibt („Schweine aus dem Gebiet 50 km um Ulm, zerlegt und verarbeitet in Ulm“). Die Adresse des Herstellers dagegen sagt nichts über den Ursprung der Inhaltsstoffe. Wie etwa bei einem Orangensaft, den der niedersächsische Hersteller allen Ernstes mit dem Logo bewirbt: „Unser Norden – aus der Region, für die Region“.

„Ohne“ und doch „mit“?

Viele Menschen, die den allgegenwärtigen Geschmacksverstärker Glutamat nicht vertragen oder nicht mögen, greifen zu Produkten „ohne Zusatzstoff Geschmacksverstärker“. Die Salze der Glutaminsäure (E620 bis E625) können aber trotzdem enthalten sein, solange sie dem Produkt in „normalen Würzstoffen“ wie Hefeextrakt oder Sojasauce beigefügt wurden! Absurd: Aromen, die keinen Geschmack verstärken, sondern einen eigenen Geschmack erzielen, dürfen in solchen „Ohne“-Produkten ebenfalls drin sein. Werbetexter vollbringen wahre Kunststücke: Da verkündet etwa die Packung groß „Fisch-Sticks ohne Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe“, aber die beigepackte Cocktailsauce ist damit vollgepumpt (wie die Zutatenliste auch brav aufzählt).

simplify-Tipp: Wieder gilt der Rat, nur der Zutatenliste zu glauben. Heißt es „ohne künstliche Farbstoffe“ oder „ohne künstliche Aromen“, wird der Inhalt oft mit aus Pflanzen oder Tieren hergestellten Zusätzen aufgepeppt, zu denen sogar Schimmelpilze gehören können.

Bio!

Europaweit und rechtsverbindlich geschützt sind die Bezeichnungen „bio“ und „öko“. Bei deren Anbau und Verarbeitung dürfen keine chemisch-synthetischen Pflanzenschutz- und Düngemittel verwendet werden, keine Gentechnik, keine Bestrahlung, Tiere müssen artgerecht gehalten und Böden schonend genutzt werden. Lediglich 48 Zusatzstoffe sind erlaubt statt der 300 bei Nicht-Bio-Produkten. Alle anderen Bezeichnungen wie „naturrein“ oder „aus kontrolliertem Anbau“ sind im Grunde Schall und Rauch.

simplify-Tipp: Setzen Sie „bio“ nicht automatisch mit „gesund“ gleich – inzwischen gibt es eine Menge Lebensmittel in Bio-Qualität, die ungesunde Mengen Salz, Fett oder Zucker enthalten. Bringen Sie auch Ihren Kindern bei, dass ein normaler Supermarkt-Apfel allemal gesünder ist als Marshmallows aus dem Bioladen.

Der Kalorienirrtum

In jüngerer Zeit stellen einige Wissenschaftler die vorgeschriebenen Kalorienangaben auf Lebensmitteln infrage. Diese beruhen auf einer Ende des 19. Jahrhundert durch den Amerikaner Wilbur Atwater entwickelten Methode. Atwater verbrannte Nahrung in einem von Wasser umschlossenen Behälter und errechnete aus der Erwärmung des Wassers den Energiegehalt. Fett hat nach der AtwaterMethode 9 Kilokalorien pro Gramm, Kohlenhydrate und Proteine haben 4. Dabei nicht berücksichtigt wird jedoch der Aufwand, den der Körper betreiben muss, um diese Stoffe zu verarbeiten. Der ist bei Proteinen und Ballaststoffen höher, sodass die Atwater-Messung den Kalorienwert von Fett und Kohlehydraten um bis zu 25 % unterschätzt. Tendenziell schlagen gekochte und aufbereitete Lebensmittel stärker auf die Hüften als rohe.

simplify-Tipp: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung DGE gibt nicht viel aufs Kalorienzählen. Ausgewogen, fettarm und vollwertig zu essen sowie sich viel zu bewegen ist sinnvoller als zu rechnen.