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6 Sätze, die Sie zu Ihrem Arzt sagen sollten


Auch wenn viel Reformbedarf besteht: Das deutsche Gesundheitssystem ist weltweit eines der besten. Sie haben (anders als in England) freie Arztwahl, als gesetzlich Versicherter werden Sie (anders als in den USA) kaum schlechter behandelt als ein Privatpatient, und Sie müssen (anders als in Griechenland) dem Arzt keine Geldgeschenke machen. Damit Sie die Vorzüge der modernen Medizin voll nutzen, sollten Sie den Besuch beim Arzt aber mindestens so gut vorbereiten wie einen Einkauf. Verlassen Sie die Praxis nicht, ohne Herrn oder Frau Doktor Folgendes gesagt zu haben:

1. Hier sind die Laborergebnisse vom Kollegen

10 % aller Fehldiagnosen, so eine Studie des Internationalen Archivs für interne Medizin, gehen darauf zurück, dass der Arzt die Vorgeschichte des Patienten nicht kannte. Sammeln Sie daher alle Arztberichte, Laborwerte etc. in einem handlichen Ordner, den Sie zum Arzt mitnehmen können. Erstellen Sie eine Liste Ihrer Vorerkrankungen. Sie haben die Daten nicht? Rufen Sie alle Ärzte an, die Sie in den letzten 5 Jahren konsultiert haben, und lassen Sie sich Kopien Ihrer Patientenunterlagen schicken. Der Arzt darf dafür Porto und Kopiergebühr verlangen, Ihnen aber diesen wichtigen Service nicht verweigern.

2. Habe ich Zeit für eine zweite Meinung?

Eher eine rhetorische Frage, denn falls Sie nicht schon mit Blaulicht im Rettungswagen liegen, sollte Ihr Arzt Ja sagen. Vor einer Operation oder der Behandlung mit starken Medikamenten ist es Ihr gutes Recht, die Ansicht eines weiteren Mediziners einzuholen – eine Möglichkeit, die nur knapp ein Drittel aller Patienten nutzt. Obwohl es sich lohnen würde: Von den Patienten, die davon Gebrauch machen, finden rund 25 % eine weniger einschneidende Therapie.

3. Meine Fragen an Sie habe ich hier aufgeschrieben

So mancher Arzt arbeitet mit der Stoppuhr, aber: Ihre Gesundheit sollte Vorrang vor dem Zeitmanagement Ihres Doktors haben! Weil sie nicht als „schwierig“ gelten wollen, trauen sich viele Patienten nicht nachzufragen. Der Arzt wiederum interpretiert das Schweigen als Zustimmung und merkt nicht, dass sein Gegenüber nicht alles verstanden hat. Schreiben Sie Ihre Fragen daher vorab auf. Nutzen Sie den Zettel als Gedankenstütze, oder geben Sie ihm direkt Ihrem Arzt. Nehmen Sie bei schweren Krankheiten eine Vertrauensperson mit, die sich traut, die Fragen zu stellen, zu denen Sie selbst keinen Mut hätten. Die wichtigen Fragen kommen Ihnen oft erst hinterher? Fragen Sie, ob Sie den Arzt in den nächsten Tagen noch einmal telefonisch kontaktieren dürfen – am besten vereinbaren Sie schon einen konkreten Termin.

4. Diese Medikamente nehme ich bereits

In Schweden gibt es seit Jahrzehnten eine Datenbank, auf die jeder Arzt und Apotheker Zugriff hat und mit deren Hilfe er sofort sehen kann, welche bestehenden Therapien sich möglicherweise mit der neuen nicht vertragen. In Deutschland, dem Wunderland des Datenschutzes, müssen Sie selbst dafür sorgen, sich nicht mit inkompatiblen Medikamenten zu vergiften. An falsch dosierten oder unverträglichen Arzneimitteln sterben in Deutschland jährlich mindestens 100 Menschen! Bringen Sie Ihre Medikamente am besten in der Originalpackung in die Praxis mit. Fehlt Ihnen der Überblick über Ihr tägliches Pillenarsenal, gehen Sie immer zur gleichen Apotheke und lassen sich dort im System mit Namen registrieren. Dann sieht das Apothekenpersonal eine Warnung auf dem Bildschirm, wenn Sie unvereinbare Mittel verschrieben bekommen haben.

5. Gibt es noch andere Therapien?

Angenommen, die Diagnose Ihres Arztes stimmt, und er empfiehlt eine Operation. Unters Messer muss nicht er, sondern Sie! Studien zeigen, dass Ärzte oft nicht ausreichend über Alternativen informieren. So gibt es etwa anstelle vieler Eingriffe an Wirbelsäule oder Hüfte „konservative“ Therapien. Die dauern lange, sind mühsam, bringen der Klinik keine Einnahmen – aber Ihnen weniger Risiken. Eine Studie der American Medical Association untersuchte Patientinnen, denen der Gynäkologe die operative Entfernung der Gebärmutter empfohlen hatte. 20 % der Frauen, die nach „anderen Möglichkeiten“ fragten, wählten danach eine therapeutische Alternative zu dieser radikalen Operation. Von denen, die nicht fragten, wanderten 100 % in den Operationssaal.

6. Was würden Sie an meiner Stelle tun?

Der Medizin-Autor Werner Bartens empfiehlt das als Masterfrage für jede Operation oder intensive Medikamententherapie: Machen das Ärzte auch an sich selbst? Fakt ist: Es gibt kaum Orthopäden mit künstlichem Hüftgelenk und sehr wenig Augenärzte, die sich die Hornhaut lasern ließen. Trauen Sie sich, diese Frage freundlich zu stellen, und vertrauen Sie der Ehrlichkeit Ihres Arztes bzw. Ihrer Ärztin. Vertrauen ist in der Medizin eine sehr wichtige Zutat.

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