simplify steht für einen einfachen Weg zu einem bewussten und erfüllten Leben in einer komplexen Welt.

Schmerzen behandeln: Das können Sie selbst dafür tun


Ob Migräneattacke, Bandscheibenvorfall, beruflicher Stress oder Operationswunde: Es gibt vieles, was Schmerzen verursacht. 20 bis 25 % der Deutschen leiden sogar unter chronischen Schmerzen. Die klare Botschaft des Schmerztherapeuten und Palliativmediziners Dr. Sven Gottschling: Schmerzen lassen sich meist viel besser behandeln, als das bedauerlicherweise geschieht. Hier einige wichtige Erkenntnisse, die wir selbst aus der Lektüre seines Buches „Schmerz Los Werden“ gewonnen haben:

Schmerzen behandeln: Warum tapferes Erdulden der falsche Weg ist

Je mehr Schmerzen Sie erdulden, umso größer ist die Gefahr, dass diese chronisch werden. Schuld daran ist Ihr Schmerzgedächtnis: Im Extremfall schmerzt dadurch sogar ein gar nicht mehr vorhandener Körperteil. Dazu kommt: Schmerzen bewirken einen Anstieg des Stresshormons Cortisol. Doch ein gestresster Körper hat ein schlechteres Immunsystem und ist anfälliger für Infektionen. Besonders problematisch ist das nach einer Operation!

Rat: Ertragen Sie Schmerzen nicht mit dem Gedanken, dass das „in meinem Alter“ oder „nach diesem Eingriff“ normal ist. Lassen Sie sich von niemandem einreden, dass das „gar nicht so wehtun kann“. Soll eine Operation Ihre Schmerzen lindern, lassen Sie den Schmerz trotzdem vorher bestmöglich therapieren. Dadurch sinkt das Risiko, dass sich hinterher chronische Schmerzen einstellen.

Nehmen Sie Ihren Arzt in die Pflicht

Ob Hausarzt, Orthopäde oder Krankenhausarzt – so sprechen Sie das Thema an:

  1. Schildern Sie Ihre Schmerzen. Am besten geht das, wenn Sie sich vorher beobachtet und Notizen gemacht haben. Wann und wo treten die Schmerzen auf? Wie stark sind sie? Wie äußern sie sich genau? Im Internet finden Sie unter dem Begriff „Schmerztagebuch“ kostenlose Vordrucke für verschiedene Schmerzarten (z. B. Kopf- oder Nervenschmerzen).
  2. Lassen Sie nicht nur die Ursache Ihrer Schmerzen feststellen und behandeln, sondern auch die Schmerzen selbst. Vereinbaren Sie ein realistisches Behandlungsziel. Wenn Ihre Rückenschmerzen auf der Schmerzskala von „0“ (schmerzfrei) bis „10“ (unerträglich) bei „8“ liegen, gewinnen Sie mit einer „3“ oder „4“ schon erheblich an Lebensqualität.
  3. Geben Sie Rückmeldung, ob eine begonnene Schmerztherapie angemessen wirkt – und ob unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Bei anderen Medikamenten (etwa gegen Bluthochdruck) wird beides schließlich auch vom Arzt kontrolliert!

Werden Schmerzen im Verlauf einer schweren Erkrankung stärker, muss auch die Therapie immer wieder angepasst werden. Gottschling versichert: Selbst vor Morphin brauchen Sie keine Angst zu haben!

Rat: nicht aufgeben, wenn Ihr Arzt Ihnen nicht helfen kann! Wenden Sie sich an Schmerzspezialisten (Schmerzambulanz, Schmerzklinik).

Frei verkäuflich, aber nicht harmlos

Viele Menschen greifen bedenkenlos zu frei verkäuflichen Mitteln wie Aspirin, Ibuprofen, Diclofenac & Co, wenn sie ihre Schmerzen behandeln wollen. Doch falscher Gebrauch kann zu gravierenden Nebenwirkungen führen. So sterben hierzulande jedes Jahr mindestens 4.000 Menschen an Magen-Darm-Blutungen, die durch die Einnahme solcher Mittel verursacht wurden! Das Fatale: Viele Nebenwirkungen sind zunächst nicht spürbar. Merken Sie etwa, dass Sie durch den Dauergebrauch Ihre Nieren geschädigt haben, ist es schon zu spät!

Rat: Vermeiden Sie es, sich für den Sport mit Schmerzmitteln zu „dopen“, denn in Kombination mit Flüssigkeitsverlust sind die besonders schädlich für Ihre Nieren.

Was Sie bei der Einnahme beachten sollten, wenn Sie Ihre Schmerzen behandeln wollen

Gottschling rät: Beschränken Sie die regelmäßige Einnahme von „selbstverordneten“ Schmerzmitteln auf maximal 5 Tage im Monat, mehr als 7 Tage am Stück sollten es auch im Einzelfall nicht sein. Halten Sie sich dabei unbedingt an die angegebenen Dosierungsrichtlinien und die Höchstgrenzen. Wenn Sie die überschreiten, hilft das nicht etwa besser gegen Ihre Schmerzen, sondern Sie riskieren lediglich mehr unerwünschte Nebenwirkungen. Übrigens: Auf der Haut angewandte Cremes und Salben belasten den Magen nicht, Zäpfchen jedoch genauso stark wie Tabletten.

Rat: Greifen Sie nicht zu irgendeinem Schmerzmittel, das Sie gerade in Ihrer Hausapotheke vorrätig haben. Fragen Sie in der Apotheke nach, ob sich etwa Ihr bewährtes Kopfschmerzmittel auch eignet, Zahnweh zu bekämpfen. So ist etwa ASS bei Zahnweh problematisch, weil es bei einer eventuell notwendigen Zahnoperation die Blutungsgefahr steigert.

Selbst ist der Mann (oder die Frau)

Verlassen Sie sich nicht nur auf Ihren Arzt und Apotheker. Auch Sie selbst können kräftig zur Linderung Ihrer Schmerzen beitragen – beispielsweise durch eine Entspannungstechnik wie die Progressive Muskelrelaxation (am besten schon prophylaktisch lernen), Stressreduktion im Alltag (z. B. wenn Sie häufig unter Spannungskopfschmerz leiden) oder Ablenkung durch angenehme Erlebnisse und Hobbys.

Rat: Vereinbaren Sie bei chronischen Schmerzen mit Ihrer Familie und Ihren Freunden, dass sie nicht immer wieder von sich aus darauf zu sprechen kommen.  

footerData.7421003 = TEXT footerData.7421003.value(