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Gekonnt streiten


Wenn Sie sich zoffen, fliegen regelmäßig die Fetzen? Sie kommen oft nicht zu einer für beide Seiten akzeptablen Lösung? Nach einem Streit finden Sie nur mühsam zurück zum friedlichen Miteinander? Wir haben 8 häufige Fehler beim Streiten identifiziert und sagen Ihnen, wie Sie die vermeiden.

Nicht spontan sein!

Häufiger Fehler: Weil Sie „authentisch“ sein wollen, lassen Sie Ihren Gefühle freien Lauf. Das Problem: Wenn Sie Ärger und Frust ungefiltert an Ihrem Gegenüber auslassen, wird der kaum bereit sein, auf Ihr – genauso authentisches – Anliegen einzugehen.

simplify-Tipp: Überlegen Sie sich vor dem Gespräch genau, was Sie bewirken wollen (notfalls schriftlich) und wie Sie das am besten erreichen. Vor schwierigen Auseinandersetzungen können Sie das Gespräch mit einem guten Freund/einer guten Freundin als Rollenspiel durchgehen. Lassen Sie dabei Ihren Freund Ihre Rolle übernehmen, während Sie sich hineinversetzen in den cholerischen Kollegen, die lebenslustigen Nachbarn oder den sturen Versicherungsheini.

„Ich hab Recht“ ist immer schlecht!

Häufiger Fehler: Sie wollen Ihr Gegenüber davon überzeugen, dass Sie im Recht sind. Das Problem: Niemand will gern Unrecht haben.

simplify-Tipp: Ersetzen Sie die Kategorien „richtig“ und „falsch“ durch „meine Meinung“ – „deine Meinung“ („meine Interessen“ – „deine Interessen“; „meine Erinnerung“ – „deine Erinnerung“ etc.). Ein Zauberwort, mit dem Sie auf Ihrer Meinung beharren können, ohne die Ihres Gegenübers in Bausch und Bogen zu verdammen, ist „mag sein“: „Mag sein, dass es auch ohne externen Berater ginge. Ich bin aber überzeugt, dass wir uns einen Profi ins Haus holen sollten.“

Achtung: Fordern Sie den anderen niemals auf, zuzugeben, im Unrecht gewesen zu sein. Ihr Teenager ist heute Morgen mit einer viel zu dünnen Jacke aus dem Haus gegangen? Kehrt er mittags schlotternd nach Hause zurück, wird er leichter aus seiner Erfahrung lernen, wenn Sie sich Ihr „Siehst du!“ verkneifen. 

Gespräch verlangsamen!

Häufiger Fehler: In der Hitze des Gefechts unterbrechen Sie Ihr Gegenüber spätestens nach eineinhalb Sätzen. Das Problem: Sie müssen sich dadurch permanent mit dem befassen, was Sie ausdrücken wollen. Was Ihr Gegenüber sagt, bekommen Sie gar nicht richtig mit.

simplify-Tipp: Machen Sie’s wie beim Autofahren, und fädeln Sie sich nur mit Einverständnis des anderen ein. Nehmen Sie Augenkontakt auf. Beobachten Sie das Gesicht des anderen, wenn Sie zum Sprechen ansetzen. Schaut er irritiert und fährt mit unvermindertem Tempo fort, ist das ein klares Zeichen: jetzt bitte nicht! Schalten Sie daraufhin nicht ab, sondern konzentrieren Sie sich aufs Zuhören, und merken Sie sich von den folgenden Sätzen drei wesentliche Punkte. Wenn Sie dann etwas später das Wort ergreifen, können Sie daran anknüpfen.

Fakten checken!

Häufiger Fehler: ungeprüfte Annahmen. Sie gehen davon aus, dass die Sachlage hinreichend bekannt ist. Sie glauben zu wissen, weshalb Ihr Gegenüber so ver- ärgert reagiert. Sie sind sicher, den anderen verstanden zu haben. Das Problem: Wenn Sie sich irren, sind Missverständnissen Tür und Tor geöffnet.

simplify-Tipp: Trauen Sie Ihren Vermutungen nicht. Erkundigen Sie sich, ob Ihr Kollege mit der Vorgeschichte des Streitfalls vertraut ist. Fragen Sie, ob Sie die Gefühle des anderen richtig deuten: „Bist du sauer, weil ich das entschieden habe, ohne dich zu fragen?“ Wiederholen Sie im Lauf des Gesprächs, was Sie von der Botschaft Ihres Gegenübers verstanden haben. „Du bist zuversichtlich, dass du das ohne meine Unterstützung schaffst.“

Kein Multitasking!

Häufiger Fehler: Weil Sie keine Zeit oder keinen Nerv für eine Auseinandersetzung haben, beschäftigen Sie sich nebenbei mit anderen Dingen. Sie checken Mails, picken an Ihren Fingernägeln, räumen das Geschirr ab oder summen vor sich hin. Das Problem: Je weniger aufmerksam Sie zuhören, umso ausdauernder wird der andere auf Sie einreden – ein Teufelskreis.

simplify-Tipp: Sagen Sie klipp und klar, wie viel Zeit Sie zur Verfügung haben: „In 10 Minuten muss ich mich auf meinen nächsten Termin vorbereiten. Schaffen wir es bis dahin, das weitere Vorgehen zu klären?“ Oder verschieben Sie das Gespräch gleich auf einen Zeitpunkt, der Ihnen besser passt: „Ich bin schon sehr müde. Lass uns am Wochenende darüber sprechen.“ Schneiden Sie das Thema dann von sich aus wieder an – sonst wird sich Ihr Gegenüber zum letzten Mal auf eine Verschiebung eingelassen haben. Das Thema hängt Ihnen schon zum Hals heraus? Dann knüpfen Sie die Wiederaufnahme der Debatte an die Bedingung, dass Ihr Gegenüber als Erstes ein wirklich neues Argument bringt.

Nicht zurückschießen!

Häufiger Fehler: Um nicht den Eindruck zu erwecken, dass Sie klein beigeben, zahlen Sie aggressive Bemerkungen mit gleicher Münze zurück. Das Problem: Mit einem solchen Gegenangriff heizen Sie den Konflikt weiter an.

simplify-Tipp: Lassen Sie sich nicht provozieren. Sagen Sie mit fester Stimme: „Ich möchte, dass du in normalem Ton mit mir sprichst.“ Zeigen Sie dem anderen ruhig, dass Sie seine Aggression wahrgenommen haben, aber begeben Sie sich dabei nicht auf sein Niveau: „Auf diese Bemerkung reagiere ich nicht, weil ich merke, dass du gerade sehr wütend bist.“ Bei einer Schimpftirade oft wirkungsvoll ist ein kurzer Brüller à la: „Stopp! Lassen Sie mich bitte auch zu Wort kommen!“ Danach mit freundlicher Stimme weitersprechen.

Sehen Sie Lästern als Signal!

Häufiger Fehler: Sie scheuen vor einer persönlichen Konfrontation zurück. Stattdessen erzählen Sie Dritten, was Ihnen nicht passt – vielleicht hoffend, dass es dem Betreffenden zu Ohren kommt. Das Problem: Sie werden Ihren Ärger nicht wirklich los, muten anderen die ungute Position „zwischen den Stühlen“ zu und riskieren, dass Ihre Botschaft völlig verdreht ankommt.

simplify-Tipp: Sehen Sie Ihr Tratschbedürfnis als Anzeichen, dass es Zeit ist für eine offene Aussprache. Wenn Sie immer öfter über die Müllers im Erdgeschoss sprechen als mit ihnen, sollten Sie umschalten auf direkte Kommunikation!

Vorsicht vor digitalem Gemecker!

Häufiger Fehler: Sie tragen Konflikte per Mail/SMS/WhatsApp aus. Das Problem: Sie bekommen nicht mit, wie Ihre Botschaften beim anderen ankommen. Und vor allem: Jeder kleinste Schnitzer Ihrerseits lässt sich nachlesen.

simplify-Tipp: Wird der Ton beim Austausch von Kurznachrichten unfreundlicher, wechseln Sie schleunigst den Kanal. Überrumpeln Sie den anderen jedoch nicht durch einen Anruf oder indem Sie einfach persönlich aufkreuzen, sondern kündigen Sie sich z. B. per SMS an: „Lass uns das am Telefon klären. Ich rufe in 5 Minuten an.“ Sie haben Angst, im persönlichen Gespräch die Kontrolle über sich zu verlieren? Dann ist es Zeit, einen Vermittler oder professionellen Mediator einzuschalten.