simplify steht für einen einfachen Weg zu einem bewussten und erfüllten Leben in einer komplexen Welt.

Wie viele Dinge sind genug?


Ein deutscher Fernsehsender wollte es wissen: 14 Tage lang sollte sich eine vierköpfige Familie nach dem Vorbild des amerikanischen Bloggers Dave Bruno („The 100 Things Challenge“) auf 100 Dinge pro Kopf beschränken. Doch schon am Ende des ersten Tages stellten Eltern und Kinder fest: Minimalistisch zu leben, das ist alles andere als leicht. Aber wie viele Dinge benötigen Sie tatsächlich zu Ihrem Glück? Und wie finden Sie heraus, was Sie brauchen und was nicht?

Darf’s auch ein bisschen weniger sein?

Immer mehr Menschen halten sich an das bewährte simplify-Prinzip „1 rein – 1 raus“. Wird ein neuer Anzug gekauft, kommt dafür ein alter in die Kleidersammlung. Werden neue, flauschige Handtücher angeschafft, werden die alten, abgegriffenen dafür zu Putzlumpen degradiert. Sind Ihre Schränke und Regale zu voll, schaffen Sie es damit allerdings nicht, Ihren Besitzüberhang abzubauen. Überprüfen Sie deshalb, was Sie tatsächlich benutzen.

simplify-Tipp: Hängen Sie im Kleiderschrank alle Bügel von hinten nach vorne über die Stange. Sobald Sie ein Kleidungsstück tatsächlich getragen haben, hängen Sie es normal, das heißt mit dem Bügel von vorne nach hinten, über die Stange. Vereinbaren Sie mit sich, dass Sie alles, was Sie binnen eines Jahres nicht getragen haben, weggeben. Verfahren Sie ähnlich mit zusammengelegten Shirts und Pullovern (Halsausschnitt im Schrank zunächst nach hinten gerichtet) und Schuhen (Schuhspitzen zunächst nach hinten gerichtet).

Probehalber verknappen

Brauchen Sie 9 Unterhemden? 19 Paar Socken? 23 Kugelschreiber? 5 Nagelscheren? 4 Teekannen? 5 Pfannen? 2 Dutzend Kaffeelöffel? 5 Trinkflaschen für unterwegs? 8 große Badetücher? ... Das können wir Ihnen natürlich nicht sagen! Aber Sie können es selbst herausfinden.

simplify-Tipp: Packen Sie versuchsweise einen Teil davon in eine offene Box oder in eine Umzugskiste. Dann werden Sie z. B. feststellen, ob Sie häufiger die Waschmaschine mit einer halben Ladung anwerfen müssen oder nicht. Sie werden merken, ob Sie ständig auf der Suche nach einem Kuli sind oder ob immer noch genügend im Haus herumliegen etc. Zwei meiner (Ruth) persönlichen Erkenntnisse: 

  1. Um das unschöne Sammelsurium in unserer Besteckschublade zu beseitigen, mussten wir nicht neue, einheitliche Kaffeelöffel anschaffen, sondern lediglich die Einzelstücke ausrangieren, die sich angesammelt hatten.
  2. Seit der Anschaffung eines Wäschetrockners fehlt uns die ausrangierte Wäsche nicht mehr, da Bettwäsche, Handtücher & Co. binnen weniger Stunden wieder sauber zur Verfügung stehen.

Brennpunkt Bücherregal

Wer gerne liest, tut sich meist schwer damit, Bücher auszusortieren. Denn die Bücher in Ihrem Regal sind nicht unbedingt dazu da, noch einmal gelesen zu werden. (Sie können das feststellen, indem Sie im nächsten Jahr jedes Buch, in das Sie noch einmal hineinschauen, mit einem Klebepunkt versehen.) Vielmehr dienen sie der Dokumentation von Interessen, dem Ausweis von Bildung und – ähnlich wie Fotos an der Wand – der Erinnerung an Erlebtes. Und nebenbei sind die bunten Bücherrücken auch eine hübsche Deko fürs Wohnzimmer. Daher gilt für Bücherliebhaber: je mehr Bücher, desto besser.

simplify-Tipp: Setzen Sie auf Klasse statt auf Masse. Rangieren Sie Sach- und Fachbücher aus, die veraltet sind oder deren Inhalt Sie jederzeit problemlos im Internet finden. Verschenken Sie einen Großteil der Bücher aus der Kategorie „harmlose Unterhaltungsliteratur“. Behalten Sie nur Bücher, deren Anblick Sie mit Freude oder Stolz erfüllt. Um mich besser an früher gelesene Bücher zu erinnern, habe ich ein Notizbuch angelegt, in dem ich Sätze oder kurze Passagen notiere, die mich angesprochen oder beeindruckt haben, z. B.: „Wir bedürfen der Geschichte in ihrem vollen Umfang, wenn wir ihr entfliehen und nicht in sie zurückfallen wollen“ (José Ortega y Gasset).

Bauen Sie auf Beziehungen statt auf Dinge

So manches wird nie benutzt, aber „zur Sicherheit“ behalten: noch funktionsfähige Geräte, für die bereits besserer Ersatz angeschafft wurde (Bügeleisen, Drucker). Das unbequeme Klappbett von anno dazumal (falls doch einmal mehr Übernachtungsgäste kommen, als auf der Wohnzimmercouch schlafen können).

simplify-Tipp: Suchen Sie Ihre Sicherheit nicht in der Platz raubenden Aufbewahrung von Dingen, sondern in Ihren guten Beziehungen zu Nachbarn und Freunden. Gibt Ihr aktuelles Bügeleisen unerwartet seinen Geist auf, können Sie sich für dringende Bügelwäsche bestimmt eines von Ihren Nachbarn ausleihen. Haben Sie für ein größeres Fest viele Übernachtungsgäste, können Sie einen Teil davon bei Freunden unterbringen oder sich von Nachbarn deren Klappmatratzen o. Ä. borgen.

Überblicken Sie Ihre Vorräte

Anderes wird „zur Sicherheit“ in größeren Mengen bevorratet: Zahnpasta, Briefumschläge und Briefmarken, Geschenkpapier, Lebensmittel etc. Doch auch hier gilt: Sollte Ihnen tatsächlich einmal etwas ausgehen – z. B. beim Kuchenbacken das Mehl –, werden Sie bei Nachbarn (oder notfalls an der nächsten Tankstelle) fündig.

simplify-Tipp: Ordnen Sie Ihre Vorräte für einen besseren Überblick. Bringen Sie beispielsweise Shampoos, Zahnpastatuben, Seifen und andere Badezimmerartikel getrennt voneinander in kleinen (offenen) Boxen unter. Wenn Sie dann z. B. eine Seifenpackung aus der Box nehmen, sehen Sie auf einen Blick, ob Sie nachkaufen müssen oder nicht. Damit das funktioniert, müssen Sie Ihre Vorräte konzentrieren, statt sie nach Eichhörnchenart auf mehrere Orte zu verteilen. Sie nehmen Standardware im Laden gerne „auf Verdacht“ mit und müssen dann daheim feststellen, dass Sie noch reichlich Müsli, Zahnbürsten oder DIN-A4-Umschläge haben? Ergänzen Sie Ihre Einkaufsliste um entsprechende „Keine“-Posten („kein Müsli“).

Nutzen statt besitzen

Wir alle sind in der Kultur des Habens und Besitzens groß geworden. Doch was früher das Leben angenehmer machte, stellt heute oft eher eine Belastung dar. Sparen Sie Platz, Geld und Zeit, indem Sie sich dem neuen Trend des Leihens und Teilens anschließen. Über das Internet lassen sich nicht nur kommerzielle Verleiher ausfindig machen, sondern auch Privatpersonen, die etwas zu verleihen haben und in Ihrer Nähe wohnen.

simplify-Tipp: Fragen Sie sich vor einer geplanten (Neu-)Anschaffung: Muss mir der Gegenstand (das Auto, der Rasenmäher, die Nähmaschine, das Extra-Geschirr für Feste) jederzeit zur Verfügung stehen, oder kann ich ihn mir bei Bedarf leihen? Fragen Sie sich bei allen Dingen, die Sie bereits besitzen: Muss mir das jederzeit zur Verfügung stehen, oder kann ich es mit anderen teilen? Aber auch: Brauche ich das überhaupt noch, oder kann ich es an andere weitergeben?

 

Autorin: Ruth Drost-Hüttl