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Bloß nichts festschreiben!


Neulich begegnete ich beim Sonntagsspaziergang meinem ehemaligen Physiotherapeuten. Vor Jahren hatte ich Glück, dass ich als junge Mutter sofort einen Termin in seiner Praxis bekam. Denn inzwischen ist es sehr schwer, dort überhaupt aufgenommen zu werden. Ab der ersten Behandlung war ich, die ich mit einem großen Bandscheibenvorfall antrat, praktisch schmerzfrei.

Einige Zeit später, ich hatte bei ihm eine spezielle Behandlung gebucht, kam ich mit ihm ins Gespräch. Ich sagte so etwas wie: „Ich hatte ja einen Bandscheibenvorfall. Wie ist das denn: Kann ich wieder ganz normal Sport machen und mich bewegen?“

Anstatt auf meine Frage zu antworten, bemerkte er: „Das haben Sie richtig ausgedrückt: Sie HATTEN einen Bandscheibenvorfall! Wenn Sie gesund werden wollen, ist es wichtig, Ihre Erkrankung nur als Momentsache zu betrachten. Sonst klappt das nicht!“ Er kenne viele Menschen, die jammerten schon seit Jahren: „Ich habe einen Bandscheibenvorfall!“ Die würden es schwer haben, sich jemals zu erholen, weil sie sich immer noch geistig in diesem Zustand befänden. Ich dagegen hätte festgestellt, dass mein Bandscheibenvorfall Vergangenheit sei. Damit hätte ich schon mal die richtige Einstellung.

Ich habe dieses Gespräch noch gut in Erinnerung, obwohl es Jahre zurückliegt. Was er sagte, leuchtete mir ein. Ruth Drost-Hüttl schreibt in einem Beitrag hier auf simplify.de: „Ich habe Migräne/einen grippalen Infekt/Diabetes ...“ – „Ich bin Asthmatiker/depressiv/sehbehindert/unfruchbar ...“ Wer sich so sieht, läuft Gefahr, seinen unbefriedigenden Gesundheitszustand festzuschreiben. Ich denke, so hat es mein Physiotherapeut gemeint. Ich bin nicht mein Gesundheitszustand! Dieser darf sich verändern. Und es ist schön, wenn ich dafür frei und offen bin!