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Die Erben des Gerümpels


Neulich sah ich die Vorschau zu einer Trödelsendung im Fernsehen: Fremde Menschen durchwühlen ein zugemülltes Haus, um aus dem Gerümpel irgendwie noch Geld zu machen. Weil selbiges den Erben oder dem Besitzer vorne und hinten fehlt. Ich schaltete sofort weiter. Damit wollte ich mich nun wirklich nicht befassen.

Doch wenn ich länger darüber nachdenke, macht es Sinn, sich sein eigenes Szenario zu erstellen. Was hinterlasse ich am Ende meines Lebenswegs? Ein Haus oder eine Wohnung voller Gerümpel? Vollgestopfte Schränke, Schubladen, Kisten und Kästen? Stapelweise Kleider und Magazine oder Bücher? Wem will ich das zumuten?

Meine Antwort: Niemandem! Und da es kaum möglich ist zu sagen: „5 Jahre vorher fange ich an, alles auszumisten, zu sortieren und nur das wirklich Wichtige zu behalten“, bleibt nur eins: Jetzt damit beginnen, sich zu reduzieren auf das, was einem lieb und nützlich ist. Die Betonung liegt auf „ist“.

Vor einiger Zeit half ich einer Freundin beim Ausmisten der Anbauwand im Wohnzimmer. Sie beklagte sich, dass sie so wenig Platz habe für die Dinge, die sie alltäglich in Gebrauch hat. Ein Fach des Wohnzimmerschrankes war voller Gläser. Biertulpen, Bierkrüge, verschiedene Sorten von Sektgläsern, kunstvoll per Hand bemalte Gläser. Darunter waren sechs filigrane Sektkelche aus ultradünnem Glas. Ich traute mich kaum sie anzufassen, aus Angst, ich könnte sie zu Bruch bringen!

Als wir so darüber sprachen, was man mit den Gläsern noch machen könnte – ich vertrat eher einen radikalen Standpunkt – schlug sie das Sozialkaufhaus vor. Ich malte mir aus, wie die feinen Kelche wohl den Weg dorthin überstehen würden und sprach meine Gedanken laut aus. „Nee, die bleiben hier!“, sagte die Freundin. „Das waren mal meine Lieblingsgläser! Die waren dauernd in Gebrauch! Und schau: Es ist nie eins kaputt gegangen!“

Was ich sah, als ich schaute, waren eingestaubte, leicht milchige Sektkelche, die sich wegen der Verjüngung nach unten hin in meinen Augen niemals zufriedenstellend sauber machen lassen. Und ich sah Gläser, die meiner Freundin einmal lieb und nützlich WAREN, es aber inzwischen schon lange nicht mehr sind.

Wenn ich hier von anderen erzähle, schreibe ich natürlich auch über mich selbst. Bei meinem nächsten Blick in den Gläser-Schrank fragte ich mich ebenfalls, ob die eigenen mir überhaupt noch lieb und nützlich sind ...

Und so lautet mein Schluss aus den wenigen Sekunden, die ich von der Trödelsendung gesehen habe: Immer wieder ausmisten und bewusst einkaufen. Ich bin sicher, das schreibe ich hier nicht zum ersten Mal!