simplify steht für einen einfachen Weg zu einem bewussten und erfüllten Leben in einer komplexen Welt.

Kleine Geste, großer Dank


Habt ihr schon einmal versucht, Delfine zu fotografieren, wenn sie gerade aus dem Wasser springen? Vor euch stehen drei Reihen anderer Menschen, die alle den allerbesten Schnappschuss machen wollen? Ach ja, und euer Untergrund bewegt sich. Das heißt, ihr seid auf einem Boot. Mit einer kleinen Kompaktkamera war das zumindest für uns ein Ding der Unmöglichkeit. Kaum hatten wir den Auslöser betätigt, waren die Säugetiere auch schon wieder unter der Meeresoberfläche verschwunden.

Dankbarkeit verhalf uns letztlich zu Fotos, wie wir sie besser niemals hätten machen können! Und das ist die Geschichte dazu:

Wir machten an der ligurischen Küste einen Bootsausflug, um Wale und Delfine zu beobachten. Unser Boot sammelte an verschiedenen Orten Interessierte ein, dann ging es raus aufs Meer. Wir stiegen am zweiten Haltepunkt zu und setzten uns aufs hintere Außendeck. Vor uns nahm ein italienischer Vater mit seinen zwei Söhnen Platz. Alle waren mit Ferngläsern ausgestattet und hatten eine Riesenfreude, sich die Umgebung anzuschauen. Der Vater hatte zusätzlich eine Spiegelreflexkamera umhängen und schien ein passionierter Fotograf zu sein.

Nach einer einstündigen Fahrt entlang der Küste machten wir erneut Stopp. Alle mussten eine Stunde von Bord gehen. Kurz bevor wir unser Deck verließen, legten wir unsere Handtücher auf unsere Plätze – die Nachbarn rechts von uns hatten dies auch getan. Als wir zurückkamen, war das Boot noch voller geworden. Offenbar waren hier wieder neue Passagiere zugestiegen. Unsere Plätze hatten wir zum Glück reserviert. Die Reihe vor uns war noch leer. „Komm, wir halten für den Vater und seine Kinder die Plätze frei“, meinte mein Freund. Gesagt. Getan. Wir legten unsere Handtücher auf die Stühle vor uns. Das Deck füllte sich. Draußen sahen wir den Italiener mit seinen Söhnen auf das Boot zujoggen. Sie waren spät dran.

Als der Vater unser Deck endlich betrat, tummelten sich dort viele Leute auf der Suche nach einem Platz. Man sah ihm an, wie unglücklich er darüber war, dass es nun so voll geworden war. Ich stand, auf lief zu ihm und wies auf die Reihe vor uns, die wir freigehalten hatten. Er verstand sofort und kam zu uns herüber. „You are so kind!“, sagte er voller Erleichterung. „Grazie! Thank you! Merci beaucoup! Dankeschön!“, fügte er an. Er konnte es kaum fassen.

Als wir dann draußen auf dem Meer waren und den verschiedensten Meeresbewohnern begegneten, machte er ein Meisterfoto nach dem anderen. Stolz zeigte er uns später die besten Aufnahmen. „Das ist mein Dank dafür, dass Sie mir die Plätze freigehalten haben! Diese Bilder können Sie haben!“ Er gab mir seine Visitenkarte, und wir haben nun auch die sicher besten Fotos von diesem Ausflug.